"SlashCup" macht den Coffee to go umweltfreundlich

Biz: "SlashCup" macht den Coffee to go umweltfreundlich

von Jan Willmroth

Etwa sechs Milliarden Pappbecher werden in Deutschland jedes Jahr verbraucht - ohne Chance auf Recycling. Ein Hamburger Startup will das ändern.

Als Natalie Richter im Mai beim Startup-Wochenende in München saß, war sie von den meisten Ideen gelangweilt. Eine Minute hat dort jeder Teilnehmer Zeit, eine Idee zu präsentieren, und auch nach Dutzenden Vorschlägen für neue Smartphone-Apps war Richter nicht überzeugt. Sie stand auf, ging nach vorn, ohne konkrete Geschäftsidee. Aber mit einer Frage, bei der viele hellhörig wurden: Warum hat noch keiner das Problem mit den Kaffeebechern gelöst?

Die sind nämlich auch nach 15 Jahren des Kaffee-zum-Mitnehmen-Booms nicht wiederverwertbar. Während die Becher außen aus Pappe bestehen und so wirken, als seien sie ein Produkt aus Papier, brauchen sie innen eine wasserdichte Beschichtung aus Plastik oder Maisstärke. Damit gelten sie als sogenanntes Mehrkomponentenprodukt. Es bringt nichts, sie zum Altpapier zu geben. Zu Papier werden sie nicht mehr.

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Der Coffee to go, das Symbol des stets geschäftigen New Yorker Yuppies, der keine Zeit hat, zu Hause seinen Kaffee zu trinken. Der Grund, warum Starbucks zum Weltkonzern aufstieg. Und im Lauf der letzten zehn Jahre ist er auch in Deutschland zum Standard geworden. Der neuesten Aral-Kaffeestudie zufolge, trinken heute mehr als zwei Drittel der Deutschen hin und wieder oder häufig Kaffee im Pappbecher. Bei den 18- bis 35-Jährigen sind es sogar 80 Prozent.

Warum das ein Problem ist, wird an einigen Zahlen deutlich: Laut Michael Kuhndt vom Wuppertal-Insitut wurden 2010 weltweit etwa 23 Milliarden Becher verkauft. Das bedeutete 5,7 Milliarden Liter Wasserverbrauch, 2,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid und 9,4 Millionen gefällte Bäume – die Richtlinien zur Lebensmittelsicherheit verbieten Becher aus Altpapier, weil das allzu oft mit Mineralöl verunreinigt ist. Der WWF veröffentlichte im vergangenen Jahr die Zahl von 6 Milliarden Bechern, die allein in Deutschland verbraucht werden.

Am Ende des Münchener Wochenendes gingen Natalie Richter und ihre damaligen Mitstreiter als Sieger hervor – mit einem Konzept für einen umweltfreundlichen Kaffeebecher. Daraus ist inzwischen ein Startup mit dem Namen "SlashCup" geworden. Die Idee ist einfach: Bei dem neuen Becher sind Pappe und Kunststoff getrennt. Ist der Kaffee ausgetrunken, zieht man den Mantel aus Pappe ab und faltet den Innenteil aus ökologischem Kunststoff zusammen. Der wiederum soll binnen 40 Tagen kompostierbar sein. Als Clou gibt es auf der Innenseite des Pappbezugs Botschaften, Web-Inhalte und Gutscheine. "Das ist auch als Anreiz gedacht, die Pappe aufzuheben und nicht in den nächsten Restmüll zu werfen", sagt Richter. Sie nennt es "Glückskeksprinzip".

Warum bislang noch niemand mit einem marktreifen Konzept für wiederverwertbare Becher um die Ecke gekommen ist, kann sie sich kaum erklären. "Die klassischen Verpackungsfirmen haben keinen Innovationsdruck", sagt sie. Das gilt für SlashCup umso mehr: Noch ist nichts spruchreif, auch Produktfotos gibt es noch nicht (das Artikelbild stammt von einem Produktworkshop und zeigt einen Entwurf). "Nach dem Start im Mai mussten wir uns erst einmal sammeln", sagt Richter. Erst vor fünf Wochen kam ein Ingenieur ins Team, der nun das technische Konzept für den neuen Becher entwickelt. Im kommenden Jahr soll dann ein Prototyp stehen. Bald darauf könnte es die ersten SlashCups in Cafés geben.

Wie das Konzept funktioniert, hat das SlashCup-Team in dieser Präsentation zusammengefasst:



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