Statoil-Chefvolkswirt Wærness: "Erdgas ist ein Partner der erneuerbaren Energien"

Statoil-Chefvolkswirt Wærness: "Erdgas ist ein Partner der erneuerbaren Energien"

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Auf der norwegischen Plattform Sleipner T verarbeitet Statoil Gas - und trennt CO2 ab.

von Angela Schmid

Gas und Öl werden nicht zu ersetzen sein, ist sich Eirik Wærness sicher. Trotzdem behält der Chefvolkswirt des Energiekonzerns Statoil die deutsche Energiewende und die US-Wahlen im Blick.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens noch zu erreichen, sind schnelle Veränderungen im Stromsektor und beim privaten Straßenverkehr notwendig. Zusätzlich sind erhebliche Steigerungen der Energieeffizienz in allen Sektoren notwendig. Dies ist das Fazit des Reports Energy Perspectives 2016. Das Gas- und Öl-Unternehmen Statoil zeigt darin auf, wie sich die Weltwirtschaft, internationale Energiemärkte und die Treibhausgasemissionen bis 2040 entwickeln könnten.

Statoil-Chefvolkswirt Eirik Wærness (Foto: Statoil)

Statoil-Chefvolkswirt Eirik Wærness (Foto: Statoil)

Das Unternehmen selbst ist Deutschlands zweitgrößter Gaslieferant und investiert zunehmend in erneuerbare Energien - mit dem Offshore-Windpark Arkona vor Rügen erstmals auch in Deutschland. Im Interview mit WiWo Green spricht Chefvolkswirt Eirik Wærness über die Energiewende und Klimaschutz.

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Statoil ist ein klassisches Öl- und Erdgasunternehmen. Wie hat die Energiewende Ihr Geschäftsfeld verändert?

Global betrachtet sehen wir, dass der Herausforderung durch den Klimawandel und ihren Auswirkungen auf die Öl- und Gaswirtschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Für unsere Industrie gilt es zukünftig, den CO2-Ausstoß während der Produktion und Lieferung von Öl und Gas zu senken. Die deutsche Energiewende bietet viele Gelegenheiten, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Erdgas als Partner der erneuerbaren Energien ist der Schlüssel zu einem kohlenstoffarmen Energiesystem.

Aufgrund sich widersprechender Anreizsysteme gehört Erdgas jedoch bislang noch nicht zu den Gewinnern der Energiewende. Denn durch die umfangreiche Förderung von Ökostrom und den niedrigen CO2-Preis haben die Erneuerbaren und Kohle stärker profitiert als Gas. Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, muss sich das ändern.

Statoil hat angekündigt, in den kommenden vier bis sieben Jahren bis zu 200 Millionen US-Dollar in Ökoenergien zu investieren. In welchem Bereich liegt Ihr Hauptaugenmerk?

Die 200 Millionen US-Dollar beziehen sich lediglich auf den Wagniskapitalfonds, den wir ins Leben gerufen haben. Der Fonds zielt darauf ab, in attraktive und ambitionierte Unternehmen zu investieren und einen Beitrag zur Gestaltung der Energiezukunft zu leisten. Dadurch können wir beträchtliche Summen in Organisationen investieren, die unsere derzeitige Erneuerbaren-Sparte unterstützen.

Derzeit konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Projekte im Bereich Offshore-Windenergie, in die wir bereits über zwei Milliarden Euro investiert haben. Zuletzt sind wir in den deutschen Offshore-Wind-Markt eingestiegen und haben 50 Prozent des Arkona Windparks von E.ON erworben.

Herr Wærness, wann ist die Welt nicht mehr auf Öl und Gas zur Deckung ihres Energiebedarfs angewiesen?

Öl und Gas werden noch für Jahrzehnte unerlässlich für den globalen Energiemix bleiben. Eines der Szenarios unserer Studie beschreibt, welche Veränderungen notwendig sind, um die energiebedingten CO2-Emissionen bis 2040 weltweit um 45 Prozent zu senken – eine Reduzierung, die laut Internationaler Energieagentur notwendig ist, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Dieses Szenario setzt schnelle Verbesserungen im Bereich Energieeffizienz und große Veränderungen im globalen Energiemix voraus. Sogar in diesem Szenario ist der Öl- und Gasbedarf nur geringfügig niedriger als heute (der Ölbedarf ist etwas geringer, der Gasbedarf bleibt etwa konstant).

Wichtig zu verstehen ist, dass nicht jeder Bereich elektrifiziert werden kann. Öl und Gas sind auch entscheidende Rohstoffe für die Herstellung von Produkten, für die es laut sämtlichen Prognosen unserer Studie einen wachsenden Bedarf gibt.

Ist Deutschland mit seinen Maßnahmen auf dem richtigen Weg, um eine Energiewende voranzubringen oder an welchen Stellen würden Sie korrigieren?

Wir sehen die Energiewende als ein bewegliches Ziel und ein ambitioniertes Projekt. Erst kürzlich hat die Bundesregierung klargemacht, dass die Minderung der Treibhausgasemissionen und der Atomausstieg die Prioritäten der Energiewende sind. Alle energie- und klimapolitischen Entscheidungen sollten also darauf ausgerichtet sein, zum wesentlichen Ziel der Verringerung der Treibhausgasemissionen beizutragen.

Wenn Deutschland hinsichtlich Industrie und Klimaschutzpolitik weltweit eine Vorreiterrolle einnehmen möchte, sollte die Bundesregierung versuchen, die Klimaziele auf die kostengünstigste Weise zu erreichen.

In Ihrer aktuellen Ausgabe der Energy Perspectives betonen Sie, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden können. Welcher Weg ist dafür notwendig?

Eines der Szenarien beschreibt die Auswirkungen der Selbstverpflichtungen, auf die sich die mehr als 160 Nationen letztes Jahr in Paris verständigt haben. Es ist weit entfernt von einem "Business-as-usual"-Szenario, da es annimmt, dass die Regierungen ihre Versprechen von Paris tatsächlich umsetzen.

Zusätzlich sieht es für die Jahre nach 2025 strengere klimapolitische Maßnahmen vor. Nichtsdestotrotz reichen die Zusagen von Paris bei Weitem nicht aus, um die globalen energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 2040 auf ein Niveau zu bringen, das mit dem Zwei-Grad-Ziel vereinbar ist. Mit anderen Worten: Es muss sehr viel mehr getan werden.

Welche Auswirkungen wird der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl haben, bei denen Hillary Clinton und Donald Trump kaum unterschiedlichere Positionen im Bezug auf Umweltschutz und Klimaerwärmung haben.

Die Vorwahlen in den USA spiegeln nicht immer die tatsächlichen politischen Positionen der Kandidaten wider. Wir werden sehen, wie sich diese im Zuge der Parteitage im Juli entwickeln werden. Unsere Investitionen sind immer langfristiger Natur, nicht selten überdauern sie einzelne Regierungen.

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