Vorbild Coffee to go: Crowdfunding soll Mini-Haus für Flüchtlinge finanzieren

Vorbild Coffee to go: Crowdfunding soll Mini-Haus für Flüchtlinge finanzieren

von Nora Marie Zaremba

Opfern von Krieg oder Unwetter soll künftig ein superpraktisches Mini-Haus helfen. Finanziert wird es per Crowdfunding.

Als Wirbelsturm Katrina vor neun Jahren auf die USA traf, wurden fast eine Million Amerikaner obdachlos. Die Zustände danach: Überfüllte Turnhallen, provisorische Bettenlager, zu wenig sanitäre Anlagen.

Der Designer und Erfinder Michael McDaniel verfolgte die Bilder damals im Fernsehen. Eine Frage ließ ihn dabei nicht los: Wie kann man Flüchtlingen nach humanitären Katastrophen eine anständige Unterkunft bieten?

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Ein Haus aus zwei TeilenDie Lösung kam dem Texaner beim Kaffeetrinken. Eine Behausung für Krisensituationen müsste sich so einfach zusammenbauen lassen, wie ein Coffee to go Becher: Pappbecher (Haushülle) auf Deckel (Boden). Fertig.

McDaniel gründete das Startup „Reaction“ und feilte fünf Jahre lang an der Idee vom praktischen Flüchtlingshaus. Nun ist der Prototyp da: Exo – ein Haus aus zwei Teilen.

In nur zwei Minuten ist die Haushülle auf den Boden gesteckt. Die acht Quadratmeter Fläche bieten Platz für vier Personen, die Betten werden ausgeklappt. Gefertigt ist das Exo aus Kunststoff, das macht es wetterfest und doch leicht transportierbar.

Besonders ist, dass die Hüllen sich aufeinanderstapeln lassen – 20 passen auf die Ladefläche eines normalen LKWs, mehr noch in ein Flugzeug oder auf ein Schiff. So können sie schnell in Krisenregionen auf der ganzen Welt gebracht werden.

Kein SchnäppchenDie Kosten für ein Exo-Haus liegen bei umgerechnet 3.500 Euro. Das macht es im Vergleich zu anderen Flüchtlings-Behausungen teuer.

Ikea zum Beispiel, hat in Zusammenarbeit mit der UNO-Flüchtlingshilfe UNHCR ein Haus entworfen, das in der Herstellung umgerechnet nur rund 700 Euro kostet. Der Nachteil: Mit seinen dünnen Wänden aus Wellblech hält das Haus Extrembedingungen nur wenige Jahre stand.

Zurzeit ist die häufigste und günstigste Flüchtlingsbehausung ein simples Zelt mit 16 Quadrametern Fläche. Nach Angaben des UNHCR leben viele Flüchtlinge oft über mehrere Jahrzehnte in solchen Zelten. Es ist daher wichtig, robuste und bezahlbare Alternativen zu entwickeln. Diese Herausforderung zieht neben McDaniel auch andere Designer an.

So auch die jordanisch-kanadische Designerin Abeer Seikaly. Inspiriert durch den Lebensstil der Nomaden entwarf Seikaly ein faltbares Haus, gewebt aus Leinen. Die Außenschicht ist so konzipiert, dass sie Sonnenlicht aufnimmt und das Haus über Solarzellen mit Strom versorgt.

Vorgesehene Luft-Löcher machen die Haut für Wind durchlässig, sie lassen sich bei kalten Temperaturen aber auch verschließen. Das Haus wurde mit dem Lexus-Design-Award ausgezeichnet. Noch existiert es aber nur auf dem Computerbildschirm.

Crowdfunding-Kampagne für Exo

Damit Exo nicht nur ein Prototyp wie der von Seikaly bleibt, hat McDaniels Startup Reaction nun eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Das erklärte Ziel: Umgerechnet 40.000 Euro für den Bau der ersten Häuser zu sammeln.

Die langfristige Idee ist, dass viele Exo-Häuser ganze Flüchtlingscamps bilden – sogenannte „Exo Housing Systems“. In diesen Systemen sind manche Häuser nur mit Duschen und Toiletten ausgestattet, sie dienen als sanitäre Anlagen. Dank Stromgeneratoren gibt es Licht, Steckdosen und Klimaanlagen. Für Privatsphäre sorgen Schlösser an den Türen.

Auch praktisch: Wenn sich die Zustände bessern und das Camp aufgelöst wird, können die Häuser gereinigt und wiederverwendet werden. Wie allerdings das Problem der im Vergleich mit den einfachen Zelten höheren Kosten gelöst werden kann, hat McDaniel noch nicht verraten. Die ersten Exos sollen aber in Syrien und Haiti zum Einsatz kommen.

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