Solarenergie: Bunte Lärmschutzwände generieren Strom

Solarenergie: Bunte Lärmschutzwände generieren Strom

von Tobias Finger

Lärmschutz mit Solarenergie: In den Niederlanden werden Schallschutzwände jetzt optisch attraktiv und doppelt nützlich.

Lärmschutzwände neben Autobahnen und ICE-Trassen sind nicht besonders schön anzusehen, aber sie erfüllen ihren Zweck. Ein notwendiges, aber unansehnliches Übel der technisierten Gegenwart. Ein Team der Universität Eindhoven in den Niederlanden macht aus den grauen Lärmblockern jetzt farbenfrohe und doppelt nützliche Solarwände.

Dahinter stecken sogenannte lumineszierende Solarkonzentratoren (luminscent solar concentrator, LSC), die die Ingenieure aus Eindhoven für ihren neuartigen Lärmschutz verwenden. Die LSCs sind farbige Panels, die einfallendes Sonnenlicht empfangen und dann an die Ecken der einzelnen Elemente leiten, an denen klassische Solarzellen daraus Energie gewinnen.

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Auch indirektes Sonnenlicht wird nutzbar gemachtDadurch werden nicht nur die tristen Wände optisch ansprechender. Sie gewinnen auch gleichzeitig saubere Energie. „Dank ihrer vielen Farben sind die LSCs optisch sehr attraktiv, was sie ideal für den Einsatz in verschiedenen Bau-Situationen macht“, sagt Michael Debije von der Universität Eindhoven, der mit der Technologie bestens vertraut ist.

„Weitere Nutzen sind, dass das Prinzip der niedrigen Kosten angewendet wird, sie können in jeder gewünschten Farbe produziert werden, sind robust und sie arbeiten sogar, wenn der Himmel bewölkt ist.“ Davon versprechen sich die Forscher ein enormes Potential.

Der besondere Unterschied zur klassischen Photovoltaik besteht darin, dass die LSCs auch den indirekten Teil des Sonnenlichts einfangen und nutzbar machen. Damit sind sie optimal in Regionen mit einem hohen Anteil an diffusem Sonnenlicht wie beispielsweise Europa, da mehr Sonnenenergie in elektrische Energie umgewandelt wird.

Erste Testphase läuft - ein Kilometer powert 50 Haushalte?Seit Mitte Juni 2015 läuft eine einjährige Testphase an der niederländischen Autobahn A2 nahe ’s-Hertogenbosch. An zwei Stellen wurde unter Anleitung der innovativen Baufirma Heijmans ein fünf Meter langer und viereinhalb Meter hoher Abschnitt der Lärmschutzanlage zur Energiewand. Um die Leistung der LSC-Elemente genauer einschätzen zu können, verbaute Heijmans daneben auch klassische Solarzellen.

Sollten die Tests positive Ergebnisse zeigen, könnten die Solarwände schon nächstes Jahr neben mehreren Autobahnen stehen. „Die Niederlande haben genug Lärmblockaden und die nötige Solarzellen-Technologie“, weiß Stijn Verkuilen, Projektleiter bei Heijmans.

Für die Energieversorgung des Landes bedeutet das nur Gutes: Erste Hochrechnungen ergaben, dass ein Kilometer Lärmschutzwand aus LSCs genügend Solarenergie produziert, um 50 Haushalte zu versorgen. Ganz nebenbei profitiert auch das Landschaftsbild nicht unerheblich von den bunten Kraftwerken. Und vielleicht gelingt ja auch in der Bundesrepublik die Energiewende mit Hilfe der Energiewände.

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