Saubermann statt Blaumann: Dieser Anzug reinigt verschmutzte Luft

Saubermann statt Blaumann: Dieser Anzug reinigt verschmutzte Luft

von Anna Gauto

Hilfe für die vom Smog geplagten Einwohner Pekings? Ein Anzug soll Atemluft von Giften und Krankheitserregern befreien.

Sollte dieser Einteiler auf den Markt kommen, könnte er die Hysterie um Apples iPhone 6 übertreffen. Zumindest in Metropolen wie Peking, in denen der Smog sich in die Atemwege nistet und wo Kinder vor Sauerstoffmangel ständig gähnen.

Denn der "BB.Suit 0.2" befreit die Atemluft, die den Träger umgibt, von Giften. Das behaupten seine Entwickler zumindest. In ihm ist eine Technologie verarbeitet, die mittels kaltem Plasma schädliche Gase wie Kohlenmonoxid in harmlose Substanzen umwandelt. Sogar Viren, Bakterien und Staub können den Trägern nichts anhaben, wie "WANT", einer der Hersteller aus den Niederlanden, schreibt.

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Denn kaltes Plasma, auch ein Hoffnungsträger für die Medizin, enthält sogenannte freie Radikale, die die Struktur schädlicher Substanzen so verändern können, dass sie den Menschen nicht mehr beeinträchtigen. Die Person, die das Wunderoutfit trägt, steht bildlich in einer Blase aus sauberer Luft.

Borre Akkersdijk, einer der holländischen Designer des BB.suit 0.2, sagt: "Die Kalte-Plasma-Technologie spaltet die Partikel in der Luft auf. Sie packt den Staub, der dann mit allen anderen schädlichen Partikeln einfach zu Boden fällt.“

Manfred Kettlitz vom Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie mahnt indes zur Vorsicht. "Plasma ist nicht in allen Fällen gut". Man müsse darauf achten, nicht Reaktionsprodukte zu schaffen, die gefährlicher als die Ausgangsstoffe seien. Als erstes erzeuge man mit dem Anzug aus seiner Sicht O3, also Ozon. Ozon verwendet man zur Reinigung von Schwimmbädern oder zur Aufbereitung von Trinkwasser. Allerdings kann Ozon auch die Atemwege reizen und krank machen. Wird hier der Teufel also mit dem Belzebub ausgetrieben?

Maßgeblich entwickelt wurde die Technologie von dem deutschen Physiker Hans Werner Dehne, der jetzt für das Unternehmen Squair in China arbeitet - aber keine Fragen zu seiner Entwicklung beantworten möchte.

Neben der Plasma-Technologie befindet sich im Brustbereich des Anzugs ein „Luftqualitätssensor“, der mit einem Chip im Kleidungsstück verwoben ist. Er misst unter anderem die Konzentration von Kohlenmonoxid und Methan in der Umgebungsluft und erzeugt standortbasierte Daten. Je mehr Personen den Anzug tragen, desto genauer kann man die Luftqualität an unterschiedlichen Orten erkennen und analysieren.

Wann der mutmaßliche Zauberanzug auf den Markt kommt, ist unklar. „Wir können die Anzüge derzeit nicht verkaufen, weil es noch zu schwer ist, sie zu reinigen. Aber ein erster Schritt ist gemacht, sagt der Entwickler Borre Akkersdijk.

Ob smarte Kleidungsstücke wie BB.Suit 0.2 ein Lichtblick am Betonhimmel von Peking sein können, hängt entscheidend davon ab, dass die Hersteller eine "saubere, organische Analyse machen", also genau prüfen, was bei der Spaltung bestimmter Moleküle noch herauskomme, sagt Leibniz-Forscher Kettlitz. Dann könnten Textilien mit Plasmatechnologie möglicherweise auch im Kampf gegen Epidemien helfen.

Diesen Oktober war der BB.Suit 0.2, eine Gemeinschaftsproduktion von Borre Akkersdijk, Martijn ten Bhomer von der Technischen Universität Eindhoven, Eva de Laat, Daan Spangenberg Graphics, StudioFriso und dem Magazin WANT, auf der Peking Design Woche 2014 ausgestellt.

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