Trinkwasser: Segway-Erfinder baut Recyclingmaschine für Abwasser

Trinkwasser: Segway-Erfinder baut Recyclingmaschine für Abwasser

von Felix Ehrenfried

Eine neue Maschine verwandelt Abwasser in Trinkwasser. Sie ist so klein wie eine Minibar im Hotelzimmer.

Dean Kamens bekannteste Erfindung ist mittlerweile in jeder Großstadt Europas anzutreffen: Der Segway, ein zweirädriges Gefährt, auf dem der Fahrer aufrecht steht und das er mittels Gewichtsverlagerung steuert.

Die neueste Erfindung des gebürtigen New Yorkers dagegen könnte bald in viel ärmeren Teilen der Welt anzufinden sein - und eine lebenswichtige Ressource zugänglich zu machen: Das Team um Kamen hat in den vergangenen Jahren einen Kubus entwickelt, der aus Abwässern aller Art genießbares Wasser generieren soll.

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Der "Slingshot" - übersetzt heißt das "Katapult" - könnte Millionen von Menschen in Entwicklungsländern Zugang zu genießbarem Wasser verschaffen. Das Vorhaben klingt zunächst nach hochkomplexer Technik und riesigen Maschinen. Jedoch konnten Kamen und sein Team ihre Technik so vereinfachen und komprimieren, dass ihr Slingshot ungefähr die Größe eines kleinen Kühlschrankes hat.

Das Abwasser wird darin unter Druck zum Verdampfen gebracht. Dadurch löst sich der genießbare Teil des Wassers vom Rest und wird zu Dampf. Um Energie zu sparen, nutzt das Gerät die Abwärme des Wassers, wenn es sich wieder verflüssigt, und heizt damit weiteres Gebrauchtwasser auf. Die Energie zum Betrieb des Geräts liefert ein Motor, der sich auch mit Kuhdung betreiben lassen soll.

Soweit die technischen Feinheiten des Wunderwürfels. Sollte der Slingshot wirklich so effektiv sein, könnte das Gerät zahlreichen Menschen helfen: Menschen, die entweder weit entfernt von einer Wasserquelle leben oder aber nur Zugang zu verschmutztem Wasser haben. Erfinder Dean Kamen ist von seiner Erfindung auf jeden Fall überzeugt. Man könne knapp vier Liter zu Kosten von rund einem Penny produzieren, erklärt er - also für einen US-Cent.

Wasser aus UrinAus Werbezwecken startet der Erfinder gerne Aktionen, die Aufsehen erregen:  Als Beweis dafür, dass seine Technik funktioniert, trank er unlängst bei einer Produktpräsentation Wasser aus dem Slingshot, das das Gerät vorher aus seinem Urin extrahiert hatte.

Aber Kamen hat bereits einen Partner gefunden, der den Vertrieb in Entwicklungsländern übernehmen soll: Coca-Cola. Der amerikanische Getränkeriese hat sich über Jahre hinweg ein etabliertes Verkaufsnetz gerade in Ländern wie Indien oder Afrika aufgebaut. So könnte das Unternehmen mit dem roten Logo den schwarzen Wasseraufbereitungskasten auch in abgelegene Regionen bringen.

Von der Kooperation würden beide Geschäftspartner profitieren: Kamens Team erhielt ein Vertriebsnetz - und der Getränkegigant könnte das Engagement für sauberes Trinkwasser in seinen PR-Broschüren publik machen.

Noch ist das Gerät recht teuer: Der Slingshot kostet derzeit zwischen 7000 und 8000 Dollar. Dennoch ist Kamen zuversichtlich, dass schon 2020 fünf Millionen Kleinunternehmer die Maschine zur Wasserproduktion nutzen werden. Angesichts des Preises ein mehr als ambitionierter Plan.

Aber den Segway hatte anfangs ja auch niemand ernst genommen - und heute fährt er überall auf der Welt.

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