Supermärkte: Wie man die Lieferkette grüner macht

Supermärkte: Wie man die Lieferkette grüner macht

von Felix Ehrenfried

Die US-Supermarktkette Wal-Mart ist Vorreiter in Sachen Klimaschutz - dafür setzen die Verantwortlichen vor allem bei den Zulieferern an.

Als die größte Supermarktkette der Welt, Wal-Mart, im Jahre 2005 beschloss, mehrere hunderttausend Tonnen an Treibhausgasen jedes Jahr einzusparen, wussten die zuständigen Manager noch nicht, auf was sie sich einließen.

Schnell erkannte man dort nämlich: Wal-Mart hat als eines der weltgrößten Unternehmen zwar einem enormen Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen, jedoch fällt ein Großteil davon bei der Produktion der Produkte und ihres Transports an und wird nicht von dem Riesenhändler selbst produziert. Deswegen müssen Unternehmen, die den Handelsgiganten beliefern wollen, heute zunehmend ihre CO2-Bilanzen offenlegen.

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Damit ist Wal-Mart einer der Vorreiter bei den sogenannten Scope 3 Emissionen. Während Scope 1 nur die selbstproduzierteren Emissionen in die Klimabilanz aufnimmt, werden bei Scope 2 schon die Emissionen der Zulieferer mitbilanziert. Scope 3 ist die umfangreichste Betrachtung, denn sie rechnet auch den Ausstoß von Treibhausgasen ein, die von den eigenen Zulieferen indirekt, also beispielweise durch weitere Subunternehmen, produziert werden (hier eine umfangreiche Definition durch das Greenhouse Gas Protocol als PDF).

Mit dieser gesamtheitlichen Betrachtung ist Wal-Mart Vorbild für eine ganze Reihe anderer Unternehmen geworden, erklärt Dexter Galvin, Leiter der "supply chain initiative" bei der Organisation Carbon Disclosure Project (CDP). Das CDP fordert seit seiner Gründung im Jahre 2000 Unternehmen und Kommunen dazu auf, ihre Treibhausgasemissionen und den Wasserverbrauch offen zu legen. Das Ziel von Galvin ist damit auch, die CO2-Bilanzen der Lieferketten transparenter zu machen. Mittlerweile haben sich Dutzende Unternehmen der Initiative angeschlossen.

Mit seinen Bemühungen, eine möglichst umfassende Klimabilanz aufzustellen, habe Wal-Mart auch andere Konzerne wie L'Oreal oder Pepsi zum Umdenken angeregt, ist sich Galvin sicher: "Normalerweise fällen ein Großteil unserer Mitglieder die Entscheidung, ob sie mit einem Zulieferer arbeiten möchten oder nicht, zu 100 Prozent über den Preis und die Qualität. Mittlerweile beobachten wir aber, dass Unternehmen wie Vodafone und Dell diese Aufmerksamkeit auf Preis und Qualität verringern und zu rund 20 Prozent auch das Verhalten der Lieferanten in Sachen Nachhaltigkeit einbeziehen."

Wal-Mart folgten 64 UnternehmenWährend sich Wal-Mart mit diesem Umdenken in Sachen Lieferkette erstmalig im Jahre 2005 beschäftigt hat, haben mittlerweile 64 weitere, namhafte Unternehmen nachgezogen. Das hat bedeutende Einflüsse auf das Klima, erklärt Ryan Schuchard von der Organisiation Business for Social Responsibility: "Während es nur wenige, koordinierte Bestrebungen zur Bekämpfung des Klimawandels auf nationaler und internationaler Ebene gibt, sind grünere Lieferketten zu einer bedeutenden Komponente zur Reduzierung der weltweiten Treibhausgase geworden."

Doch das Konzept ist zeit-und kostenintensiv. "Wenn man an Nachhaltigkeit denkt, hat man zuerst die eigenen Prozesse im Blickfeld, und das ist schon für viele Unternehmen eine herausfordernde Aufgabe," erklärt Jennifer Woofter, Präsidentin des Beratungsunternehmens Sustainability Consulting. Wenn man dazu noch auf die eigenen Zulieferer, deren Zulieferer und weiter bis ganz zum Anfang der Produktionskette schaue, überfordere das viele Unternehmen.

Bedenkt man, dass einige große Unternehmen heute immer noch keinen Verantwortlichen für Nachhaltigkeit haben, scheint diese Aufgabe noch schwieriger als ohnehin schon.

Doch das Beispiel Wal-Mart zeigt, wie das Konzept der grünen Lieferkette funktionieren kann. Seit 2005 hat das Unternehmen seine Emissionen um mehr als drei Millionen Tonnen CO2 reduziert. Das entspricht dem jährlichen Ausstoß von 625 000 Autos.

Innovation und KooperationUnd wie bekommt Wal-Mart das hin?

Zum einen durch neue Technik in den eigenen Supermärkten überall auf der Welt. So wurden in der Vergangenheit zahlreiche Kühlräume und Kühlschränke umweltfreundlich umgerüstet. Denn: Die Kühlung der Waren bei Wal-Mart macht rund 13 Prozent der gesamten Emissionen des Konzerns aus. Das ist mehr als doppelt so viel wie die gesamte LKW-Flotte des Unternehmens auf der ganzen Welt in einem Jahr ausstößt.

Daneben werden die Zulieferer zu mehr Umweltbewusstsein gezwungen. Wal-Mart kann aufgrund der Größe seinen Partnern die Konditionen diktieren. Doch statt einfach nur den Umweltschutz "durchzudrücken" setzt der Handelsriese auf Innovationen und Kooperation mit lokalen Unternehmen.

So wurde in Brasilien ein End-to-End Programm für Verpackungen etabliert. Hier füllt beispielsweise der Getränkehersteller Ambev nur noch in PET-Flaschen ab, die zu 100 Prozent recycelt werden. Der Weg der Verpackung ist sozusagen von Anfang zum Ende durchgeplant und auf anschließendes Recyling getrimmt. In Brasilien spart das Unternehmen damit mehr als 500 Millionen Tonnen CO2 jährlich ein.

In Kanada arbeitet Wal-Mart zudem mit Industrieunternehmen zusammen, um das Recyling von Plastik, das nicht aus Flaschen stammt, voranzutreiben. Aktuell konnten dort mehr als 100 Millionen Pfund Kunstoff wiederverwertet werden. Damit profitiert nicht nur der Supermarktriese von den Maßnahmen sondern auch der Zulieferer, da er Ressourcen einspart.

Das Ziel, das Wal-Mart für die nächsten Jahre verfolgt, ist ehrgeizig. Bis 2015 will das Unternehmen 2o Millionen Tonnen CO2 in seiner gesamten Lieferkette einsparen - im Vergleich zu den bisher erreichten drei Millionen Tonnen ist das noch ein weiter Weg.

Aber die Zeichen, dass der Handelsriese dieses Ziel erreicht, stehen gut. Zum einen besitzt Wal-Mart eine enorme Verhandlungsmacht gegenüber den Zulieferern, zum anderen bringt eine bessere Klimabilanz auch Einsparungen mit sich: GM und Procter& Gamble erklärten zum Beispiel kürzlich, dass sie durch Recycling Beträge in Milliardenhöhe einsparen. Eine Branchenumfrage von CDP hat außerdem ergeben: Mehr als 73 Prozent der befragten Unternehmen sparen durch grüne Maßnahmen Geld ein. Dass Wal-Mart dazu zählt, ist nicht unwahrscheinlich.

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