Umwelt-Karton: Tiroler Unternehmen macht Online-Shopping grüner

Umwelt-Karton: Tiroler Unternehmen macht Online-Shopping grüner

von Nora Marie Zaremba

Online-Shopping ist beliebt, doch Versandkartons sind klimaschädlicher als gedacht. Jetzt gibt es eine Alternative.

Mit einem Mausklick ist das Buch oder die Tasche im Internet bestellt, ein bis zwei Tage später klingelt der Bote mit dem Paket. So einfach und bequem der Online-Handel ist - er belastet die Umwelt.

Dabei ist der Transportweg gar nicht mal entscheidend. Allein die Herstellung der Verpackung kann – je nach Länge des Transportweges - mehr als 50 Prozent aller beim Versand entstehenden Umweltschäden und Treibhausgase verursachen.

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Das Unternehmen Dinkhauser Kartonagen, einer der größten Hersteller von Verpackungen in Europa, hat nun beschlossen, das Klimaproblem beim Online-Shopping anzugehen. Die Anzahl an Verpackungen, die jeden Tag die Fabrik in Hall im österreichischen Tirol verlässt, liegt im hohen sechsstelligen Bereich.

Wie klimaschädlich ist Maisstärke?Ein Teil davon, nämlich die Papphüllen der Marke ColomPac, werden künftig klimaneutral hergestellt. Sie gehören laut Dinkhauser zu den meistverkauften in der EU.

Und die waren auch bisher schon vergleichsweise umweltfreundlich: Sie sind aus Wellpappe, die zu 80 Prozent aus Altpapier besteht. Für eine klimaneutrale Herstellung holte sich Dinkhauser jetzt aber Rat außer Haus. Die Consulting Firma ClimatePartner aus München ermittelte in einem ersten Schritt den CO2-Abdruck der Verpackungen. Und suchte dann nach Möglichkeiten, wo Emissionen eingespart und ausgeglichen werden können.

Denn der Transport der Materialien zur Herstellung von Wellpappe, Hilfsstoffe wie Kleber und Maisstärke, das alles verursacht Emissionen bei der Herstellung. Mitarbeiteranfahrten und die Emissionen externer Dienstleister wurden ebenso in die Berechnungen von ClimatePartner einbezogen.

Wasserkraftwerk in Indonesien hilft in TirolDas Ergebnis: Knapp 100 Gramm CO2 verursacht die Herstellung einer Verpackung für Bücher. Zum Vergleich: Das ist ungefähr die Menge Kohlendioxid, die ein sehr sparsames Auto auf der Strecke von einem Kilometer ausstößt. Die Pappkartons, die täglich die Fabrik von Dinkhauser verlassen, verursachten bisher also einen Klimaschaden, der vergleichbar mit mehreren tausend Autokilometern ist.

Einen Teil der Emissionen aus der Produktion spart Dinkhauser jetzt mit Strom aus der eigenen Photovoltaik-Anlage ein. Den anderen Teil setzt es über ein zertifiziertes Wasserkraftwerk in Indonesien ab.

Viele westliche Unternehmen setzen auf diese Weise ihre Emissionen über Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern ab. Unumstritten ist die Praxis nicht: Umweltschützer monieren, dass sich Unternehmen mit solchen Maßnahmen ein reines Gewissen verschaffen, ohne ihr klimaschädliches Verhalten tatsächlich zu ändern.

Investitionen in Klimaschutzprojekte können aber auch als erster Schritt in die richtige Richtung gesehen werden. Sie zeigen, dass die Unternehmen sich ihrer Verantwortung zumindest bewusst sind und sie fördern umweltfreundliche Innovationen in ärmeren Ländern.     

Das Wasserkraftprojekt, an dem sich Dinkhauser nun beteiligt, soll Indonesien auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Entwicklung unterstützen. Das Land bezieht seinen Strom überwiegend aus fossilen Energien. Zurzeit hat Wasserkraft nur einen Anteil von etwas mehr als einem Prozent am nationalen Strommix. Das ist nur ein Bruchteil von dem, was möglich ist.

Jede der klimaneutralen Verpackungen aus Tirol ist mit einer ID-Nummer gekennzeichnet. So können sich die Kunden im Internet über die genaue CO2-Menge, die bei der Herstellung des Produkts anfiel und das Klimaschutzprojekt in Indonesien informieren. „Diese Transparenz war uns sehr wichtig“, sagt Stefan Lerchner, Marketingleiter bei Dinkhauser.

Umweltschutz im Versand wird wichtigerFür die Händler sollen die klimaneutralen Verpackungen nicht teurer sein als die herkömmlichen Versandhüllen. Damit füllen die österreichischen Verpackungspezialisten ein Lücke im Markt. Zwar bieten die großen Versandunternehmen wie DHL schon CO2-Kompensationsmöglichkeiten für den Paket-Versand an - die Verpackung war aber bisher nicht dabei.

Das Beispiel DHL zeigt auch: Der klimaneutrale Versand wird im Internet-Handel immer wichtiger, weil mehr und mehr Kunden etwas für die Umwelt tun, aber nicht auf den Komfort des Online-Shoppings verzichten wollen.

Dabei liegt die Frage nahe, ob der Umwelt zuliebe nicht einfach wieder im Laden um die Ecke eingekauft werden sollte?

„Pauschal lässt sich nicht sagen, dass Online-Handel belastender für das Klima ist als der Gang ins Kaufhaus", sagt Moritz Lehmkuhl, Geschäftsführer von ClimatePartner. "Wenn man mit dem Auto zum täglichen Einkauf fährt, ist das auch eine erhebliche Belastung.“

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