Projekt Power Road: Brücken und Straßen erzeugen Energie

Projekt Power Road: Brücken und Straßen erzeugen Energie

von Tobias Finger

Brücken und Straßen, die mehr Energie erzeugen, als für Bau und Instandhaltung gebraucht wird? In Norwegen wurde das Projekt 'Power Road' gestartet.

Brücken, die mehr Energie erzeugen, als sie kosten? Was in der Wohnraumarchitektur mit den sogenannten Plusenergiehäusern schon langsam Realität wird, soll in Zukunft auch für Straßen und andere öffentliche Bauprojekte im Bereich Infrastruktur gelten.

In Norwegen engagiert sich das staatliche Straßenbauamt schon länger für energieeffiziente öffentliche Bauvorhaben. Das Projekt der Zukunft ist die „fährenfreie“ Küsten-Autobahn E39 im Westen des Landes, die im Laufe ihres Lebens mehr Energie erzeugt, als Bau und Betrieb verschlingen. Fährenfrei deshalb, weil für keinen Abschnitt eine Fähre notwendig ist, sondern die gesamte Küste auch mit dem Auto durchfahrbar sein soll.

Anzeige

Innovatives Design für integrierte EnergiegewinnungDafür braucht es ein innovatives Design und nachhaltige Fertigungsmethoden. Auf der Designseite ist die Energiegewinnung für eine möglichst dauerhafte und effiziente Stromerzeugung wichtig. Lärmschutzwände oder Sicherheitsbarrieren aus Photovoltaik-Modulen sind dabei nur eine der Ideen, die bei den Projektverantwortlichen von SINTEF (norw. Stiftung für wissenschaftliche und industrielle Forschung) diskutiert werden.

Weitere Vorschläge beschäftigen sich mit der Integration von Solarpanels und Windturbinen in der eigentlichen Brückenstruktur, sowie der Inbetriebnahme von Strömungs- und Wellenkraftwerken an den Brückenpfeilern.

Dass man sich in Norwegen darüber überhaupt Gedanken macht, liegt daran, dass eine enorme Anzahl von Brücken gebaut werden müsste, um die Fähren, die die einzelnen Abschnitte der E39 im von Fjorden durchzogenen Küstengebiet aktuell noch verbinden, zu ersetzen.

Wiederverwendbare, lokale BaustoffeDementsprechend soll auch beim Bau der Brücken ressourcen- und energieschonend vorgegangen werden. Das verwendete Gestein möchten die Architekten deshalb aus lokalen Quellen gewinnen und damit lange Transportwege verhindern. Gleichzeitig soll schon beim Bau ein Plan für die mögliche Weiterverwertung der Baustoffe stehen:

„Unser jetziges System beachtet die Rolle der Vertragspartner in diesem Nachhaltigkeits-Rätsel gar nicht. Zur Zeit werden sie einfach dafür bezahlt, Steine zu transportieren – und nicht dafür, lokale und nachhaltige Lösungen und Wege zu finden“, sagt Berit Laanke von SINTEF im Wissenschaftsportal Science Daily.

Gemeinsam mit der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in Trondheim versucht die Stiftung für ihr Forschungsprojekt „Power Road“ momentan Fördergelder und Aufmerksamkeit zu generieren. Ziel ist es, realistische Lösungen für integrierte Energiegewinnung zu erarbeiten und die Rolle dieser Energie im gesamten Strommarkt zu untersuchen.

Ungewöhnliche Ideen für die positive EnergiebilanzDa die wenigsten Straßen Norwegens Fjorde überspannen, gibt es aktuell noch keine Beispiele für Brücken-Energiegewinnung im Land. Bei SINTEF möchte man deshalb die verschiedensten Möglichkeiten zur Stromerzeugung testen, die auch in normale Straßen integriert werden können.

So will die Forschergruppe beispielsweise auch Optionen zur Nutzung des auf den Straßenbelag wirkenden Drucks von PKW und Lastentransporten analysieren, um verschiedene Arten aufzuzeigen, wie öffentliche Infrastruktur eine positive Energiebilanz bekommt.

Können öffentliche Bauprojekte Energieeffizienz?Die Vision der Energiegewinnung durch öffentliche Bauprojekte könnte noch nützlich werden. Neben hohen Kosten verursachen sie häufig einen großen Energieaufwand, der durch Instandhaltung und Transportkosten von Baumaterial entsteht. Werden diese verringert und Konzepte zur Energiegewinnung integriert, könnte sich die Energiebilanz schon bald in positiven Sphären bewegen.

Berit Laanke ist sich sicher, dass das Projekt Erfolg haben wird: „Wir hoffen, im Frühling 2016 die ersten Projekte zu starten. Mit dem hingabevollen Engagement von Organisationen des öffentlichen Sektors wie dem Straßenbaumamt wird das Power Road project gelingen.“

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%