SunEdison: Aggressiver Green-Economy-Riese vor dem Konkurs

SunEdison: Aggressiver Green-Economy-Riese vor dem Konkurs

von Wolfgang Kempkens

Der Solar-Riese SunEdison galt als US-Vorzeigeunternehmen. Nun befindet es sich im freien Fall.

Dem nach eigener Einschätzung weltgrößten Unternehmen der Green Economy droht der Konkurs. SunEdison, Spezialist für erneuerbare Energien, soll Verbindlichkeiten in sagenhafter Höhe von elf Milliarden Dollar aufgehäuft haben. Nun hat das Unternehmen im ersten Quartal keinen Geschäftsbericht abgeben können, weshalb die zuständigen Behörden nun ermitteln.

Schuld daran sei eine aggressive Akquisitionsstrategie, befindet der US-Fernsehsender CNBC. Die Aktien gaben in den vergangenen zwölf Monaten um 95 Prozent nach. Der Wert des Unternehmens stürzte von zehn Milliarden auf 400 Millionen Dollar ab - die Aktien sind mittlerweile sogenannte "Penny Stocks".

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Die USA setzten offenbar viel Vertrauen in das Unternehmen, Subventionen sollen in Höhe von 650 Millionen Dollar gelegen haben. Nur andere zwölf US-Unternehmen hätten damit mehr öffentliche Gelder bekommen als SunEdison.

Die verheerende Situation wurde öffentlich, weil die US-Börsenaufsicht SEC gegen SunEdison ermittelt. Die Beamten untersuchen speziell eine Aussage vom August, nach der das Unternehmen Mittel von über einer Milliarde US-Dollar verfüge, so die US-Finanzzeitung "Wall Street Journal". Damals wollte SunEdison den Dachanlagen-Projektierer "Vivint Solar" kaufen. Vor einigen Wochen hat Vivint die Vereinbarung aber "wegen Vertragsbrüchen von SunEdison" aufgelöst, berichtet das PV-Magazin.

Situation der Tochterunternehmen unklarVon der drohenden Pleite werden auch zwei andere Unternehmen berührt, die zur SunEdison-Gruppe gehören. Doch TerraForm Global und TerraForm Power beteuern, dass sie genügend eigene Mittel hätten, um eigenständig überleben zu können. Den Anlegern scheint jedoch der rechte Glaube zu fehlen: Die Aktien brachen um 30 respektive 13,2 Prozent ein. Denn SunEdison habe seine Schulden teilweise auch auf diese Tochterunternehmen verschoben, berichtet das Portal "Der Aktionär".

Zudem gebe es auch personelle Überschneidungen. Denn der CEO von Terraform war gleichzeitig auch Finanzchef von SunEdison - und bezweifelte öffentlich die Überlebensfähigkeit des Unternehmens. Das qualifiziere ihn auf der einen Seite besonders, ein Urteil über die Finanzfähigkeit abzugeben, schrieb das Wall Street Journal. Andererseits hinterlasse er in seiner Doppelrolle auch einiges an Erklärungsbedarf.

Die SunEdison-Gruppe plant, baut und finanziert weltweit Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung. Ursprünglich war das Unternehmen in der Halbleiterbranche tätig und führte den Namen MEMC. 1959 führte es als weltweit erstes den 19-Millimeter-Wafer ein. Auch bei der schrittweisen Vergrößerung dieser Basisprodukte für die Halbleiterindustrie lag das Unternehmen jahrelang vorn.

2006 spezialisierte sich das Unternehmen, das bis 2000 mehrheitlich dem deutschen Stromkonzern E.On gehörte, auf Wafer für Solaranlagen. Dann weitete es seine Geschäftstätigkeit auf den Bau von Solar- und Windenergieanlagen im großen Stil aus.

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