Vorbild Zugverkehr: Siemens testet elektrifizierte Autobahn

Vorbild Zugverkehr: Siemens testet elektrifizierte Autobahn

von Benjamin Reuter

Siemens baut in Kalifornien eine Teststrecke, auf der Trucks mit Strom aus der Oberleitung fahren. Das soll die E-LKW endlich straßentauglich machen.

Elektrische Antriebe im Straßenverkehr sind an sich nichts Neues. Autos mit E-Antrieb bietet heute beinahe jeder Autohersteller an und die Absatzzahlen der Stromer steigen langsam aber sicher. Aber elektrisch betriebene LKW? Das ist bisher die Ausnahme. Zwar gibt es Konzepte, um Brummis mit Batterien zu bestücken, sie an der Steckdose zu laden und dann auf die Straße zu schicken.

Doch die Fahrzeuge, wie sie zum Beispiel das Schweizer Unternehmen E-Force baut, sind vergleichweise teuer und lohnen sich eigentlich nur, wenn der Truck im Dauereinsatz ist. Vor allem die Akkus gehen ins Geld und kosten bei einem LKW schnell einen hohen fünfstelligen Betrag. Die Reichweite der E-Force-LKW liegt bei gerade mal 300 Kilometern, die Ladezeit bei sechs Stunden.

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Allerdings hat das System auch Vorteile: Laden die Trucker ihre Batterien mit Grünstrom ist der LKW umweltfreundlicher und günstiger unterwegs als mit Diesel. Auch die Wartungskosten sind bei Elektrofahrzeugen niedriger als bei ihren herkömmlichen Pendants.

Überholen trotz OberleitungWegen dieser Vorteile verfolgen auch die Ingenieure des Münchner Technikriesen Siemens das Konzept eines Elektro-LKW. Sie arbeiten aber nicht mit großen Batterien im Fahrzeug, sondern nehmen sich den Zug- und Oberleitungsbusverkehr zum Vorbild. Die Laster hängen an einer Leitung über ihrem Dach, die Strom liefert.

Ein erstes Pilotprojekt startete Siemens schon 2012 nördlich von Berlin. Nun soll ab Juli 2015 eine 3,2 Kilometer lange Strecke in der Nähe des Hafens von Los Angeles hinzukommen. Der Clou: Die Lastwagen, die die Unternehmen Volvo und Mack für das Projekt entwickeln, können die Verbindung zur Oberleitung ein- und ausfahren und so auch zu Überholmanövern ansetzen. Sind die Wagen nicht mit der Leitung verbunden, springt entweder ein Diesel- oder Erdgasmotor an oder eine Batterie hilft mit Strom aus. Bei Bedarf hängt sich der LKW einfach wieder an die Oberleitung.

Allerdings hat Siemens nicht im Sinn, hunderte Kilometer lange Highway-Strecken mit Oberleitungen zu versehen. Die Technik sei vor allem für von LKW stark befahrene Kurzstrecken interessant, heißt es aus den Unternehmen. So soll das Projekt nahe Los Angeles ein erster Test  für ein größeres Projekt sein. Die zwei größten Seehäfen der USA, Los Angeles und Long Beach, suchen nach einer umweltfreundlichen Lösung, um Waren in ein 30 Kilometer vom Meer entferntes Logistikzentrum zu transportieren. Auf der Strecke finden pro Tag 70.000 LKW-Fahrten statt. Diese könnten künftig zumindest teilweise elektrisch fahren.

Ergebnisse soll es 2016 gebenErste Ergebnisse des Tests sollen laut Siemens bis 2016 vorliegen. Die Ingenieure aus München sind aber jetzt schon überzeugt, dass ihr System besser ist, als eine andere Idee Straßen zu elektrifizieren: Nämlich mit Stromkabeln im Boden, die Fahrzeuge per Induktion (also durch die Luft) mit Energie versorgen. Für LKW sei die Power solcher System schlicht zu gering, heißt es bei Siemens.

Dass es ganz anders geht, wollen die schwedischen Tüftler des Startups Elways beweisen. Auch sie haben vor, Autobahnen zu elektrifizieren. Ihr Vorbild sind aber eher Carrera-Bahnen; die Autos hängen nämlich mit einem Kabel in der Straße. Eine massentaugliche Lösung? Wer weiß. Immerhin waren erste Tests des Systems erfolgreich, wie dieses Video zeigt:

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