Statt Laternen: Phosphoreszierender Zement lässt Straßen leuchten

Statt Laternen: Phosphoreszierender Zement lässt Straßen leuchten

von Robyn Schmidt

Ein phosphoreszierender Zement könnte Straßenlaternen ersetzen, denn er leuchtet auch nachts.

Wenn es nach José Carlos Rubio geht, kommen Straßenlaternen bald aus dem Zementmischer. Allerdings hat er keinen Laternenpfahl aus Beton im Sinn. Vielmehr will er die Straße selbst zum Leuchten bringen und dabei den für Laternen benötigten Strom sparen. Dafür hat er eine Art Solar-Zement entwickelt. Der Forscher an der Universität de San Nicolás de Hidalgo in Michoacán, Mexiko, arbeitet seit neun Jahren an dem Projekt. “Mir ist aufgefallen, dass es weltweit noch nichts in der Art gab”, erzählt er. “Also habe ich mit der Arbeit begonnen.”

Der von ihm entwickelte Zement ist phosphoreszierend. Das heißt er kann Energie von sichtbarem oder UV-Licht, tagsüber beispielsweise von der Sonne, absorbieren und sie nachts ebenfalss in Form von Licht wieder abstrahlen. Bis zu 12 Stunden lang kann er pro Zyklus dann leuchten. Geschafft hat Rubio das, indem er den Erhärtungsprozess des Materials untersucht hat.

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Zement ist im Prinzip ein Pulver. Wenn man Wasser hinzufügt, erhärtet sich das Gemisch zu einem Gel. “Das ist ähnlich wie das Gel, dass wir für Haare benutzen, nur wesentlich stärker und widerstandsfähiger”, sagt Rubio. Bei dem Prozess entstehen allerdings auch eine Art Kristallschuppen. Diese verhindern, dass Licht bis in das Innere der Masse durchdringen kann. Rubio hat ein Verfahren entwickelt, bei dem sich solche Schuppen nicht bilden.

Der Zement hält 100 JahreEin großer Vorteil von Rubios Zement ist, dass er eine Lebensdauer von rund 100 Jahren hat. Andere phosphoreszierende und fluoreszendierend Materialien seien üblicherweise aus Plastik, sagt Rubio. Sie zerfallen durch UV-Einstrahlung und würden dadurch meist nach drei Jahren nicht mehr funktionieren. Der neue Zement sei dagegen resistent.

Vor allem auf Straßen und Fahrradwegen soll Rubios Erfindung eingesetzt werden. Damit die Fahrer nicht geblendet werden kann man die Lichtintensität auch anpassen. Und auch die Farbe des emittierten Lichts lässt sich regulieren: Momentan gibt es blaue und grüne Versionen.

Laut Rubio ist die Herstellung des Zements auch umweltfreundlich, man brauche nämlich nur Sand oder Lehm - wie bei normalem Zement. Das einzige Nebenprodukt ist Wasserdampf. Deshalb hofft er, seinen Zement schon bald verkaufen zu können: Das Projekt sei in der Kommerzialisierungsphase. Schon bald soll ein erster Straßenzug leuchten.

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