"Refurbished"-Varianten: Smartphone-Hersteller planen zweites Leben für Handys

"Refurbished"-Varianten: Smartphone-Hersteller planen zweites Leben für Handys

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Ziemlich viele ziemlich neue Smartphones, mit denen Fans auf einem Konzert den Rapper Cro filmen. Die Hersteller planen, diese künftig nicht einfach zu verschrotten.

von Dirk Kunde

Samsung und Apple bieten demnächst generalüberholte Smartphones an. Denn kleinere Anbieter machen Druck.

Samsung könnte schon Anfang 2017 in das Geschäft mit generalüberholten Smartphones einsteigen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Markt mit gebrauchten Smartphones, die Kunden an Hersteller oder Mobilfunkprovider zurück gegeben, dürfte laut Unternehmensberatung Deloitte in diesem Jahr bei 120 Millionen Geräten mit einem Wert von 17 Milliarden Dollar liegen.

Auf die aktuellen Modelle Galaxy S7 und S7 edge folgt bereits Ende August das Galaxy Note 7. Mit 77 Millionen verkauften Handys ist das zweite Quartal 2016 für den südkoreanischen Hersteller extrem gut gelaufen. Laut Marktforscher Trend Force hält Samsung fast ein Viertel des Marktanteils bei Smartphones.

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Auf Platz zwei liegt Apple mit 15,1 Prozent. Der US-Hersteller konnte im gleichen Zeitraum 40,4 Millionen iPhones absetzten. Apple bietet in Deutschland und den USA generalüberholte Geräte an - allerdings ist das Angebot auf Tablets und Rechner begrenzt. "Refurbished" iPhones gab es nur zeitweise in den USA bei eBay. Die Hersteller wollen sich in Industrienationen ihre Margen nicht mit Gebrauchtgeräten verwässern.

Aufbereitete Smartphones für Schwellenländer

Somit dürfte das geplante Angebot von Samsung auf Schwellenländer zielen, in denen nur wenige Menschen bereit sind, umgerechnet 850 Euro für ein Handy auszugeben. Apple hat bereits in Indien einen Antrag für den Import gebrauchter iPhones gestellt.

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Ein Arbeiter außerhalb eines Apple Stores in Hong Kong. Quelle: REUTERS

Die Hersteller erneuern ihre Top-Modelle im Jahresrhythmus. Nach dieser Zeit müssen für den Wiederverkauf meist nur Gebrauchsspuren an der äußeren Hülle und der gläsernen Bildschirmoberfläche beseitigt werden. Die wieder aufladbaren Akkus erreichen in der Regel erst nach den üblichen 24 Monaten Vertragslaufzeit ihren Lebenszyklus. Da die Energiespeicher jedoch fest verbaut sind, kann der Nutzer sie nicht wechseln. Warum es unsinnig ist, alle paar Monate ein neues Gerät kaufen zu müssen, haben wir bereits vergangenen Sommer ausführlich beschrieben.

Modulare Bauteile

Diesem Gedanken folgend entwickelte der niederländische Industriedesigner Dave Hakkens das Konzept der Phonebloks. Bei dem modularen Smartphone wird nur ein defektes Bauteil ersetzt. Oder aber nach Vorliebe ausgetauscht: Wer viel fotografiert, steckt eine bessere Kamera auf die Trägerplatte, wer lange durch die Natur wandert, installiert einen größeren Akku. Ein derartiges Smartphone würde man länger als 24 Monate nutzen und wäre damit ressourcenschonend.

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Ziemlich modular: Solch ein Smartphone würden sich viele Kunden wünschen. (Graphik: Phonebloks)

Laut Global E-Waste Monitor der United Nations University (pdf) fielen 2014 weltweit 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott an. In Europa entfallen rechnerisch 15,6 Kilogramm auf jeden Menschen. Mit dem Trend zu allerlei technischen Gadgets werde der Elektroschrottberg jährlich um vier bis fünf Prozent wachsen. Im Jahr 2018 dürfte die Menge bei knapp unter 50 Millionen Tonnen liegen, so der Report.

Hakkens traf mit seinen Phonebloks einen Nerv. Motorola lud ihn zum Gespräch ein. Da gehörte der Hersteller noch zu Google. Mit Projekt Ara gab es bei Motorola bereits die Idee für ein modulares Smartphone. Die Hardware-Sparte von Motorola gehört heute Lenovo, doch Ara blieb bei Google. Eine erste "Developer Edition" soll ab Herbst 2016 zu haben sein.

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Auch Google hat Interesse an modularen Smartphones gezeigt - hier ein Ara-Entwurf. (Foto:Google)

Hakkens verfolgt seine Idee weiterhin eigenständig. Noch ist er weit von einer Serienfertigung entfernt. Die Gründe sind unter anderem technischer Natur: Smartphone-Bauteile werden als sogenannte Systems on a Chip produziert. Prozessor, Arbeitsspeicher und andere Elemente sitzen auf einer Platine. Dadurch werden die Geräte extrem flach und die Bauteile kommunizieren problemlos in rasender Geschwindigkeit untereinander. Ein modulares Smartphone wäre sicherlich dicker, schwerer, langsamer und ganz bestimmt teurer. An die Stückzahlen von Apple, Samsung und Co. kommen die kleinen Anbieter ohnehin nicht heran.

Von Fair bis Puzzle

Dennoch versuchen es unterschiedliche Initiativen. Fairphone aus Amsterdam verkauft bereits die zweite Version eines Android-Smartphones. Zum einen lassen sich defekte Bauteile durch den Nutzer austauschen. (Wie genau, das haben wir hier gezeigt.) Zum anderen engagieren sich die Macher für faire Arbeitsbedingungen sowie faire Bezahlung in den Rohstoffminen als auch in der Fertigung.

Puzzlephone aus Espoo in Finnland setzt sein Smartphone aus drei Komponenten zusammen. Das Gehirn besteht aus Prozessor, (Arbeits-)Speicher und Kamera. Das Rückgrat bilden Hülle und Bildschirm. Das Herz ist die Batterie. Die Finnen wollen den Versand des fertigen Produkts im September 2016 starten.

Doch das Konzept modularer Smartphones wird das Problem des unsachgemäßen Recyclings in Schwellen- und Entwicklungsländern nicht lösen. Hier sind vor allem die großen Hersteller gefragt. Deshalb könnte sich auch eine weitere Innovation durchsetzen: Bei einer Apple-Produktvorstellung im Frühjahr 2016 avancierte Liam zum Star der Show. Dabei war der Roboter lediglich in einem Video zu sehen, wie er innerhalb von elf Sekunden ein iPhone in seine Einzelteile zerlegt. Liam ist eine Eigenentwicklung von Apple und arbeitet in Kalifornien.

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Neuzukaufen lohnt sich nicht, my darling. Zumindest bei teuren Geräten. Quelle: dpa

Beim Programm "Renew" nimmt Apple neben dem iPhone auch andere Produkte mit angebissenem Apfel für ein fachgerechtes Recycling zurück. Dazu müssen Kunden gebrauchte Geräte lediglich in einem Apple-Store abgeben. Roboter Liam soll bis zu 1,2 Millionen Smartphones pro Jahr zerlegen. Da gibt es für den Roboter viel zu tun: Im Juli hat Apple die Marke von einer Milliarde verkaufter iPhones überschritten.

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