Sockenpfand: H&M wird zur Altkleidersammlung

Sockenpfand: H&M wird zur Altkleidersammlung

von Benjamin Reuter

Gutschein für alte Socken. Das gilt ab kommendem Jahr bei H&M. Mit 15-Prozent-Rabatten will der Bekleidungsriese Kunden für das Recycling begeistern.

Pro Jahr trennen sich die Deutschen von mehr als einer Millionen Tonnen Kleidung und Textilien. Aber wo gehen die Stoffberge hin? Der Großteil davon – rund 750.000 Tonnen Jeans, Jacken und Hemden – wird über Straßen- und Containersammlungen wiederverwertet: Entweder als Second-Hand-Klamotte, in Putzlappen oder Plastikprodukten.

Der Bekleidungsriese H&M will diesen Kreislauf jetzt nocheinmal kräftig ankurbeln.

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Wie der Konzern heute bekannt gab, wird ab April 2013 ein weltweites Recyclingsystem eingeführt. Bis Ende 2013 soll es auch in den rund 400 deutschen Filialen verfügbar sein. Dann könnten die eh schon hohen deutschen Sammelquoten noch weiter steigen.

Und so soll das System funktionieren: Kundinnen und Kunden können alte T-Shirts, Jeans, Jacken, Pullover und sogar Socken in einer Tüte in den Filialen abgeben – auch wenn die Kleidung nicht von H&M stammt. Dafür bekommen sie eine Gutschrift von 15% auf ein Produkt ihrer Wahl. Bei einer 100-Euro-Jacke macht das immerhin 15 Euro.

H&M hat das System schon erfolgreich in der Schweiz getestetDie gebrauchte Mode sammelt dann ein Partner von H&M ein, das schweizer Recycling-Unternehmen I:Collect. Im nächsten Schritt wird aussortiert. Akzeptables landet in Second-Hand-Läden, Zerschlissenes im Recycling.

Baumwollstoffe sollen auf längere Sicht auch wieder zu Baumwollkleidung werden, heißt es bei H&M. Vorerst aber bilden sie den Grundstoff für Putzlappen oder den Treibstoff für Kraftwerken. Kunststoff-Kleidchen und Nylon-Tüll werden dagegen als Parkbank oder Laufbahn-Belag wiedergeboren.

Für den H&M-Konzern schafft die Aktion neben einem Marketing-Effekt und grüner Glaubwürdigkeit wohl auch eine Basis für die Zukunft: Denn die Nachfrage nach Rohstoffen wie Baumwolle steigt rapide, die Produktion dagegen kaum. Erfolgreiches Recycling wird künftig ein Weg sein, der Ressourcenverknappung zu entgehen.

Und noch ein anderer Effekt ist nicht zu unterschätzen: Auf Rabatte angewiesene Teenies könnten künftig zu H&M gehen, statt zur Konkurrenz – mit ihren alten Pullovern in der Tüte.

Deutschland ist mit knapp 3 Milliarden Euro Umsatz für H&M der bei weitem größte Markt der Welt. Sollte Recycling irgendwann einmal auf den Pausenhöfen der Republik als „cool“ gelten – die schwedischen Modemacher hätten wohl einen großen Anteil daran.

Wir von WiWo Green haben inzwischen mit der Unternehmerin Sina Trinkwalder über die Aktion gesprochen. Hier Ihre Meinung:

Die Kritik an der Aktion von H&M kam prompt: Sina Trinkwalder, Gründerin des Modelabels Manomama aus Augsburg, bezeichnet das Modell als Augenwischerei. "Es geht da nicht um die Wiederverwertung von Rohstoffen, sondern um ein zweites Geschäftsmodell", sagt sie.

Der Verkauf der alten Kleidung an Second-Hand-Läden bringe mehr ein, als H&M an Rabatten vergebe. Außerdem baue das System eine Konkurrenz zu sozialen Einrichtungen auf.

"Kleidung recyceln zu können, ist ein Märchen", sagt Trinkwalder. Aus Baumwolle und Kunststoffen würden ausschließlich niederwertige Produkte. "Die Kunden von H&M werden aber in dem Irrglauben gehalten, sie tun damit noch etwas Gutes."

Trinkwalder selbst arbeitet seit Jahren an Recycling-Systemen für Kleidung und nachhaltigen Produkten. Außerdem engagiert sie sich für faire Arbeitsbedingungen. Dafür erhielt sie 2011 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

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