Upcycling: O2 stellt Smartphone aus Gras her

Upcycling: O2 stellt Smartphone aus Gras her

von Tobias Finger

Aus alten Handys und den Fasern eines Rugby-Rasens hat O2 ein Smartphone gefertigt. Damit will das Unternehmen seinen Kunden Recycling nahe bringen.

Kleidung aus alten Plastikflaschen oder Elektroschrott für neue Geräte – Upcycling, also das Wiederverwerten von gebrauchten Produkten, wird immer bekannter. Auch größere Unternehmen experimentieren damit.

Ein aktuelles Beispiel kommt aus England. Dort hat der Telekommunikations-Konzern O2 ein Smartphone aus alten Handys und – das ist neu – dem Rasen eines Rugbystadions hergestellt.

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Handy aus Rugby-RasenDas Twickenham Stadium im gleichnamigen Londoner Stadtteil trägt die Spiele der englischen Rugby-Nationalmannschaft aus und ist die zweitgrößte Sportstätte des Landes.

Für O2 war es zuletzt auch Rohstofflieferant. Die Fasern des Rasens, über den normalerweise Rugby-Eier fliegen, sind Hauptbestandteil der Smartphone-Hülle.

Das Rasen-Smartphone herzustellen, dauerte 240 Stunden, also zehn Tage und Nächte. In Serie geht das Handy also vermutlich nicht.

Das ist offenbar auch nicht der Zweck. Das Unternehmen möchte Aufmerksamkeit auf den eigenen Recycle-Service lenken, bei dem Kunden Geld für ihre alten Smartphones erhalten.

Mit der Aktion schafft O2 ein Bewusstsein dafür, dass in alten Geräten jede Menge Rohstoffe stecken und sie nicht auf den Müll gehören. Jährlich fallen weltweit 50 Millionen Tonnen Elektroschrott an.

Teppiche aus KreideabfällenDas ist zu begrüßen, denn vielen Konzernen fehlt häufig das Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Sie schöpfen bislang nicht die Möglichkeiten aus, die ihnen Upcycling und Kreislaufwirtschaft bieten. Dabei könnten sie damit Geld und Energie sparen.

So fertigt das Unternehmen Desso Teppiche aus Kreide. Den Rohstoff bezieht es günstig oder kostenlos aus der Getränkeproduktion, bei der Kreide als Abfallprodukt übrig bleibt. Outdoormarken produzieren Kleidung aus Altplastik.

Gerade für StartUps und kleinere Unternehmen ist Upcycling und die Abfallvermeidung integraler Bestandteil des Geschäftskonzepts.

Grüne Botschaften hinterfragenAllerdings lohnt es sich, zweimal hinzusehen, wenn mit Nachhaltigkeit geworben wird. Der Fußballclub Hannover 96 hat sich mit seinen vermeintlich kompostierbaren Bioplastik-Bechern einen Bärendienst erwiesen (wir berichteten).

Solche Formen von Greenwashing kommt immer noch zu häufig vor. Denn grüne Botschaften sind rentabel. Studien zu Folge kann schon ein oberflächlich nachhaltiges Image den Umsatz um bis zu zehn Prozent steigern.

Das Engagement von O2 dürfte allerdings nicht nur darauf abzielen, zumindest dient es gleichzeitig einem anderen Zweck. Es zeigt Nutzern sehr konkret, dass alte Handys alles andere wertlos sind.

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