Unwetter-Studie: Wirtschaftswachstum kann Klimaschäden nicht auffangen

Unwetter-Studie: Wirtschaftswachstum kann Klimaschäden nicht auffangen

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Die Trümmer, die Hurrikan Katrina von Teilen New Orleans' hinterlassen hat, sind auch ein Jahr nach der Katastrophe noch zu sehen.

von Ruth Herberg

Weil Unwetter immer schlimmer werden, steigen die Kosten weiter an. Das steigt eine neue Studie.

1800 Menschen hat Hurrikan Katrina das Leben gekostet, als er im August 2005 auf die amerikanische Golfküste traf. Der Sturm gilt bis heute als eine der verheerendsten Naturkatastrophen in den USA, er richtete Schäden in Höhe von 108 Milliarden US-Dollar an. Drei Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) haben am Beispiel von Katrina nun ausgerechnet, dass die Schäden zukünftiger Wirbelstürme schneller wachsen als die Wirtschaftsleistung. Schuld daran, so die Forscher, sei der fortschreitende Klimawandel.

„Bisher hat sich gezeigt, dass historische Schäden durch tropische Wirbelstürme schwächer als das Bruttosozialprodukt eines betroffenen Landes stiegen“, sagt der leitende Autor der Studie, Tobias Geiger. Ein anderes Bild ergebe sich jedoch, wenn man sich die Verluste in Bezug auf das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens und der Bevölkerung getrennt anschaue: Die Schäden stiegen dann schneller als das Einkommen, so die Wissenschaftler.

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Interview „Es ist unsere Pflicht, den Klimawandel zu begrenzen“

Im Interview mit Wiwo Green spricht Professorin Dr. Daniela Jacob, Leiterin des Climate Service Center Germany, über die Auswirkungen des Klimawandels und welchen Einfluss Unternehmen und Industrie darauf nehmen können.

Die studierte Meteorologin forscht seit 2010 im Climate Service Center und übernahm im vergangenen Jahr dessen Leitung. (© Christian Schmid/HZG)

Für ihr Modell haben Tobias Geiger, Katja Frieler und Anders Levermann unterschiedliche Daten wie Windgeschwindigkeiten und Angaben zum Pro-Kopf-Einkommen benutzt. Eingeflossen sind zudem Informationen über die Zugbahnen und die Schäden, die vergangene Hurrikans an der amerikanischen Ostküste angerichtet haben. So konnten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der betroffenen Menschen, dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der betroffenen Region und den entstandenen Schäden herstellen.

Anpassung an den Klimawandel reicht nicht

„Am Ende haben wir diese Beziehung auf Tausende simulierte potenzielle Sturmverläufe angewandt, die den Osten der USA bis 2100 in verschiedenen Klimaszenarien treffen könnten“, sagt Katja Frieler. Das Ergebnis der Studie ist alarmierend: „Aufgrund der voraussichtlichen Zunahme der Anzahl und Intensität von tropischen Wirbelstürmen bei ungehindert fortschreitendem Klimawandel könnten sich bis zum Ende des Jahrhunderts die durchschnittlichen Hurrikanschäden in Bezug auf das Bruttosozialprodukt der USA verdreifachen.“

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Hurrikan Katrina überflutete im August 2005 fast ganz New Orleans. Mit dem steigenden Meeresspiegel könnten Sturmschäden in Zukunft noch drastischer ausfallen.

Die Zerstörung, die der Klimawandel anrichtet, könnte allerdings auch noch größer ausfallen, denn ein Faktor ist in das Modell der Klimaforscher vom PIK noch gar nicht eingerechnet: der steigende Meeresspiegel. „Der könnte dazu führen, dass sich die durchschnittlichen Schäden pro Hurrikan bis zum Ende des Jahrhunderts nicht nur verdreifachen, sondern noch höher sind“, prognostizieren die Wissenschaftler.

Es sehe so aus, als könnten wir einen wirtschaftlichen Wettlauf mit ungebremstem Klimawandel nicht gewinnen, sagt Anders Levermann. Natürlich sei die Anpassung an unvermeidliche Folgen des Klimawandels wichtig. „Aber seine Eindämmung bleibt von wesentlicher Bedeutung, um die noch vermeidbaren Konsequenzen zu verhindern oder wenigstens abzuschwächen.“

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