ShiftPhone: Das erste faire Telefon aus Deutschland

ShiftPhone: Das erste faire Telefon aus Deutschland

von Marius Hasenheit

Nach dem Fairphone kommt mit dem ShiftPhone nun auch ein deutsches Gerät auf den Markt für nachhaltige Telefone.

Mit dem Fairphone kündigte sich vor zwei Jahren das erste faire Mobiltelefon an. Und begeisterte wohl vor allem deshalb, da sich ein Team an eine nahezu unmögliche Aufgabe machte: Auf dem Handymarkt den Preiskampf eingehen und trotzdem ein faires Gerät herzustellen.

Gelungen ist das immer noch nicht zu 100 Prozent, vor allem die Konfliktmetalle sind nur mühsam zu ersetzen. Branchengrößen wie Apple hat das Projekt aber auch gezeigt, in welche Richtung sich die Kundenwünsche künftig verschieben.

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Seit einigen Monaten macht nun auch ein deutsches Unternehmen im Bereich fairer Elektronik von sich Reden. Das kleine Familienunternehmen ShiftPhone aus der Region Frankfurt am Main will ebenfalls faire, aber auch sehr günstige Handymodelle herstellen.

Das Unternehmen bietet Smartphones und Phablets (eine Mischung aus Smartphone und Tablet) mit unterschiedlichen technischen Ausstattungen an. Wie auch bei einem Fairphone, lässt sich das Shift-Gerät öffnen, und der Akku austauschen. Die Hülle ist mit standardisierten Schrauben verschlossen und das Unternehmen verzichtet auf unnötige Klebungen, um die Reperaturfähigkeit zu erhöhen. Wer das Gerät öffnet oder rootet, um beispielsweise Google-Dienste auszuschalten, behält dabei den Garantieanspruch. Außerdem bietet Shift wie auch Fairphone Tutorial-Videos und Ersatzteile für die Reparaturen an.

Eine Besonderheit: Während Fairphone auf konfliktfreies Coltan setzt, mit dessen Abbau also keine bewaffneten Konflikte finanziert werden, kommt Shift laut Herstellerangabe gänzlich ohne Coltan aus.

Auch bei den Produktionsbedingungen will das Unternehmen hervorstellen: Mit Acht-Stunden-Tagen und überdurchschnittlicher Bezahlung. Damit wolle man sich von Foxconn (wo das iPhone gebaut wird), aber auch den Fairphone-Produktionsstätten absetzen.

Fairphone setzte allerdings auch nicht in erster Linie auf Verbesserungen in den Arbeitszeiten und dem Lohnniveau, sondern etablierte einen "Workers Fund", der Geld beispielsweise für Weiterbildungsmaßnahmen und Arbeitsplatzsicherheit bereithält. Auch die Repräsentation und Mitbestimmung der Arbeiter waren Fairphone wichtiger.

Faire ArbeitsbedingungenWie Anbieter von fairen landwirtschaftlichen Produkten listet Shift die Kostenzusammensetzung seines Telefons, beziehungsweise die Verwendung des Umsatzes, auf. Die Hälfte des Geldes werde aufgebracht, um die Produktionskosten und den Transport zu decken. Ein Viertel veranschlagen die Entwicklungskosten, weitere sechs Prozent Projektabwicklung, Zertifizierungen  sowie Gewährleistungen - der Rest ist Steuer.

ShiftPhone-Gründer Carsten Waldeck sammelte auf der Crowdfundingplattform Startnext bereits Mitte vergangenen Jahres über 101.000 Euro ein, um das "Phablet" zu realisieren. Im Anschluss sammelte er noch einmal knapp 60.000 Euro, um das fünf Zoll große Smartphone umzusetzen. Inzwischen können die Smartphones und Phablets von ShiftPhone regulär über den Webshop für derzeit 222 Euro bestellt werden.

Doch auch wenn sich schon vieles gut anhört - eine transparente Lieferkette kann ShiftPhone noch nicht vorweisen. Das wäre, ein Jahr nach dem Crowdfunding, auch überraschend. Trotzdem muss Shift neben der technischen Weiterentwicklung auch die Transparenz im Blick behalten. Am Versprechen, ein faires Produkt zu unterstützen, werden die Kunden Shift nämlich zunehmend messen.

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