Verkehrs-Emissionen: Experten fordern CO2-Zertifikate für Autos

Verkehrs-Emissionen: Experten fordern CO2-Zertifikate für Autos

Bild vergrößern

Mit Grenzwerten lassen sich CO2-Emissionen nicht drücken, sagen Experten. Mit Zertifikaten schon.

von Angela Schmid

Pläne, die Verkehrsemissionen zu verringern, gibt es viele - doch bislang greift keiner davon. Nun fordern Experten einen CO2-Handel für Autos.

Die EU will den Verkehr CO2-ärmer gestalten. Laut Kommissionsvorschlag soll eine emissionsarme Mobilität kosteneffizient und unter Wahrung von Technologieneutralität erreicht werden. Die CO2-Werte sollen bis 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 sinken, ebenso gesundheitsschädliche Luftschadstoffemissionen wie Stickoxide und Feinstaub. Doch schon bevor diese Idee in Gesetzesform gegossen ist, hagelt es Kritik.

Das "Centrum für Europäische Politik" (CEP) kritisiert etwa eine geplante Verschärfung der Kohlendioxid-Grenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Hier gebe es eine natürliche technische Grenze, so die Verkehrsexperten Martin Menner und Götz Reichert. Ihr Vorschlag: den gesamten Verkehrssektor in den CO2-Emissionshandel einzubeziehen.

Anzeige

Der Verkehr in der EU verursacht fast ein Viertel der CO2-Emissionen und ist Hauptursache für die Luftverschmutzung in den Städten. Doch die Regulierung von Neuwagen bei Verbrauch und Schadstoffausstoß leidet unter einem Dilemma: Obwohl die Auflagen zunehmen und die Fahrzeuge weniger Schadstoffe ausstoßen, sinkt die Belastung für die Umwelt nicht, da die Gesamtzahl an Fahrzeugen permanent steigt.   

Der EU-Emissionshandel (EU-ETS) ist nach Ansicht der Verkehrsexperten die wesentlich bessere Wahl. Dies garantiert, dass das CO2 abnimmt, egal wie sich der Verkehr entwickelt. Der ökologische Effekt auf den Gesamtausstoß von Schadstoffen wird von Ökonomen nicht angezweifelt.

CO2-Handel am Boden

Das sei kein Wolkenkuckucksheim und bereits als Option vorgesehen, erklärt Reinert. "Es gibt im Moment aber keine Mehrheit dafür – aus unserer Sicht ist es aber der richtige Weg." Wegen der jahrelangen Überschwemmung des Markts mit kostenlosen Papieren sind die Preise für Verschmutzungszertifikate im Keller. Zurzeit liegen sie bei etwa sechs Euro pro Tonne CO2.

Damit Unternehmen in emissionsarme Technologien investieren, statt Zertifikate zu kaufen, ist aber nach Berechnungen von Analysten mindestens ein Preis zwischen 30 und 40 Euro nötig. Und dennoch hält Reinert die Zertifikate für sinnvoll - so müsste sich der Mobilitätsbereich mit allen Sektoren im CO2-Handel messen. Auch Gebrauchtwagen und schwere Nutzfahrzeuge wären so einbezogen.

Da eine jährliche Höchstgrenze festgelegt werde, könnte der Ausstoß nicht mal steigen, wenn die Zahl der Fahrzeuge zunimmt. Reduktionen finden damit vor allem in jenen Sektoren statt, in denen sie kostengünstig sind.

Effizienterer Handel für Autoverkehr

Der Verkehr ist in den Handel mit Verschmutzungspapieren schon teilweise integriert, da der Stromverbrauch von Zügen und Elektrofahrzeugen und auch die CO2-Emissionen innereuropäischer Flüge dem Zertifikatehandel unterliegen. Wird dies auf den gesamten Verkehrssektor ausgedehnt, spüren dies zuerst die Autofahrer, da die Kosten bislang auf die Kraftstoffpreise abgewälzt werden. "Dies ist, was den Klimaschutz angeht, effizient", so Reinert.

Wie stark die Preise an der Zapfsäule steigen, hängt von dem Preis der Zertifikate ab. Aus Sicht der Ökonomen sind höhere Kraftstoffpreise sinnvoll, dass dies den Absatz von spritsparenden Autos fördert. Das wiederum reduziert den Schadstoffausstoß. "Statt stattlicher Vorgaben für Verbrennungsmotor sollte der Markt entscheiden", so die CEP-Verkehrsexperten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%