Weinanbau: Wie der Klimawandel den Reben zusetzt

Weinanbau: Wie der Klimawandel den Reben zusetzt

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Überflutete Weinberge in Forestville, Kalifornien

von Dieter Dürand

Erstmals erstellen Forscher einen globalen Risikoindex für Weinregionen. Wichtigste Erkenntnis: Zunehmende Extremwetter mit Sturm und Hagel kosten die Winzer Milliarden Dollar.

Den Winzern in den Weinanbaugebieten im Nordwesten Sloweniens war in den vergangenen Tagen nicht zum Lachen zumute. Eine Kältewelle spät im April, die ganz Osteuropa überzog, ließ die frischen Triebe an ihren Rebstöcken erfrieren. Schon jetzt müssen die Weinbauern mit großen Ernteausfällen rechnen. 

Bisher gab es allenfalls Schätzungen, in welchem Ausmaß Klimawandel und Naturkatastrophen der weltweiten Weinindustrie schaden - durch Produktionsausfälle, zerstörte Rebstöcke und entgangene Gewinne. Jetzt hat es James Daniell vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit Wissenschaftlern aus aller Welt  in einer Studie erstmals genau ermittelt.

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7500 Weinbaugebiete in 131 Ländern, von Frankreich über Chile und Südafrika bis Australien, flossen in die Berechnung ein. Das Ergebnis: Zuletzt gingen den Winzern rund um den Globus mehr als zehn Milliarden Dollar im Jahr verloren. Nicht wenige bringen Ernteausfälle und zerstörte Weinberge in Existenznot.

Die größten Weinländer der Welt

  • Rang 1

    Italien      

    Produktionsmenge: 4,9 Milliarden Liter

  • Rang 2

    Frankreich

    Produktionsmenge: 4,2 Milliarden Liter

  • Rang 3

    Spanien

    Produktionsmenge: 3,8 Milliarden Liter

  • Rang 4

    USA

    Produktionsmenge: 2,25 Milliarden Liter

  • Rang 5

    Australien

    Produktionsmenge: 1,25 Milliarden Liter

  • Quelle

    Organisation Internationale de la Vigne et du Vin/OIV

    Stand: 2016

Vor allem die Zunahme von Extremwettern infolge der Erderwärmung treibt Risiken und Schäden in die Höhe. In Europa waren Frankreich und Italien besonders betroffen, berichtet Daniell. In den Weinbauregionen Burgund und Piemont habe Hagel von 2012 bis 2016 in einigen Weinbergen mehr als die Hälfte der erwarteten Ernte zerstört. Der Experte empfiehlt zumindest den Anbauern von Premiumsorten Hagelnetze anzuschaffen. „Sie können selbst bei einem extremen Hagelsturm in den meisten Fällen die Ernte retten.“ 

Die Risiken für die Winzer, zu denen auch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen und Vulkanausbrüche gehören, sind allerdings sehr ungleich verteilt. Das zeigt der globale Risikoindex der Forscher. Die fünf am meisten gefährdeten Regionen liegen im Argentinien, Georgien, Moldawien, Slowenien, Ecuador und Japan. „Aber es gibt kein Weinanbaugebiet, das nicht bedroht ist“, betont Daniell. Zu den Gefahren zählt auch die Ausbreitung neuer Schädlinge, wenn es auf der Erde wärmer wird. So macht in den südlichen Regionen Deutschlands die aus Asien über Italien eingeschleppte Kirschessigfliege den Winzern schwer zu schaffen. Es fehlt an kalten Wintern, um die Schädlinge zu stoppen. 

Der Klimawandel hat aber nicht nur negative Auswirkungen. Zwar gehen laut der Studie entlang des Äquators einige Weinregionen verloren. Dafür entstehen jedoch zum Beispiel in England, Kanada und Nordchina neue Weingegenden, in denen Produktion und Qualität deutlich steigen wird, prognostiziert Daniell. Und in Deutschland könnten dann Rotwein-Rebsorten gedeihen, die bisher nur in Frankreich, Italien und Spanien heimisch waren. 

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