Strom für Entwicklungsländer: Kinder werden beim Seilspringen zum Kraftwerk

Strom für Entwicklungsländer: Kinder werden beim Seilspringen zum Kraftwerk

von Andreas Menn

Mit einem neuen Sprungseil erzeugen Sportler Strom. Der könnte Lampen und Laptops antreiben.

Es hält fit, trainiert die Koordination und verbraucht jede Menge Kalorien: Seilspringen ist eine wirkungsvolle Konditionsübung - und alles, was der Sportler dazu braucht, ist ein Seil.

Nun können Fitness-Fans ihre Energie beim Hüpfen nicht nur ausleben - sondern sie auch speichern: Denn ein neuartiges Seil namens Pulse, hergestellt vom US-Startup Uncharted Play, verwandelt die Drehbewegung der Schnur in Strom. Dazu verfügt das Seil über zwei Handgriffe, in denen Generatoren und Akkus eingebaut sind - und an die sich elektrische Geräte anschließen lassen."Wenige Minuten Seilspringen kann genug Energie bereitstellen, um eine LED-Lampe mehrere Stunden lang zu betreiben", sagt Nicole Brown, die bei Uncharted Play für das Marketing zuständig ist. Das Gerät könne sogar ein Mobiltelefon laden.

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Zur Ausstattung gehört auch ein Adapter, mit dem sich der Strom aus beiden Griffen gleichzeitig nutzen lässt. Derzeit gibt es das Pulse-Seil nur in einer Sonder-Edition: 100 Stück zum Preis von je 129 Dollar. Doch dabei soll es nicht bleiben. "Im Frühjahr 2014 wird Pulse in die Massenproduktion gehen", sagt Brown.

Profitieren könnten davon nicht nur amerikanische Fitness-Studio-Besucher, sondern vor allem Kinder in Entwicklungsländern. Denn Jessica O. Matthews und Julia Silverman, die beiden Gründerinnen von Uncharted Play, haben sich dem Ziel verschrieben, Menschen in Entwicklungsländern mit Strom zu versorgen. Noch immer hat jeder dritte Mensch auf der Welt entweder Steckdosen daheim, die nur hin und wieder funktionieren - oder überhaupt gar keine. Und das heißt: kein Strom, kein elektrisches Licht.

Fußball erzeugt beim Kicken Strom

Die Idee der Gründerinnen: Sportgeräte, die ganz nebenbei Elektrizität erzeugen. Bekannt geworden sind sie bereits mit einem anderen Sportgerät, das ebenfalls ein Mini-Kraftwerk ist: Dem Strom erzeugenden Fußball "Soccket". Bei jedem Stoß bewegt sich in seinem Innern eine Art Dynamo. Ein Magnet schiebt sich durch einen Ring aus Draht, dadurch entsteht Strom. Und der fließt in einen eingebauten Akku.

Er soll vor allem Kindern in Entwicklungsländern helfen: Spielen sie 30 Minuten Fußball, erzeugt der Ball genug Strom, um abends stundenlang eine LED-Lampe zu betreiben. Die können die Kinder einfach in einen Anschluss stecken, der im Fußball eingebaut ist. Die Idee: Wenn Kinder auch abends Licht haben, haben sie viel mehr Zeit, um zu Lesen und Hausaufgaben zu machen. Mehr Licht - mehr Bildung.

"Wir haben bis heute knapp 10.000 Soccket-Bälle produziert", sagt Brown. Sie werden in Pilotprogrammen rund um den Globus verteilt, etwa in Mexiko, Haiti, Tansania, Brasilien, Südafrika und Nigeria. "Wir haben den Ball aber auch benutzt, um Kindern in den USA zu lehren, wie wichtig körperliche Bewegung ist."

Wer diese Erfahrung selbst machen möchte, kann sich den Strom erzeugenden Fußball auch bestellen: Ein Ball samt Lampe kostet 99 Dollar plus Versandkosten.

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