Urban Farming in Berliner Schule: Startup züchtet Welse und Bananen

Urban Farming in Berliner Schule: Startup züchtet Welse und Bananen

von Marius Hasenheit

Das Unternehmen Topfarmers will in Städten Fischzucht und Obstanbau kombinieren – der Pilotversuch läuft an einer Schule.

Seit 2007 leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land, gleichzeitig wachsen die Megacities weltweit dramatisch an. Auch der Wohlstand wächst im globalen Durchschnitt, und immer mehr Menschen wollen regelmäßig Fleisch und Fisch zu sich nehmen. Doch die Weltmeere sind überfischt.

Einige Startups sehen beide Entwicklungen aber nicht als Bedrohung, sondern als Chance, um Landwirtschaft und Fischzucht in der Stadt zu kombinieren. Beispiele sind das Jungunternehmen ECF in Berlin oder Green Acre Aquaponics in den USA. Das Besondere an ihrem Ansatz: Sie düngen mit einem als Aquaponic bezeichneten Verfahren mit den Fischausscheidungen die Pflanzen, wie Tomaten, Salat oder Gurken, die in einem Gewächshaus neben der Fischzucht wachsen.

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Nun gibt es in Berlin mit Topfarmers ein weiteres Aquaponic-Startup, das die Unternehmerin Anne-Kathrin Kuhlemann mit einigen ihrer Kollegen des Beratungsbüros Blue Economy Solutions aufbaut. Das Jungunternehmen ist unter seinen Konkurrenten im wahrsten Sinne des Wortes ein Exot. Statt ausschließlich Tomaten, Gurken und anderes Gemüse zu setzen, kultivieren TopFarmers auch Südfrüchte wie Bananen, Chilis, Maracujas, Kiwis und Papayas.

Wels schlägt BarschDas Kalkül: Die Früchte erzielen einen höheren Preis als heimisches Gemüse, die Anlage wird profitabler. Außerdem entfällt der umweltunfreundliche Transportweg aus dem Ausland. Die Unternehmer kalkulieren mit etwa drei Tonnen Südfrüchten pro Jahr auf 1.000 Quadratmeter Anbaufläche.

Die bisher aktiven Aquaponicunternehmen setzen zudem auf Tilapiabarsche oder begehrte Süßwasserfische wie den Zander in ihrer Zucht. Topfarmers hingegen züchtet den afrikanischen Raubwels. Der soll besser an die Enge der Wasserbehälter angepasst sein, da die Tümpel seiner Vorfahren ebenfalls oft nahezu austrocknen und eng werden.

Dass das System funktioniert, zeigt ein Pilotprojekt in Berlin. Seit über einem Jahr kooperiert Kuhlemann mit der August-Sander-Schule im Stadtteil Friedrichshain. Dort absolvieren Jugendliche im Bereich der Stadtgärtnerei ein berufsvorbereitendes Jahr. Anstatt sich nun mit Grünflächen und Friedhöfen zu beschäftigen, werden sie auf einer Fläche von 100 Quadratmetern zu Aquaponicspezialisten ausgebildet. Sie züchten auf dem Schulgelände in zwei Kubikmeter-großen Wassertanks  jeweils 200 bis 250 Fische. Eine Tonne Fisch pro Jahr wächst in den Becken heran.

Großprojekt in Berlin geplantDie Investitionen in das Projekt betragen bisher eine von den Unternehmern nicht näher genannte Summe im sechsstelligen Bereich. Bisher stammt das Geld aus privaten Quellen. Um weitere Kosten an der Schule zu decken, startete Topfarmers eine Crowdfundingkampagne auf der auf nachhaltige Projekte spezialisierten Online-Plattfrom Ecocrowd.

Doch es soll nicht bei der Schule bleiben. Kuhlemann und ihr Team befinden sich in Verhandlung mit Ostberliner Baugrundbesitzern, um ein großes Areal zu ergattern. Läuft alles nach den Plänen des Unternehmens, kultivieren sie bereits ab Frühjahr 2015 Fisch und Pflanzen auf 2000 Quadratmetern. Damit wären sie dann die flächengrößte Aquaponicfarm Europas. Ist die Fläche gefunden, soll die Suche nach Investoren beginnen.

Ideal wäre ein Baugrund in der Nähe von Industrieanlagen oder Kraftwerken. Dort fällt Abwärme als Nebenprodukt an, die dann für die Fischzucht genutzt werden könnte. Schließlich mögen es die Fische, wenn ihr Wasser rund 25 Grad Celsius hat. Die exotischen Pflanzen profitieren wiederum von der Abwärme des mollig warmen Wassers. In der Schule reicht bisher die anliegende Fernwärme völlig aus und es mussten keine Kapazitäten ausgebaut werden.

Nachhaltigeres FutterDoch auch die Fischzucht in der Stadt ist nicht automatisch nachhaltig. Manche Umweltschützer kritisieren den Anteil von Tierbestandteilen bei Fischzuchtfutter. Schließlich würden die Meere weiter leer gefischt, um das nötige Fischmehl und Fischöl zu produzieren. TopFarmers nutzt momentan Futter mit einem Anteil von immerhin 30 Prozent Fischmehl oder Schlachtabfällen. Damit liegen sie unter den Fleischanteilraten von vielen großindustriellen Futtermitteln, die oft komplett aus tierischen Proteinen bestehen.

Zwar gibt es auch Fische, die sich vegetarisch ernähren, wie der Karpfen, doch nur wenige Fische sind so stressunanfällig und "effizient" wie der afrikanische Raubwels. "Es mag vielleicht unglaublich klingen, aber der Wels braucht nur 900 Gramm Futter um ein Kilogramm Eigengewicht aufzubauen", sagt Anne-Kathrin Kuhlemann. Zum Vergleich: ein Thunfisch verbraucht bis zu 20 Kilogramm Futter, um ein Kilo schwerer zu werden.

Die Kombination des genügsamen Welses mit den Südfrüchten begeisterte auch die Jury des Social Entrepreneurship Wettbewerb, der von der Bayrischen EliteAkademie ausgerichtet wird. Topfarmers belegte dort den zweiten Platz.

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