Startup Risebox: Jetzt kommt die Stadtfarm für zu Hause

Startup Risebox: Jetzt kommt die Stadtfarm für zu Hause

von Marius Hasenheit

Ein französisches Startup hat eine Stadtfarm für die Fisch- und Gemüsezucht konzipiert. Das Besondere: Sie steht in der Küche.

Startups, die in Städten und auf großen Farmen den Gemüseanbau mit der Fischzucht kombinieren, sind nicht mehr neu. In Berlin zum Beispiel preist das Unternehmen ECF Farmsystems seine "Tomatenfische" an. Auch TopFarmers sind in Berlin unterwegs und kultivieren mit den Fischen zusammen sogar Südfrüchte wie Bananen.

Die Idee bei den Mischfarmen: Das Wasser und die Nährstoffe aus der Fischzucht fließen in die Gemüsebeete. So kommen die Stadtfarmer ohne Dünger aus.

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Stadtfarm für die KücheNun schickt sich das französische Jungunternehmen Risebox an, dieses Prinzip direkt in die Küchen zu bringen. Am 20. März wollen sie ihre Idee auf der Urban-Gardening-Konferenz „Du Green dans le Gris“ in Paris vorstellen.

Noch stehen die Franzosen Nicolas Nardone und Adrien Thery ganz am Anfang mit ihrer Entwicklung. Sie konzipierten einen Prototypen, der momentan noch in Nardones Wohnzimmer steht. Mittels eines Schlauchsystems leiten die Entwickler das mit Fischausscheidungen angereicherte Wasser zum Tonkugelsubstrat der Pflanzen. Wie Pflanzen in der Anlage wachsen, zeigt dieses Bild von Twitter:Prototype d'#aquaponie en intérieur Risebox : Observations et avancées après 1 mois http://t.co/zMafCQMUWO pic.twitter.com/YYjEDhNTVd

— Risebox (@getrisebox) 1. Januar 2015In den Tonkügelchen wandeln Bakterienkulturen das Ammoniak der Ausscheidungen in Nitrit und Nitrat um – düngende Stoffe, die die Pflanzen aufnehmen. Obwohl der Prototyp erst seit Dezember 2014 fertig gestellt ist, konnten die Zimmergärtner bereits Kohl, Erdbeeren und Radieschen anbauen und teilweise ernten.

Dabei sammelten sie Erfahrungen, wie sich die Technik aufeinander abstimmen lässt und bauen nun eine weiterentwickelte Risebox mit verbesserten Steuerelementen, höherer Produktivität und anspruchsvollerem Design. Wie viel eine solche Risebox kosten wird, ist noch nicht sicher.

Jeder sein eigener GärtnerDie Produktivität hingegen ist immerhin schon abschätzbar. Wenn man von Speisefisch wie Tilapiabarsch und einem 200-Liter-Wassertank ausgeht, ließen sich nach Angaben der Jungunternehmer Fische mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Kilogramm halten. Es dauert allerdings sieben bis acht Monate, um einen Tilapiabarsch auf „Tellergröße“ zu bringen.

Laut ihrer Aussage lassen sich aber immerhin etwa 500 Gramm Fisch im Monat züchten. Das Sonntagsmahl einer Familie wäre somit etwas knapp bemessen. Aber es geht natürlich neben der direkten Versorgung durch Fisch in erster Linie um das Erlebnis, selber Nahrungsmittel anzubauen und als Städter der Nahrungsproduktion näher zu sein.

Die Pflanzenproduktivität soll verglichen mit der Landwirtschaft im Freien sehr viel größer sein. Laut den Entwicklern braucht die Risebox nur eine Stellfläche von einem halben Quadratmeter, entspricht aber einer Gartenanbaufläche von sechs Quadratmetern.

Energieverbrauch entscheidendDer Vorteil von Aquaponic ist dabei, dass Stadtgärtner unabhängig von Wind, Wetter und Jahreszeiten Gemüse anbauen können. Integrierte LED-Lampen mit einer Zeitschaltuhr kombiniert sorgen unabhängig vom Stellplatz für die Beleuchtung, während Sensoren den Zustand des Wassers kontrollieren.

Es ist demnach kein Problem, in den Urlaub zu fahren, da das Hausaquaponic-System selbsterhaltend konzipiert ist. Auch über das Jahr hinweg, soll die Risebox sehr pflegeleicht sein. Nur einmal im Jahr müsse der Filter gereinigt werden.

Mit dieser Produktivität soll es immerhin möglich sein, bis zu einen Salat pro Tag zu ernten. Natürlich hängt der Ernteerfolg von vielen Parametern ab. Je nachdem, ob der Nutzer Jungpflanzen oder Saatgut pflanzt, wie viele Fische er hält und was für einen Pflanzplan er befolgt, kann mehr oder weniger geerntet werden.

Ob die Miniaquaponicanlage Erfolg haben wird, hängt allerdings nicht zuletzt vom Energieverbrauch ab. Zwar verbrauchen die LED-Lampen vergleichsweise wenig Energie, jedoch ist auch eine Pumpe ständig in Betrieb, um den Wasserkreislauf am Laufen zu halten.

Zudem ist für ein optimales Wachstum vieler Zuchtfische und auch der Ammoniak-abbauenden Bakterien eine Wassertemperatur zwischen 25 und 30 Grad Celsius notwendig. Ob sich eine Risebox also lohnt, ist nicht nur von der Bepflanzung abhängig, sondern auch von der umgebenden Raumtemperatur.

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