Trichterkraftwerk: Diese Windturbine soll die Energieversorgung revolutionieren

Trichterkraftwerk: Diese Windturbine soll die Energieversorgung revolutionieren

von Benjamin Reuter

Das US-Startup Sheerwind will konkurrenzlos günstig Strom anbieten.

Wie die Lösung unserer Energieprobleme kommt das sperrige Trumm des US-Startups Sheerwind nicht daher. Dennoch behauptet Daryoush Allaei, Gründer des Unternehmens, dass seine Entwicklung genau das sein könnte.

Vor einigen Jahren kam der Ingenieur und Geschäftsmann aus dem US-Bundesstaat Minnesota auf die Idee, dass Windkraftanlagen doch auch ohne High-Tech auskommen müssten und auch geringe Windgeschwindigkeiten nutzen sollten. Das Ergebnis seiner Entwicklungsarbeit war ein Trichterkraftwerk (wie es funktioniert, haben wir an dieser Stelle erklärt), in dem Wind beschleunigt wird und einen Generator antreibt. Experten ist dieses Phänomen unter dem Namen Venturi-Effekt bekannt.

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Laut Allaei holt sein Kraftwerk sechsmal mehr Energie aus dem Wind heraus als herkömmliche Windkraftanlagen – und es sei dabei noch günstiger, weil weniger Stahl und Beton zum Einsatz kämen. Zwei Dollarcent soll die Kilowattstunde aus dem exotischen Trichter kosten. Damit würde die Entwicklung alle derzeit verfügbaren Energiequellen unterbieten. Zum Vergleich: Herkömmliche Windturbinen liegen im Schnitt beim Vierfachen dieses Wertes.

Eine Studie des New York City College hatte Allaeis Aussagen im Frühjahr auch untermauert. Allerdings hatte der Startup-Gründer mit Unterstützung eines Maschinenbau-Professors das Papier selbst erarbeitet. Inzwischen ist auch ein erster Prototyp des Sheerwind-Kraftwerks in Betrieb.

Aber wo das Blaue vom Himmel versprochen wird, lässt Kritik nicht lange auf sich warten. Vor einigen Monaten unterzog der US-Windenergie-Experte Mike Barnard die Studie des City College einer kritischen Prüfung. Keine der Behauptungen trifft demnach zu. Das Sheerwind-Kraftwerk würde keineswegs mehr Strom produzieren als ein Windrad vergleichbarer Größe, schreibt Barnard. Sein Fazit: "Potenzielle Investoren sollten ihre Finger davon lassen. Alle, die jetzt schon in das Unternehmen investiert haben, werden ihr Geld nicht wiedersehen."

Aber nicht alle scheinen Barnards Artikel gelesen zu haben. Denn jetzt will die Nationalgarde im US-Bundesstaat Michigan 1,5 Millionen Dollar in zwei von Sheerwinds Trichterkraftwerken investieren. Sollten sie am Ende doch halten, was sie versprechen, sollen weitere an verschiedenen Standorten in den USA folgen. Der Baubeginn ist für das Frühjahr 2015 geplant.

Offenheit für ungewöhnliche Innovationen beweist die Nationalgarde mit ihrem Plan immerhin. Ein Vertreter sagte gegenüber der Lokalzeitung Great Lakes Echo: "Ich denke, dass die Windtrichter konkurrenzfähig sein werden. Ich glaube zwar nicht, dass die Ergebnisse so spektakulär ausfallen, wie vom Unternehmen versprochen – aber sie werden ziemlich gut sein."

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