Schippern mit Windkraft: Norweger konzipiert sauberen Frachter

Schippern mit Windkraft: Norweger konzipiert sauberen Frachter

von Wolfgang Kempkens

Ein neuer Tanker soll bis zu 60 Prozent Sprit sparen und 80 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen.

Ein Schiff, dessen Rumpf als Segel dient, hat sich der Norweger Terje Lade ausgedacht, Geschäftsführer der Firma Lade AS in Ålesund. Lade hat ihn nach dem Vorbild des Flugzeugflügels geformt. Wie bei diesem entsteht durch anströmende Luft auf einer Seite ein Überdruck, auf der gegenüberliegenden ein Unterdruck. Diese Differenz treibt das Schiff, das einem Flugzeugträger ähnelt, voran.

Vindskip, so der Name des Frachters, wird außer vom Wind von Motoren angetrieben, die flüssiges Erdgas verbrennen, den saubersten aller fossilen Energieträger. Der Energieverbrauch sinkt, so die Berechnungen des Norwegers, durch den Kombiantrieb um bis zu 60 Prozent. Der Ausstoß von Treibhausgasen und Schadstoffen soll sich um 80 Prozent reduzieren.

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Kurs richtet sich nach der maximalen WindnutzungBei gutem Wind soll Vindskip bis zu 19 Knoten (rund 35 Kilometer pro Stunde) schaffen. Damit ist die Konstruktion ebenso schnell wie ein herkömmlicher Frachter, dessen Maschinen besonders umweltschädliches Schweröl verfeuern. 2019, so plant es Lade, soll der erste Frachter in See stechen.

An der erhofften Einsparung von Treibstoff und der damit einhergehenden Senkung der Emissionen werden auch deutsche Forscher beteiligt sein. Ende Januar 2015 übergeben die Experten des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen in Hamburg Lade ein „maßgeschneidertes Wetter-Routing-Modul“. Es wird mit meteorologischen Daten gefüttert. Daraus errechnet es den Kurs, der maximale Windnutzung ermöglicht und damit eine größtmögliche Treibstoffeinsparung.

Mögliche Schiffstypen im Vindskip-Design, für die das Modul die beste Segelroute finden soll, sind Auto- und Lkw-Transporter, große Fähren, Containerschiffe und Flüssiggastanker. Lades Pläne sehen eine Ladekapazität von 6500 Standardcontainern vor.

Für den exotischen Frachter könnte es durchaus interessierte Kunden geben. Denn Treibstoffkosten belasten den Etat von Reedereien in besonders hohem Maße. Der Druck nimmt noch zu, weil die Emissionsrichtlinien für Schiffe in den kommenden Jahren drastisch verschärft werden. Insbesondere soll der Schwefelgehalt im Treibstoff deutlich sinken. Schon heute dürfen Schiffe etwa in Nord- und Ostsee nur noch entschwefelten Sprit verbrennen. Flüssiggas, das keinen Schwefel enthält, ist eine Alternative, vor allem, wenn zusätzlich kostenlose Windenergie genutzt werden kann.

Schwimmende SchmutzfabrikenDie International Ocean Conservation (Oceana), die größte Organisation zum Schutz der Weltmeere, beziffert die Menge an Kohlendioxid, die die Weltschifffahrt jährlich emittiert, auf eine Milliarde Tonnen. Zum Vergleich: Ganz Deutschland kommt auf etwa 800 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. An den weltweiten Schwefel- und Stickoxidemissionen sind Schiffe mit jeweils nahezu zehn Prozent beteiligt.

Bisher gibt es nur ein kommerziell betriebenes Schiff, das mit Windunterstützung die Weltmeere befährt: Das E-Ship 1, das Windenergieanlagen des nordfriesischen Windenergieanlagenherstellers Enercon weltweit ausfliefert. Der Wind sorgt bei diesem 130 Meter langen Fahrzeug im günstigsten Fall für 25 Prozent des Antriebs.

Die Windenergie wird von Rotoren verstärkt, die in hohen schornsteinähnlichen Zylindern stecken. Elektromotoren treiben die so genannten Flettnerrotoren an. Den dafür benötigten Strom liefern sieben Dieselgeneratoren, die auch die Motoren mit Energie versorgen, die die Schiffsschrauben antreiben. Ein Modul, ähnlich dem des Hamburger Fraunhofer-Centers, ermittelt für jede Fahrt die günstigste Route.

Ein drittes Konzept, den Wind als Hilfsantrieb für Schiffe zu nutzen, kommt nicht so recht voran. Das 2001 gegründete Hamburger Unternehmen Skysails hat einen Lenkdrachen entwickelt, der in eine Höhe von bis zu 500 Metern aufsteigt und maximal 40 Prozent der Antriebsleistung übernimmt. Er ist mit dem Schiff mit einem dicken Tau verbunden. Bisher konnten die Hamburger ihren Lenkdrachen aber nur dreimal verkaufen. Ob es der Norweger Lade besser macht, bleibt abzuwarten.

Dieses Video zeigt den von Lade entwickelten Frachter:

Korrektur: Der Frachter soll 19 Knoten schaffen und nicht 90, wie beschrieben.

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