Studie zeigt: Zustimmung zur Energiewende bröckelt im Osten

Studie zeigt: Zustimmung zur Energiewende bröckelt im Osten

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Dunkle Wolken ziehen über Ostdeutschland auf - zumindest, was die Energiewende angeht.

von Angela Schmid

Die meisten Bürger in Ostdeutschland wollen zwar die Energiewende. Die hohen Kosten schmälern ihre Begeisterung aber immer mehr. Das zeigt eine Studie der Uni Leipzig.

Die Unternehmen beschweren sich darüber, die Kosten der Energiewende kaum einplanen zu können. Den Kommunen würde die Strategie fehlen. Die Kosten würden zudem ungleich verteilt - und Bund, Länder und EU fehle ein Gleichklang in der Energiepolitik.

So kommt es dazu, dass 65 Prozent der Bürger, 55 Prozent der Kommunen und 67 Prozent der energieintensiven Unternehmen mit der Umsetzung der Energiewende unzufrieden sind. "Hier herrscht akuter Handlungsbedarf", betont Oliver Rottmann, Studienleiter und geschäftsführender Vorstand des Kompetenzzentrums der Universität Leipzig. "Die Zustimmung bei Bürgern und bei Kommunen geht zurück, weil die Umsetzung der Energiewende schlecht gemacht ist."

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Seit 2011 fasst Rottmann gemeinsam mit der envia Mitteldeutsche Energie AG die Fakten in der Studie "Energiewelt Ost" zusammen. Seit dieser Zeit sinkt die Zustimmung vor allem der Bürger kontinuierlich. Die Politik hat das bisher nicht aufgeschreckt. "Es läuft politisch einiges schief", so Rottmann. Viele Diskussionen würden ideologisch geführt. Verlässlichkeit gebe es nicht.

Zu viele Veränderungen, zu hohe Preise

Die Ad-hoc-Änderungen des EEG machten der Wirtschaft das Handeln schwer. Dass viele Kommunen bisher gar kein energiepolitisches Konzept haben, liegt aus Sicht von Rottmann ebenfalls den unklaren politischen Strategien. Unternehmen müssen mit ins Boot geholt und die Kosten für die Bürger berücksichtigt werden. Mit dem derzeitigen Marktdesign sei das nicht zu machen, so Rottmann.

Auswirkungen hat das nicht nur auf die heimische Industrie, die aufgrund der hohen Energiepreise unter Wettbewerbsdruck geraten. Es setzt auch die Stadtwerke unter Druck, deren Margen immer geringer werden. Rottmann: "Es muss politisch jetzt endlich mal eine Konsistenz hinein - das war in den vergangenen Jahren eher nicht gegeben."

Die hohen Energiepreise dürften sich mittelfristig allerdings erst einmal nicht ändern. Zwar sind die Kosten der Stromerzeugung selbst niedrig, aber Netzausbau, Förderung der Erneuerbaren (etwa durch die Befreiungen für energieintensive Unternehmen oder das EEG) und Stromsteuer bleiben teuer. Etwas paradox: Obwohl sie deutlich weniger bezahlen, monieren die energieintensiven Unternehmen trotzdem vor allem die Stromkosten.

Hoher Erneuerbaren-Anteil im Osten

Eine reine Betrachtung der ostdeutschen Bundesländer ist aufgrund der unterschiedlichen Strukturen sinnvoll. Im Osten wird besonders viel Strom aus erneuerbaren Energien produziert. Unter allen deutschen Bundesländern weisen Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt die höchsten Anteile an erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf. Mecklenburg-Vorpommern kam 2014 auf einen Wert von 63,3 Prozent und produziert mehr umweltfreundlichen Strom als es verbraucht, wodurch das Bundesland zum Stromexporteur wurde.  

Das macht sich wirtschaftlich bemerkbar und spiegelt sich auch in der hohen grundsätzlichen Zustimmung der Energiewende von 69 Prozent der Bürger wider. Aber auch 70 Prozent der Kommunen und 64 Prozent der energieintensiven Unternehmen befürworten den Umbau an sich. Das ist immer noch hoch. Im Vergleich zum Vorjahr aber leicht rückläufig. "Die Politik sollte die Energiewende nicht durch falsche Weichenstellungen verspielen", mahnt Rottmann.

Neues Monitoringsystem Unternehmen sehen Stromverbrauch in Echtzeit

Ein neues Monitoringsystem sammelt Daten von hunderten Stromzählern und zeigt sie in Echtzeit - für viele Unternehmen könnte es zur Stromspar-Hilfe werden.

Der Kasten, der die Stromdaten sammelt, ist ziemlich unscheinbar. (Foto: Enit)

Zur Zukunft der Energieversorgung haben die Ostdeutschen klare Vorstellungen. Alle Befragten glauben, dass sich das Speichern von Strom aus erneuerbaren Energien durchsetzen und die intelligente Vernetzung von Stromanwendungen an Bedeutung gewinnen wird. Uneinigkeit herrscht bei der Bewertung der Elektromobilität. 69 Prozent der Unternehmen meinen, dass das Fahren mit Strom zunehmen wird. Die Haushalte (50 %) und Kommunen (35 %) sind hier deutlich skeptischer.

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