Startup: Berliner Gründer sammeln 500.000 Euro für superfairen Kaffee

Startup: Berliner Gründer sammeln 500.000 Euro für superfairen Kaffee

von Matthias Adler

Fairen Kaffee bekommt nur, wer mit einer neuartigen Kaffeemaschine selbst röstet, glaubt das Startup Bonaverde.

Das Berliner Startup Bonaverde sammelt fleißig Geld für seine ganz eigene Kaffeekultur. Seit gestern kamen auf der Crowdinvestingplattform Seedmatch eine halbe Million Euro zusammen. Es ist das Startkapital für die Produktion einer Kaffeemaschine, die frische grüne Bohnen röstet, mahlt und schließlich auch den Kaffee brüht – und das alles mit einem Knopfdruck.

Hans Stier, CEO von Bonaverde, spricht bei seiner Entwicklung sogar von einer "Revolution". Zwar konnten Enthusiasten sich auch bisher schon Kaffee selber rösten. Wem das Spezialequipment fehlte, war aber auf Pfanne oder Ofen angewiesen.

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Kontakt vom Bauern zum Kunden herstellenDas sechsköpfige Team von Bonaverde will aber nicht nur das private Rösten professionalisieren, sondern hinter ihrem Projekt steht auch die Idee, bestehende Strukturen beim Kaffeehandel aufzubrechen. Profitieren sollen dabei auch vier bisher angeworbene Kaffeebauern, deren Bohnen das Unternehmen später direkt an die Abnehmer der Kaffeemaschine vertreiben will.

Denn wozu braucht man noch große Röstereien, wenn sich jeder den Kaffee direkt von der Plantage kauft und zuhause selbst verarbeitet? Die Bauern sollen so mehr an ihrem Kaffee verdienen. Das ermöglicht der Wegfall der bisher rund 15 Zwischenhändler. Außerdem fallen auf Rohkaffee keine Steuern an. Mehr als zwei Euro betragen sie derzeit für ein Kilogramm des gerösteten Produkts.

Das ist ein Grund dafür, dass die meisten Kaffeebauern bisher wenig davon haben, dass sie einen der weltweit begehrtesten Rohstoffe kultivieren. Zwar gab es in den vergangenen Jahren einige wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Kaffeehandel. Fair Trade und die Rainforest Alliance zum Beispiel verstehen sich als wirksame Hebel für moralisch einwandfrei angebauten Kaffee, der gute Arbeitsbedingungen bietet und die Umwelt schützt (allerdings gibt es auch Kritik an den Siegeln).

Bislang aber kaufen immer noch wenige große Unternehmen wie Tchibo, Nestlé und Kraft große Mengen auch der Fair Trade Kaffeebohnen. Jährlich werden mehr als 100 Millionen handelsüblicher 60-Kilogramm-Säcke um die ganze Welt geschifft. Anschließend erhitzen, zermahlen und verpacken die Unternehmen die Kaffeebohnen.

Bonaverde will genau dazwischen einen Platz finden. Einen Markt für seinen Filterkaffee gebe es, ist Stier überzeugt, trotz des durch Marken wie Nespresso angestoßenen Kapselbooms. Geschmacklich sei sein Kaffee sehr viel besser, glaubt er, weil die Bohnen ganz frisch geröstet seien.

Stier arbeitete beim Energieversorger RWE, bevor er vor drei Jahren die Idee zu Bonaverde hatte. Begeisterter Kaffeetrinker war er schon immer.

Idee wird CrowdfundinghitSeine Idee kommt an: Im vergangenen Jahr sammelte Bonaverde mit zwei Crowdfunding-Runden über die Plattformen Kickstarter und Indiegogo mehr als 800.000 Dollar für ihre Entwicklung. Mehr als 3000 Maschinen wurden bereits bestellt, obwohl bisher nur etwas mehr als 100 Prototypen der Entwicklung existieren. Die sollen in den kommenden Wochen bei ersten Testkostern in den USA eintreffen. Bis Weihnachten will Stier dann die ersten Maschinen in den USA und Deutschland an Kunden ausliefern.

Auch das Design der Maschine haben die Berliner über eine für jeden zugängliche Design-Plattform im Internet organisiert.

Seit dem 21. Juli läuft nun eine weitere Kampagne bei dem deutschen Startup-Finanzierer Seedmatch, um die letzten Entwicklungsschritte auf dem Weg zur Serienproduktion machen zu können. Innerhalb nur eines Tages sammelten Stier und seine Mitstreiter weitere 500.000 Euro von Internetinvestoren über ein sogenanntes Nachrangdarlehen. Die Kampagne läuft noch rund 60 Tage.

Die faire Kaffeemaschine kosten derzeit allerdings rund 300 Euro – erstmal bleibt sie damit wohl eine Anschaffung für Liebhaber und Weltverbesserer. Der Kaffee soll mit rund sechs Euro pro Pfund ungefähr genau so teuer sein wie handelsüblicher Kaffee. Dafür sollen die Margen der Bauern steigen.

Was einigen Bestellern noch aufstoßen könnte: Die Maschinen von Bonaverde fertigt ein Fabrikant in China. Man will hoffen, dass die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen am Ende nicht besser sind als beim Hersteller in Asien. Vielleicht wäre das eine Idee für das nächste Crowdfunding: Faire Bedingungen auch für die Produktion der Maschine.

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