Sauberer Kochen: Startup entwickelt Technik gegen dicke Luft in Slum-Hütten

Sauberer Kochen: Startup entwickelt Technik gegen dicke Luft in Slum-Hütten

von David Sahay

Qualm aus Feuerstellen tötet Millionen Menschen in Entwicklungsländern. Der Herd eines deutschen Startups soll das ändern.

Sieben Millionen Menschen starben laut einer gestern veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2012 an Luftverschmutzung. Etwa 4,3 Millionen der Todesfälle führen die Experten auf einfache Kohleöfen und offene Feuer zurück, mit denen Millionen Menschen in Entwicklungsländern in ihren Wohnungen kochen und heizen.

Ein deutsches Startup aus Kassel möchte dem tödlichen Smog in der Hütte ein Ende machen.  Sebastian Erdmann und Markus Espeter, die Macher von GloW Energy, haben einen Bausatz für einen Herd entwickelt, der deutlich weniger Ruß und Qualm verursacht als herkömmliche Billigöfen. Auf der Crowdfunding-Plattform Startnext suchen die Gründer derzeit finanzielle Unterstützung für ihre Idee.

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Der Energiesparherd, der mit Holz, Kohle oder trockenen Pflanzenresten betrieben wird, besteht aus zwei Einheiten: Die Basis besteht aus einer Brennkammer aus Edelstahl, der zu den Seiten und nach unten mit Mineralwolle isoliert ist. Das Dämmmaterial verhindert, dass Wärme ungenutzt entweichen kann oder die Griffe sich unnötig aufheizen.

Der zweite Teil des Herds ist ein Vergaser, der auf die Brennkammer aufgesetzt wird. Er sorgt dafür, dass die Kohle gezielter und bei höheren Temperaturen verbrannt wird. Das senkt den Brennstoffverbrauch um bis zu 50 Prozent und reduziert gleichzeitig die Emissionen deutlich im Vergleich zu einem offenen Feuer.

Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Statt unbrauchbarer Asche entsteht als Abfallprodukt Holzkohle, die zum erneuten Kochen und Heizen wiederverwendet werden kann. Die Vorteile des Energiesparherds zeigt diese Grafik:

In den Zielregionen soll der komplette Herd etwa 30 Euro kosten. Der Preis für den Kohleherd ohne Vergaser wird bei etwa 15 Euro liegen. In Deutschland soll der Herd etwas teurer werden, Entwicklungsländer werden so quer-finanziert.

Dass die Gründer ihren Herd nicht am Stück, sondern als Bausatz ausliefern, hat einen guten Grund. Als sie während eines Freiwilligenjahrs in Uganda erste Energiesparherde entwickelten, sahen sie sich einigen Problemen gegenübergestellt: So war die Materialauswahl vor Ort sehr begrenzt, der Arbeitsaufwand zu groß und die verstreute Produktion wenig wirtschaftlich. Zugleich ist der Transport fertiger Herde von der Fabrik in ländliche Regionen ein logistisches Problem.

Die Lösung: Eine Produktionskette von Deutschland in die Zielregionen. So sollen Rohmaterialen für den Herd in Deutschland vorgefertigt werden. In den Zielregionen sollen zentrale Verteilzentren die Bleche weiterverarbeiten, und zu Bausätzen verpacken. Diese Bausätze können schließlich von kleineren dezentralen Werkstätten dort zusammengebaut werden, wo sie gebraucht werden.

Zwar kochen und heizen die Nutzer der Glow-Herdes künftig weiterhin mit schmutziger Kohle. Doch die Innovation könnte helfen, viele Menschenleben in Entwicklungsländern zu retten. Das junge Team hat nun 53 Tage Zeit, die fehlenden rund 8.500 Euro Kapital einzuwerben.

Hier noch ein Video, das die Idee vorstellt:

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