Sprintstar: 3D-Drucker braucht statt Stunden nur Minuten

Sprintstar: 3D-Drucker braucht statt Stunden nur Minuten

von Tobias Finger

3D-Drucker sind hip, aber lahm. Ein Startup aus Kalifornien will den Markt jetzt mit einem Gerät aufmischen, das hundertmal schneller druckt als die Konkurrenz.

Ein völliges unbekanntes Unternehmen taucht quasi aus dem Nichts auf und erlangt mit einer neuen 3D-Druck-Methode das Potential, den Markt aufzumischen und den 3D-Druck zu revolutionieren.

Das klingt abenteuerlich, könnte aber funktionieren. Denn das Unternehmen Carbon3D hat etwas, woran die Konkurrenz noch tüftelt: Einen wieselflinken 3D-Drucker.

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Die Gründer des US-Startups haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie hundertmal schneller drucken als andere Anbieter. In wenigen Minuten ziehen sie Objekte aus dem Gerät, für die herkömmliche 3D-Drucker viele Stunden brauchen.

CLIP (Continous Liquid Interface Production) nennen sie die Technologie, bei der sie Objekte aus einem Guss fertigen, statt sie Schicht für Schicht zu drucken. Mit Hilfe von Licht und Sauerstoff lassen sie Fertigstücke aus einem Becken mit Flüssigharz "wachsen".

Druck wie aus einem GussDas Verfahren beruht auf Laser-Stereolithografie, bei der Laserstrahlen den Druck-Rohstoff an bestimmten Stellen aushärten. Üblicherweise muss man Drucker ausschalten, bevor man die nächste Schicht drucken kann, wie der Blog Trends der Zukunft schreibt.

Mit ihrer CLIP-Technologie haben die Gründer einen Weg gefunden, den Druck-Prozess kontinuierlich ablaufen zu lassen. Entscheidend ist dabei, dass sich der flüssige Rohstoff nicht sofort verfestigt. Dazu haben sie am Boden des Beckens ein Fenster angebracht, das Sauerstoff und UV-Licht durchlässt.

Der Sauerstoff verhindert vorübergehend das Aushärten, die sogenannte Photopolymerisation, sobald das Licht den Rohstoff formt. Das schafft Zeit, um die nächste Schicht nahtlos aufzutragen. Der bereits fertig gehärtete Teil des jeweiligen Druckobjekts hängt an einer beweglichen Plattform, die ihn aus dem Becken hebt.

Der kontrollierte Sauerstoff-Zufluss sorgt dafür, dass das Objekt nicht am Boden festklebt.

Wie das funktioniert, zeigt dieses Video:

Der wahre 3D-Druck?Carbon3D hält, wie könnte es anders sein, seine CLIP-Technologie nicht nur für „bahnbrechend“. Sie stehe auch für den "wahren" 3D-Druck. Was man bislang unter 3D-Druck kenne, sei in Wahrheit "2D-Druck, wieder und wieder", sagte der CEO Joseph DeSimeone auf einer TED-Veranstaltung in Vancouver.

Das kalifornische Unternehmen wurde 2013 gegründet, seitdem feilen die Experten an der möglicherweise revolutionären Technologie, die "sorgfältig gemanagte chemische Reaktionen und ausgeklügelte Software" kombiniere.

 Highspeed-Druck und stabilere TeileDie CLIP-Methode macht den 3D-Druck nicht nur viel schneller. Die fertigen Objekte sind nach Angaben der Unternehmer auch stabiler und haben keine rauhen Stellen.

Das eröffnet ganz neue Anwendungsmöglichkeiten. DeSimeone schwärmt etwa davon, maßgenaue Zahnprothesen zu drucken, "während der Patient noch im Zahnarztstuhl sitzt.“

Laut Carbon3d kann das Verfahren Details mit einer Genauigkeit von unter 0,1 Millimeter abbilden.

In einem Jahr marktreifUm aber den Markt tatsächlich aufzurollen, muss die CLIP-Technologie zunächst das Labor verlassen und einige Hürden überwinden.

So kann der Drucker momentan nur mit polymerbasierten Rohstoffen arbeiten. Laut DeSimeone würden weitere Materialien aber bereits getestet. An seine Grenzen stoßen könnte CLIP auch bei der Größe der gedruckten Objekte.

Die Finanzierung für bisherige Projekte holten sich die Druckexperten von Investoren wie Sequoia Capital und Silver Lake Kraftwerk. Insgesamt investierten Risikokapitalgeber 41 Millionen US-Dollar in das Drucker-Startup.

Laut den Kaliforniern testen schon verschiedenen Unternehmen den Hochgeschwindigkeits-Drucker. Marktreif soll der "wahre 3D-Drucker" in einem Jahr sein.

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