Stromkonzern in der Krise: So will Peter Terium RWE retten

Stromkonzern in der Krise: So will Peter Terium RWE retten

von Jan Willmroth

RWE schreibt das erste Mal seit 60 Jahren Verlust. Konzernchef Peter Terium will das Ruder nun herumreißen - und setzt dabei auf erneuerbare Energien.

Peter Terium hat allen Grund, nach vorn zu schauen. Erst wenige Wochen ist es her, da musste der RWE-Chef den Anteilseignern seines Konzerns den ersten Verlust seit Gründung der Bundesrepublik erklären. Spätestens damit war klar, was viele schon abgesehen hatten: Der deutsche Meister der Braunkohleverstromung, lange Zeit der größte Stromkonzern Deutschlands, steht vor einer ungewissen Zukunft.

Doch von dieser verspricht sich Konzernlenker Terium offenbar viel – und macht sich nun daran, das Image als Energie-Dinosauriers aus dem Atom- und Kohlezeitalter abzuschütteln. „Unser Ziel ist es, der Energiemanager der Zukunft zu werden“, sagte Terium in einem Interview mit dem niederländischen Energie-Blog „Energy Post“.

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Und machte sogleich klar, was er damit meint: „Meine Vision ist, dass RWE Solarmodule auf Ihrem Dach installiert, eine Batterie in Ihrer Scheune, eine Wärmepumpe im Keller und dieses komplexe System auch noch managt.“

Vom Kraftwerksriesen zum modernen Dienstleister? Für einen Konzern, der seinen Umsatz jahrzehntelang vor allem mit großen Meilern und dem Handel von Strom und fossilen Brennstoffen gemacht hat, ist das eine Mammutaufgabe. Doch eine andere Wahl bleibt dem Unternehmen kaum – und Teriums Vision fordert den gesamten Konzern heraus.

„Wir haben zu spät angefangen“Der RWE-Chef gab auch zu, nicht früh genug auf erneuerbare Energien gesetzt zu haben. „Vielleicht haben wir zu spät damit angefangen“, sagte er gegenüber Energy Post. Als Konzern, der sich stark auf Atom- und Braunkohlekraftwerke verlassen habe, sei RWE ohnehin schon sehr von politischen Entscheidungen abhängig gewesen.

Durch die staatlich festgelegte Steuerung für erneuerbare Energie hätte sich die politische Abhängigkeit womöglich noch verschärft, sagte Terium. „Deshalb waren wir anfangs zögerlich.“

Wohin das führte, ist heute offensichtlich: Erneuerbare Energien machen erst sechs Prozent im RWE-Energiemix aus, mehr als die Hälfte der Erzeugungskapazität besteht aus Braun- und Steinkohlekraftwerken. „Schauen Sie, woher wir kommen“, sagte Terium, „noch vor zehn Jahren waren wir ein extrem CO2-intensives Unternehmen.“ In nur fünf Jahren habe der Konzern es geschafft, sein Kohlendioxid-Profil auf Durchschnittsniveau zu bringen.

Mit Blick auf den Atomausstieg verteidigte Terium die Stellung der Kohle im deutschen Energiesektor. „Ein Land wie Deutschland kann nicht gleichzeitig aus Nuklear- und Kohleenergie aussteigen. Das ist einfach unmöglich“, sagte er. In den 75 Prozent des deutschen Stroms, der noch nicht aus erneuerbaren Energien kommt, sieht Terium einen Teil der Verantwortung seines Unternehmens – Kohlestrom, so argumentiert er, sei unverzichtbar für eine sichere Stromversorgung.

Aber: „Wir wollen, dass unsere Kohlekraft so sauber wie möglich ist“, sagte er. Heute habe der Konzern den saubersten Kohlekraftwerks-Park Europas.

„Knappheit fördert die Kreativität“Dafür zahlt RWE aber einen hohen Preis: Noch machen die Rheinländer mit ihrem Kraftwerkspark Verlust. „Wir werden mit unserer Erzeugungssparte bald aus den roten Zahlen kommen“, sagte Terium dazu. Dann werde man sehen, wie es in dem Bereich weitergehe.

„RWE wird ein Vierzylinder-Motor sein, der mit drei Zylindern fährt“, sagte der Konzernlenker. Den Ernst der Lage des Konzerns ließ er allerdings auch durchblicken - denn auf dem Unternehmen lastet ein Schuldenberg von 30 Milliarden Euro, bei dem unklar ist, ob er ihn abbauen kann.

Der Niederländer wird unweigerlich als der Chef in die Konzerngeschichte eingehen, der einen historischen Verlust verkünden musste. Vielleicht aber auch als jener, der den Konzern in der Ära der Energiewende umgekrempelt hat: „Ich habe gelernt, dass Knappheit die Kreativität fördert“, sagte er.

Lesen Sie das komplette Interview mit dem RWE-Chef und einen ausführlichen Bericht von einem Vortrag Teriums in Den Haag bei Energy Post.

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