US-Forscher: So sollen U-Boote klimaschädliches CO2 binden

US-Forscher: So sollen U-Boote klimaschädliches CO2 binden

von Wolfgang Kempkens

Mit speziellen U-Booten wollen US-Forscher Kohlendioxid binden und unschädlich machen. Auch Kohlekraftwerke könnten davon profitieren.

Die Schwäbische Alb enthält es, der Schweizer Jura und unzählige andere Berge und Gebirge auch: Calciumcarbonat, umgangsprachlich auch als Kalkstein bekannt. Schon vor Urzeiten haben Meerestiere diesen Stoff aus dem im Wasser gelösten Kohlendioxid hergestellt. Was Muscheln und Schnecken wie im Schlaf beherrschen – CO2 zu binden –, schaffen Menschen noch nicht, jedenfalls nicht in der Kürze der Zeit, die nötig wäre, um klimagefährdendes Kohlendioxid in der Atmosphäre entscheidend zu verringern.

Amerikanische Forscher haben jetzt möglicherweise die Lösung gefunden. Sie kippen einfach unzählige winzige U-Boote in Wasser, das Kohlendioxid und Calcium enthält. Diese U-Boote tragen auf ihrer Außenhaut einen Katalysator, der die Calcium-Ionen – also elektrisch positiv geladene Calcium-Atome – und Kohlendioxid zusammenführen. Es entsteht Calciumcarbonat oder eben auch Kalkstein. Im Alltag kennen wir ihn eher von Ablagerungen auf den Heizstäben von Waschmaschinen und in Wasserkochern. Nun soll genau dieser Kalkstein das Klima verbessern.

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Ein Wischmopp für das WasserDie U-Boote, die Professor Joseph Wang, Spezialist für Nanotechnologie, und sein Team an der Universität von Kalifornien in San Diego dafür entwickelt haben, bestehen aus sechs Mikrometer langen Kunststoffröhrchen. Innen befindet sich der Treibstoff für den Antrieb der U-Boote: Wasserstoffperoxid. Das zersetzt sich in Wasser und Sauerstoff. Letzterer bildet Bläschen, die das Röhrchen verlassen und es in die entgegengesetzte Richtung beschleunigen. Pro Sekunde schaffen sie eine Entfernung von einem Zehntel Millimeter.

Die Wissenschaftler vergleichen ihre Röhrchen mit einem Wischmopp, der Wasser von Kohlendioxid befreit. Die gebildeten Calciumcarbonatpartikel sinken zu Boden und können gelagert werden, etwa in Form von künstlichen Bergen oder unterirdisch.

Schaden können diese Partikel nicht mehr anrichten, anders als Kohlendioxid, das in flüssiger Form in den Untergrund der Erde gepresst wird. Im Extremfall kann es den Weg zurück zur Erdoberfläche finden und dort alles Leben töten – das Gas verdrängt den Sauerstoff in Bodennähe, weil es schwerer ist.

Nur wenige Minuten, bis das Wasser sauber istDas so genannte Carbon Capture and Storage, also das Abtrennen von Kohlendioxid aus den Rauchgasen von Kohlekraftwerken und dessen Lagerung in tiefen Erdformationen, ist ein möglicher Weg, fossile Kraftwerke mit der Umwelt zu versöhnen.

Der Mikro-Wischmopp könnte dafür eine Lösung sein. Den Wissenschaftler zufolge ist er äußerst effektiv. In großer Zahl in einen Behälter mit kohlendioxid- und calciumhaltigem Wasser gekippt, dauert es nur Minuten, bis das Wasser gereinigt ist, sagen die Forscher. Ob die Röhrchen in hoher Zahl zu akzeptablen Preisen hergestellt werden können, ist allerdings noch völlig offen.

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