Streit um Energieversorger: Care-Energy verliert Netzzugang

Streit um Energieversorger: Care-Energy verliert Netzzugang

von Benjamin Reuter

Ärger um Care-Energy: In Teilen Thüringens wurde dem Unternehmen der Zugang zum Stromnetz gesperrt.

Schon seit Monaten gibt es Hick-Hack um den Energieversorger Care Energy aus Hamburg. Drei der vier großen deutschen Netzbetreiber haben das Unternehmen wegen fehlender Gebührenzahlungen verklagt und vom Landgericht Hamburg auch Recht bekommen. Gegen den Bescheid, demzufolge die Hamburger zu hohen Nachzahlungen verpflichtet sind, hat Care Energy Widerspruch eingelegt. Care Energy hat nach eigener Aussage mehr als 300.000 Kunden.

In den nächsten Monaten könnte auch noch ein Verfahren der Bundesnetzagentur dazukommen, die Care Energy als Stromanbieter und nicht als Energiedienstleister einordnet.

Anzeige

Nun bekommen auch die Kunden von Care Energy erstmals zu spüren, dass viele in der Energiewirtschaft mit dem Geschäftsgebahren der Hamburger nicht zufrieden sind. So hat der Netzbetreiber TEN Thüringer Energienetze Care Energy vergangenen Montag den Netzzugang gekündigt. Punkt Mitternacht fielen alle bisherigen Care-Energy-Kunden laut TEN in die Grundversorgung. Neukunden kann Care Energy im Geschäftsgebiet von TEN derzeit nicht werben.

Care Energy wollte wie in ähnlichen Fällen in der Vergangenheit mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Sperrung vorgehen, scheiterte aber. Nun ist in den kommenden Tagen eine Verhandlung am Landgericht Erfurt in dem Fall angesetzt, in der es darum gehen wird, ob der Ausschluss aus dem Stromnetz rechtens ist.

Falls das Landgericht in Erfurt TEN Recht geben sollte, könnten auf die Care-Energy-Kunden signifikante Mehrkosten zukommen: "Eventuell von Stromkunden geleistete Vorauszahlungen an mk-energy können von der TEN nicht erstattet oder verrechnet werden", schreiben die TEN-Verantwortlichen. Außerdem: Oft sind die Grundversorgungstarife erheblich teurer als der Care-Energy-Tarif. Wer also nicht schnell vom Grundversorger zu einem neuen Stromanbieter wechselt, könnte pro Kilowattstunde dann deutlich mehr bezahlen.

Offizielle Gründe für die Netzsperre verrät man in Erfurt nicht. Bei Care Energy hofft man, dass das Gericht die Sperre für das Unternehmen aufhebt. Die Kunden würden in diesem Fall weiter von Care Energy beliefert. Wie viele Kunden von dem Streit betroffen sind, geben die beteiligen Unternehmen nicht bekannt.

Nachtrag vom 20. August: Die Verhandlung über die Netzsperrung findet am Donnerstag vor dem Landgericht Erfurt statt. Das Aktenzeichen ist 1HKO130-13.

Auch Care Energy hat sich inzwischen zu dem Fall geäußert. Das Unternehmen verspricht: "Wenn ein Kunde freiwillig oder zwangsweise nicht mehr bei uns in der Versorgung ist, erhält er eine auf den Tag genaue Schlussrechnung, bei der ein eventuelles Guthaben natürlich ausgezahlt wird." Generell aber müssten Kunden keine Vorkasse leisten.

Nachtrag und Korrektur: Bei dem Gerichtsverfahren geht es laut Aussage des Landgerichtes unter anderem um die Frage, ob TEN gegenüber der Bundesnetzagentur behaupten darf, dass Care Energy in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. In einer früheren Version des Artikel hatte es verkürzt geheißen, "dass TEN Care Energy in wirtschaftlichen Schwierigkeiten sieht."

Aktualisierung: TEN muss Netzsperre aufheben. Über die Entscheidung des Landgerichts Erfurt lesen Sie hier.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%