Stromer für die Lüfte: Airbus baut erstes E-Flugzeug in Serie

Stromer für die Lüfte: Airbus baut erstes E-Flugzeug in Serie

von Wolfgang Kempkens

Bald soll der erste serienmäßig gebaute Elektroflieger abheben; folgen könnten Großflugzeuge mit Stromantrieb.

Ende 2017 soll das erste rein elektrisch angetriebene Serienflugzeug seinen Dienst aufnehmen. Der Flugzeugbauer Airbus hat gerade beschlossen, eine Montagelinie für zunächst 100 E-Fans zu bauen, so der Name des Flugzeugs. Standort der Produktion ist die südwestfranzösische Stadt Pau in Aquitanien.

„Durch die Serienfertigung des E-Fan werden wir den Elektroflug vorantreiben und Erfahrungen bei der Ausweitung der Technologie auf industriellen Maßstab gewinnen“, sagt Jean Botti, Cheftechniker der Airbus-Gruppe. Für die Produktion des Elektroflugzeugs hat Airbus im vergangenen Jahr mit Voltaire ein eigenes Unternehmen gegründet, das sich zu 100 Prozent im Airbus-Besitz befindet.

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Batterien reichen für 40 Minuten FlugdauerDer Prototyp des E-Fan hatte seinen Erstflug am 11. März 2014. Start und Ziel waren der nahe Pau gelegene Flugplatz Bordeaux-Mérignac. Bei einer Spannweite von 9,5 und einer Länge von 6,7 Metern bietet der E-Flieger zwei Menschen Platz. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220, seine Reisegeschwindigkeit bei 160 Kilometer pro Stunde.

Mit 500 Kilogramm – ohne Passagiere und Gepäck – ist der E-Fan ein echtes Leichtgewicht. Werksflughafen wird der örtliche Flughafen Pau-Pyrenäen sein.

Elektromotoren mit jeweils 30 Kilowatt versorgen die Mantelstrompropeller des Fliegers mit Power. Die Motoren beziehen ihren Strom aus Lithium-Ionen-Batterien, die in den Flügeln untergebracht sind. Derzeit reicht deren Kapazität für einen 40-minütigen Flug. Airbus peilt bereits eine größere Version an, den E-Fan 4.0. Er soll außer dem Piloten drei Passagiere befördern können.

Das europäische Unternehmen investiert in die Entwicklung des E-Fan zur Serienreife noch einmal 20 Millionen Euro. Bisher hat Airbus bereits Millionensummen in die Entwicklung von Elektroflugzeugen gesteckt – eine genaue Summe nennt das Unternehmen nicht.

Hybridflugzeug mit 100 Sitzen geplantNeben dem E-Fan, der am weitesten fortgeschritten ist, hat Airbus mit mehreren Partnern, darunter Siemens als Lieferant des extrem leichten Elektromotors, das zweisitzige Hybridflugzeug DA36 E-Star 2 gebaut. Es fliegt ausschließlich mit Elektromotor, der mit Strom aus Batterien aber auch mit Sprit versorgt wird.

Der 65-Kilowatt-Motor, von Siemens völlig neu entwickelt, wiegt nur 13 Kilogramm. Leistungsgleiche Industriemotoren sind fünfmal so schwer.

Fernziel der Unternehmensallianz ist ein Hybridflugzeug mit bis zu 100 Sitzen, das weitgehend elektrisch angetrieben fliegt. Dass Airbus derzeit an den Stromern für die Lüfte arbeitet, ist auch der Politik geschuldet.

Laut den Vorgaben der Europäischen Kommission sollen Flugzeuge im Jahr 2050 im Durchschnitt 75 Prozent weniger Kohlendioxid ausstoßen als im Jahr 2000. „Wir brauchen noch 20 bis 30 Jahre für die Entwicklung eines großen elektrisch angetriebenen Flugzeugs“, sagt Detlef Müller-Wiesner, der bei Airbus die Entwicklung derartiger Flugzeuge leitet. Der Flugzeugbauer scheint also im Zeitplan – mit dem E-Fan hat er sein Ziel bei den Kleinfliegern schon erreicht.

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