Sklavenarbeit für Garnelen: Landeten Thailand-Shrimps auch bei Aldi?

Sklavenarbeit für Garnelen: Landeten Thailand-Shrimps auch bei Aldi?

von Benjamin Reuter

Der Guardian deckt Sklavenarbeit in der thailändischen Garnelenzucht auf. Auch Produkte von Aldi sollen betroffen sein.

Es sind unglaubliche Zustände, die Journalisten des britischen Guardian enthüllt haben: Auf Schiffen, die Fische für die Shrimpszucht in Thailand fangen, herrsche seit Jahren Sklavenarbeit. Dutzende Arbeiter seien auf Trawlern gefangen gehalten worden, schreiben die Reporter. Für den Artikel haben die Journalisten ein halbes Jahr vor Ort recherchiert.

Die Fischer werden demnach im Ausland, vor allem in Burma und Kambodscha, gekauft oder verschleppt. Bei manchen handele es sich auch um Flüchtlinge. Die Arbeiter berichteten von Arbeitszeiten von bis zu 20 Stunden, Schlägen, Folter und Hinrichtungen. Die Arbeitsleistung werde mit Drogen erhöht. Manche Arbeiter erklärten, dass sie für rund 300 Euro von Kapitän zu Kapitän verkauft wurden.

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Im Fokus der Guardian-Recherchen steht der weltweite größte Produzent von Garnelen, das thailändische Unternehmen Charoen Pokphand Foods (CPF). CPF hat laut dem Guardian "Fischmehl für seine Garnelenfarmen von Unternehmen gekauft, die Boote betreiben oder besitzen, auf denen Sklavenarbeit herrscht". Die Shrimps aus Thailand landeten und landen in den Regalen der Supermarkt-Multis weltweit: unter anderem bei Walmart, Carrefour, Costco – aber auch beim Discounter Aldi, schreibt der Guardian.

CPF macht einen jährlichen Umsatz von rund 33 Milliarden Dollar und deckt mit seinen Produkten die gesamte Lieferkette der Schrimpsproduktion ab: Von der Produktion des Fischmehls über die Shrimpszucht bis zur Verarbeitung und dem Weiterverkauf der Ware an andere Marken und Unternehmen.

Das Fazit der Guardian-Recherche: Wer Garnelen aus Thailand kauft, kauft das Produkt von Sklavenarbeit.

Die Abnehmer der zweifelhaften Ware haben inzwischen reagiert. Manche wie Walmart sagen, sie hätten von den Zuständen gewusst (!) und seien dabei, Lösungen zu erarbeiten. Carrefour, der weltweit agierende Supermarktriese mit Sitz in Frankreich habe von dem Problem schon im Jahr 2012 gehört und seine Kontrollen auf den Shrimpsfarmen von CPF verstärkt. Leider habe man die Kontrollen nicht bis ans Ende der "komplexen" Lieferkette ausgedehnt, schreibt das Unternehmen.

Andere, wie Aldi in Großbritannien (eine Tochter der deutschen Aldi Süd), verweisen auf ihre hohen ethischen Standards, die auch für Zulieferer gelten.

Tony Baines, Managing Director of Corporate Buying bei Aldi Großbritannien, schreibt in einer Pressemitteilung: "Unsere Standards schließen aus, dass Zulieferer in Zwangsarbeit oder ähnliches verwickelt sind. Aldi wird Arbeitsbedingungen nicht tolerieren, die grundlegende Menschenrechte verletzen."

Ob tatsächlich Garnelen von CPF in den zahlreichen Aldi-Tochterunternehmen weltweit verkauft wurden und werden, sagt das Unternehmen nicht. Aldi Süd ist international in neun Ländern mit mehr als 4500 Filialen vertreten. Aldi Nord kommt auf ungefähr die gleiche Menge.

Die Unklarheit gilt auch für Aldi Süd und Nord in Deutschland. Auf eine Anfrage von WiWo Green haben beide Unternehmen bisher nicht reagiert – allerdings ist Aldi für auch für seine zurückhaltende Kommunikation bekannt.

Was sicher ist: Derzeit sind bei Aldi Nord Garnelen aus Wildfang und Aquafarmen in Vietnam in den Kühlregalen zu finden.

Ein Update zur Geschichte gibt es unter diesem Link, Aldi Nord hat inzwischen bestätigt, dass Garnelen von CPF auch in Deutschland verkauft wurden.

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Alle Artikel und Videos des Guardian zum Thema Sklavenarbeit in der Garnelenproduktion finden Sie unter diesem Link.

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