Recycling: Industrie verschwendet Rohstoffe für 500 Milliarden Euro

Recycling: Industrie verschwendet Rohstoffe für 500 Milliarden Euro

von Benjamin Reuter

Durch besseres Recycling könnte allein die Kleidungs- und Nahrungsmittelindustrie weltweit Milliarden Euro sparen.

Rohstoffe werden überall auf der Welt knapper und teurer – sei es das Öl, das in Plastik landet, sei es das Holz, aus dem Papier und Pappe wird. Dass Gesellschaft und Industrie mit diesen und vielen anderen Ressourcen immer noch viel zu verschwenderisch umgehen, ist keine Neuigkeit. Jetzt zeigt eine Studie der britischen Ellen MacArthur Foundation aber, wie stark allein die Nahrungsmittel-, Verpackungs- und Kleidungsindustrie von einem besseren Recycling der Grundstoffe für ihre verschiedenen Produkte profitieren könnte.

Die englischen Experten haben errechnet, dass allein diese drei Wirtschaftszweige jährlich Material-Ausgaben von 700 Milliarden Dollar (rund 500 Milliarden Euro) sparen könnten, wenn sie ein besseres Recycling durchführen würden. Insgesamt haben diese Branchen ein weltweites Marktvolumen von 3,2 Billionen Dollar. Sie verbrauchen laut dem Report 35 Prozent der Ressourcen der gesamten Wirtschaft, produzieren mit ihren Gütern drei Viertel des Haushaltsmülls und verarbeiten 90 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion.

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Laut der Studie werden derzeit nur rund 20 Prozent der Rohstoffe aus der Ernährungs-, Verpackungs- und Kleidungsindustrie wiederverwertet. Durch ein besseres Sammel- und Recyclingsystem ließe sich aber die Hälfte der Materialien noch einmal verwenden, so die Studie. Das schützt nicht nur die Umwelt, sondern würde den Unternehmen auch die besagte halbe Billionen Euro sparen. Für die Zukunft ist ein engmaschigeres System der Wiederverwertung unverzichtbar: Denn die Nachfrage nach Konsumgütern in den aufstrebenden Schwellenländern steigt rapide an.

Es gibt derzeit schon einige Unternehmen, die an besseren Recyclingketten arbeiten. So der Kleidungshersteller H&M, die Elektronikkonzerne Phillips und Panasonic oder auch Hersteller von Bodenbelägen wie Interface. Manche Hersteller experimentieren auch damit, ihre Produkte so zu designen, dass sie sich leichter wiederverwerten lassen. So sollten sich die einzelnen Teile – zum Beispiel einer Kaffeemaschine – gut auseinander bauen lassen und keine Materialgemische aus verschiedenen Kunststoffen enthalten. Noch aber fehlt es zu oft an Sammelstellen und Verteilstrukturen, um Produkte und Rohstoffe aufzubereiten. Die Studie spricht hier von einer „umgekehrten Logistik“, die etabliert werden müsse.

Unternehmen, die sich darum bemühen, ihren Müll wieder einzusammeln, haben nicht nur einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber den Konkurrenten. Sie könnten auch die Preise für ihre Produkte senken. Ein markantes Beispiel aus der Untersuchung: Allein wenn die Bierbrauer in England ein Recyclingsystem für  ihre Flaschen einführen würden, könnte der Preis für Ale und Co. um ein Fünftel sinken – in Deutschland gibt es das natürlich schon. Recycling-Flaschen verbrauchen zwar mehr Glas – lassen sich aber bis zu 30 Mal wiederverwenden.

Die Experten beschreiben auch einige Entwicklungen, die umgekehrte Lieferketten und Kreislaufsysteme fördern:

- Die zunehmende Urbanisierung auf der Welt macht es einfacher, Rohstoffe wieder einzusammeln, weil Konsumenten nicht mehr über große Flächen verstreut sind. Der Report bezeichnet das als „Urban-Loop-Economies“.- Neue Technologien (die zum Beispiel mit Müll fressenden Bakterien arbeiten) können aus Nahrungsabfällen und sogar Abwasser sowohl Treibstoffe, Biogas oder Rohstoffe wie Kohlendioxid zur Plastikherstellung machen.- Bessere Software macht große Warenströme kontrollierbarer.- Technologieunternehmen und Startups entdecken Recycling und „Urban Mining“ als aussichtsreichen Markt.- Auf Online-Plattformen können zum Beispiel in England Unternehmen Müll „tauschen“ oder verkaufen. Nach dem Motto: Mein Abfall könnte Dein Rohstoff sein.- Großunternehmen arbeiten daran, ihre Produktion und den Vertrieb von Waren zu lokalisieren. Lokale Warenkreisläufe erleichtern das Recycling von Rohstoffen.

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