Sparsamer Antrieb: Künstliche Walflosse beschleunigt Boote

Sparsamer Antrieb: Künstliche Walflosse beschleunigt Boote

von Wolfgang Kempkens

Mindestens ein Zehntel weniger Verbrauch: Das vesprechen sich norwegische Forscher vom Nachbau einer Walflosse für Boote.

Ein kleines, gelbes Boot tanzt auf den Wellen im Meeres-Simulationsbecken der norwegischen Forschungsorganisation Sintef. Es ähnelt einem Ruderboot, wie es Familien gerne für einen Sonntagsausflug am Binnensee nutzen.

Es gibt allerdings einen gravierenden Unterschied: Kurz hinter dem Bug befinden sich seitlich zwei unscheinbare Stummelflügel. Doch die haben es in sich. Sie bewegen sich, vom Auf und Ab des Bootes angetrieben, ähnlich wie die Schwanzflosse eines Wals. Der kommt damit auf hohe Geschwindigkeiten.

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Die Nachbauten haben die gleiche Funktion: Sie treiben zusätzlich zum Motor das Boot voran. Bei Wellenhöhen von weniger als drei Metern reduziert der Zusatzantrieb den Treibstoffverbrauch um neun bis 17 Prozent. Das zeigten die Versuche in Norwegen. Solche Wellenhöhen sind in der Nordsee durchaus vorherrschend.

Technische Imitation

Forscher der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) im norwegischen Trondheim haben den Walen intensiv auf die Schwanzflosse geschaut und deren Bewegung mit technischen Mitteln imitiert. „Wahrscheinlich kann der Widerstand durch eine optimierte Anpassung des Schiffsrumpfs an die Flossen weiter gesenkt werden“, meint Eirik Bøckmann, Meerestechniker an der NTNU.

Mit von der Partie sind die britischen Unternehmen Rolls-Royce Marine, einer der wichtigsten Hersteller und Entwickler von Schiffsantrieben, und Seaspeed Marine Consulting. Seespeed experimentiert schon seit Jahren mit Stummelflügeln, die allerdings anders geformt waren als die der Norweger.

Es dauert nicht einmal eine Minute, bis das Boot das Ende des 200 Meter langen Tanks, Marintek Towing Tank genannt, erreicht hat. Doch das reicht, um mit Hilfe von Kameras und ausgefeilten Messmethoden die Wirkung der Stummelflügel zu dokumentieren.

Alastair Sim, Techniker im Rolls-Royce-Forschungszentrum, hält das Potenzial der norwegischen Erfindung für sehr hoch, schränkt aber ein: „…wenn es so funktioniert wie beabsichtigt“. Das ist noch nicht ganz klar, denn die Tests haben gerade erst begonnen.

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