Spenden: Google und Facebook unterstützen Klimaskeptiker

Spenden: Google und Facebook unterstützen Klimaskeptiker

von Jan Willmroth

Konzerne wie Google investieren Milliarden in erneuerbare Energien. Sie unterstützen aber auch Klimawandel-Skeptiker.

Wenn es um Investitionen in erneuerbare Energien geht, sind die amerikanischen Tech-Konzerne ganz vorne mit dabei. Musterschüler Google gibt nach eigenen Angaben gut eine Milliarde Dollar für den Ausbau von Wind- und Solarkraft aus, Facebook will seine riesigen Datenzentren bis 2015 zu 25 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen decken, Microsoft möchte aufholen und meldete Anfang November, für sein Rechenzentrum in San Antonio 20 Jahre lang den gesamten Strom eines texanischen Windparks zu beziehen.

Vor allem Google gibt sich Mühe. Das Geld des Konzerns steckt unter anderem in Windparks in der Mojawe-Wüste, North Dakota und Oregon, in einem deutschen Solarpark und einem Übertragungskabel vor der US-Atlantikküste. Für seine Datenzentren hält das Unternehmen Verträge über 570 Megawatt Grünstromkapazität.

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Der Direktor des Energie- und Nachhaltigkeitsteams bei Google, Rick Needham, sprach im Interview mit WiWo Green über das Ziel, den Strombedarf für den Weltkonzern komplett aus erneuerbaren Quellen zu decken. „Wir wollen die 100 Prozent so schnell wie möglich. Meilensteine dazwischen gibt es für uns nicht“, sagte er. WiWo Green berichtet regelmäßig über die grünen Aktivitäten von Google wie neue Solarparks oder ein Öko-Holzhaus als Hauptquartier.

Image als Großinvestoren: Nur ein Nebeneffekt?Doch so gut die Projekte klingen, mit denen Google sich schmückt – dahinter steckt wohl kaum der Wunsch, die Umwelt zu schützen. Es sind Investitionen unter vielen, bei denen vor allem der betriebswirtschaftliche Nutzen zählt. Und das grundlegende Kalkül der Tech-Riesen ist eindeutig: Der Strombedarf der Konzerne wächst unaufhörlich und damit auch ihre Nachfrage nach billigem Strom. Das Saubermann-Image ist dabei nur ein positiver Nebeneffekt.

Denn davon bleibt nicht mehr viel übrig, wenn man sich die Lobbyaktionen von Google und Facebook genauer anschaut. Im Juni veranstaltete das libertäre Competitive Enterprise Institute CEI (Schlachtruf: "Free markets and limited government")  sein Jahresdinner in Washington, für das auch die Geldgeber bekannt sind. Der Energiesektor mit Konzernen wie Exxon Mobil spendete 11.000 Dollar, in etwa gleich viel Geld kam von konservativen Stiftungen. Der Tabakkonzern Altria (Phillip Morris) und Autokonzerne wie Ford stehen auch auf der Liste. Die mit 50.000 Dollar größte Einzelspende kam aber ausgerechnet von Google. Auch Facebook ließ 25.000 Dollar für das Dinner springen.

Hauptredner des Abends war der republikanische Senator Rand Paul, Sohn des Ex-Präsidentschaftskandidaten Ron Paul und ein erklärter Gegner von Barack Obamas Klimaschutz-Plänen. Das CEI wurde vor einigen Jahren mit einer Pro-CO2-Kampagne berühmt. Ihr Titel: „You call it Pollution. We Call it Life“ (engl. „Sie nennen es Verschmutzung. Wir nennen es Leben.“).

Google: Fundraising für Klimawandel-SkeptikerWenig später veranstaltete Google selbst ein Dinner – um Geld für die Wahlkampagne des republikanischen Senators Jim Inhofe aus Oklahoma zu sammeln. Inhofe gilt als einer der fleißigsten Klimawandel-Skeptiker. Den Klimawandel nannte er wiederholt „einen Scherz“.  Mit der Aktion brachte Google einige Wissenschaftler aus seinem eigens gegründeten Wissenschaftsdialog gegen sich auf, versuchte sich zu erklären, hielt aber an dem Dinner fest.

Seit kurzer Zeit steht Google gemeinsam mit Facebook auf einer weiteren Liste, die nicht so recht zum Saubermann-Image der Unternehmen passen will: Dem American Legislative Exchange Council, kurz ALEC. Unter dem Namen und dem Slogan „Beschränkte Regierung. Freie Märkte. Föderalismus“ haben sich Hunderte Unternehmen, Stiftungen und Politiker zusammengeschlossen.

Zu den Ideen des Thinktanks gehören Steuererleichterungen für Tabakkonzerne und Privatisierung von Wasser- und Abwasserversorgung. Seitdem Barack Obama die nationale Umweltbehörde EPA gestärkt hat, stemmt sich der ALEC massiv gegen neue Regularien. Erneuerbare Energien findet die Lobbygruppe auch nicht so toll.

Während andere namhafte Konzerne wie Coca-Cola, Amazon oder Kraft Foods der Lobbygruppe den Rücken gekehrt haben, ist Google nun an der Seite von Facebook, Microsoft und der Bewertungsplattform Yelp dabei. Geht es um politische Einflussnahme, wägen die Konzernchefs im Silicon Valley offensichtlich ab, welche Interessen wichtiger sind: niedrige Unternehmenssteuern und Deregulierung oder der Ausbau der erneuerbaren Energien, womöglich staatlich gefördert?

Konzerne erzählen immer nur das über sich, was sich am besten anhört. Die Geschichten über die Milliarden-Investitionen der kalifornischen Technologiekonzerne in grünen Strom klingen so gut, dass sie damit gern anderes übertönen.

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