Wegen Überkapazitäten: China Kohlemeiler verbrennen über 100 Milliarden Euro

Wegen Überkapazitäten: China Kohlemeiler verbrennen über 100 Milliarden Euro

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Das Kohlekraftwerk Fuxin, im Nordosten Chinas.

von Lea Deuber

China hat zu viele Kraftwerke geplant - das kommt das Land nun teuer zu stehen, denn die Erneuerbaren sind sauberer und teilweise billiger.

Chinas Wirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten immer nur gewachsen. Und so auch sein Hunger auf Energie. Doch mit der sich abkühlenden Konjunktur sinkt der Bedarf. Laut Greenpeace Ostasien ist der Bedarf nach Kohlekraft in der ersten Hälfte des Jahres bis Mai um vier Prozent zurückgegangen.

Der Strombedarf könnte langfristig durch erneuerbare Energie und nicht-fossile Energien gedeckt werden. Doch in den vergangenen Jahren haben sich gewaltige Überkapazitäten im Kohleenergie-Sektor angestaut. Laut einer Untersuchung von Greenpeace Ostasien wird das Land dadurch bis 2020 umgerechnet rund 135 Milliarden Euro verlieren.

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Die chinesische Regierung versucht zwar, gegen die Überkapazitäten in den verschiedenen Industrien wie der Stahl-, Zement- und auch der Kohleindustrie anzugehen. Damit sind aber auch andere Risiken verbunden. Der Ausbau der Staatsunternehmen wurde auf Pump und durch billiges Geld der Staatsbanken finanziert. Eine Pleite könnte das ganze Finanzsystem ins Wanken bringen. Dazu müssten viele Unternehmen gesundgeschrumpft oder ganz geschlossen werden. Mindestens zwei Millionen Menschen würden allein in der Stahl- und Kohleindustrie ihren Job verlieren. Für die chinesische Regierung ein unkalkulierbares Risiko.

Zu viele Kohlemeiler in Planung

China hat aber noch so viele Kohlekraftwerke geplant, dass das Land bis 2020 jede Woche ein Kraftwerk eröffnen könnte. Allein im Mai und Juni dieses Jahres wurden laut Greenpeace in zehn Provinzen des Landes zwei neue Werke pro Woche angefangen zu bauen. Sollte der Trend so weiter gehen, wird die Überkapazität bis 2020 auf rund 400.000 Megawatt anwachsen.

Greenpeace fürchtet zudem, dass die Überkapazität sich auch auf den Ausbau der erneuerbaren Energien auswirkt. "Die Überkapazitäten haben eine enorme Bremswirkung in der nationalen Energiewende", glaubt Greenpeace-Energieexperte Lauri Myllyvirta. Er appelliert an die chinesische Regierung, weiterhin keine neuen Genehmigungen für Kohlekraftwerke auszustellen.

Myllyvirta hält es nicht für realistisch, dass bereits begonnene Projekte gestoppt werden können. "Aber weil bereits so viele neue Kraftwerke im Bau sind, müssen mehr alte Werke geschlossen werden", sagt er.

China ist der größte Kohlenstoffdioxidemittent weltweit. 2015 verursachte das Land 28 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Zweitgrößter Emittent sind die USA mit rund 16 Prozent. In einer Studie der Pekinger Universität zur Erderwärmung fanden die Wissenschaftler heraus, dass China seit 1750 bis 2010 mit acht bis zwölf Prozent zur Erderwärmung beigetragen habe.

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