Solargadget-Hersteller Sunnybag: Zwischen Lifestyle und Leben retten

Solargadget-Hersteller Sunnybag: Zwischen Lifestyle und Leben retten

von Peter Vollmer

Mit coolen Lifestyle-Produkten verdient Sunnybag sein Geld - und finanziert damit das eigene Engagement in armen Ländern.

Im vergangenen Jahr gelang dem jungen Unternehmen Sunnybag mit "Powertap" ein echter Crowdfunding-Erfolg. Über 1000 Unterstützer vertrauten dem österreichischen Start-up rund 80.000 Euro für die transportable Solarzelle mit Akkus an.

Die internationale Plattform „Kickstarter“ war geschickt gewählt, denn die Hälfte der Geldgeber kam aus Amerika, überwiegend aus den USA. Und so beschlossen die Unternehmer um Gründer Stefan Ponsold, einen eigenen Stand auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zu mieten - einer der größten Messen für Unterhaltungselektronik überhaupt. Dort präsentierten sie sich im Eureka-Park, dem Teil der Messe, der für hippe Start-ups reserviert ist.

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Damit hat Sunnybag einen Spagat gewagt. Denn im Eureka-Park finden sich die Käufer mit Geld ein, die mit der Ader für avantgardistische Gadgets. Gegründet wurde das Unternehmen allerdings mit einer anderen Zielgruppe vor Augen: Sunnybag wollte Solar-Taschen für Ärzte ohne Grenzen entwickeln.

Avantgarde und Arbeit in Krisenregionen - "Das sind unterschiedliche Ansprüche", sagt Gründer Stefan Ponsold. Das Engagement in ärmeren Ländern sei für das Unternehmen weiterhin wichtig. "Wir arbeiten schon länger mit der Österreichischen Entwicklungshilfe zusammen, in Ghana, in Burkina Faso – da gibt es oft gar keine Steckdose", erklärt er. Hier wird das Powertab vom Accessoire zur notwendigen Stromquelle.

Hohe Anforderungen in Afrika, hohe Ansprüche in EuropaDie Anforderungen an das Gerät sind im Entwicklungseinsatz entsprechend hoch: Häufige Benutzung, hohe Temperaturen - Ponsold spricht von "Extrembedingungen". Kunden in den USA oder Europa benötigen diese Widerstandskraft nicht. Dort dominieren ganz andere Extrem-Vorstellungen. In Las Vegas etwa kam ein Hülle mit Lade-Solarsystem für die besonders bei Abenteuersportlern beliebte GoPro-Kamera gut an. Denn "gerade solche Geräte werden immer energiehungriger", sagt Ponsold. Alles was da den Akku schont, hat Chancen am Markt. "Der Outdoorsport hat einen hohen Aufzeichnungsbedarf", sagt Ponsold augenzwinkernd.

Die unterschiedlichen Einsatzgebiete und -zwecke sieht Ponsold durchaus als Chance, schließlich könne man einen Großteil der Technologie auf beiden Märkten einsetzen. Außerdem rechnet es sich betriebswirtschaftlich, große Mengen zu produzieren. "Wenn wir 20.000 Systeme nach Afrika liefern und 30.000 in Europa verkaufen, dann profitieren wir von den Economies of Scale", so Ponsold. Solche Skaleneffekte bedeuten, dass bei höheren Produktionszahlen das einzelne Produkt günstiger wird. Die zusätzlichen 20.000 Systeme können also umso preiswerter hergestellt werden. Das gilt zumindest für die Herzen der Geräte, die Akkus oder Zellen – das Drumherum kann sich eben sehr unterscheiden.

Batterie-Projekt scheiterte vorerstDass der hiesige Markt trotz einfacherer Witterungsbedingungen nicht zwangsläufig einfach zu bedienen ist, hat Sunnybag allerdings auch schon erfahren: Für eine smarte Batterie wollte das Unternehmen im vergangenen Monat via Kickstarter Geld einsammeln – kein Problem, denn sogenannte Powerbanks sind beliebt und diese spezielle sollte obendrein ihr Innenleben preisgeben: Wie viel Leistung hat die angeschlossene Energiequelle, zum Beispiel eine Solarzelle? Wie warm ist die Batterie und zu wie viel Prozent ist sie geladen? Sogar ein Diebstahlschutz sollte integriert sein – wenn der Akkus sich zu weit vom angeschlossenen Handy entfernt, startet dieses einen Alarm.

Allein: Ein Chip, der diese ganze Technik im Prototyp problemlos möglich machte, haderte als Serien-Variante mit der Datenverarbeitung. "Das hätte nur eine Verzögerung bedeutet, aber da sind die Backer bei Kickstarter genau", erklärt Ponsold – und musste die Finanzierung abbrechen. Vorerst, wie er betont.

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