Weniger Essen in den Müll: Engländerin entwickelt "Ablaufdatum" zum Anfassen

Weniger Essen in den Müll: Engländerin entwickelt "Ablaufdatum" zum Anfassen

von Lea Deuber

Verbraucher schmeißen Lebensmittel weg, nur weil sie das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben. Das soll sich ändern.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln ist seit Jahren ein Streitpunkt in der Politik. Denn auch nach dem von Herstellern festgelegten Ablaufdatum können Lebensmittel häufig noch verzehrt werden. Verbraucher schmeißen sie dennoch in den Müll.

Laut der Verbraucherzentrale NRW werden allein in Deutschland circa elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr weggeworfen. Obst, Fleisch und Milchprodukte im Wert von rund 25 Milliarden Euro landen damit jährlich in den Mülltonnen.

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Sticker altert mit dem ProduktSolveiga Pakstaite will das nun zumindest für tierische Produkte ändern. Die 22-jährige Engländerin hat mit ihrem Unternehmen Design by Sol einen Aufkleber entwickelt, der Verbrauchern zeigen soll, wann ein Lebensmittel wirklich verdorben ist.

Der Aufkleber enthält eine Gelatine, die als Protein genauso schnell verdirbt wie auf protein-basierende Lebensmittel wie Fleisch, Milch- und Käseprodukte.

Der Aufkleber, Bump Mark genannt, wird einfach auf die Verpackung geklebt. Ist das Lebensmittel schlecht, verflüssigt sich die Gelatine und der Verbraucher spürt kleine Erhebungen (bumps) auf dem Boden des Aufklebers. Dieser „verdirbt“ also genauso schnell, wie das Lebensmittel in der Verpackung und ist deshalb sehr exakt.

Das Gelatine-Label soll bei Fleisch- und Milchprodukten sowie Fisch und Fruchtsäften verwendbar sein. Da das Protein ein Abfallprodukt der Fleischherstellung ist, ist es zudem günstig.

Ein Drittel aller Lebensmittel landen im AbfallLaut der Vereinten Nationen und dem World Resources Institute gelangen ein Drittel aller erzeugten Lebensmittel weltweit nie auf die Teller der Verbraucher. Ein Teil davon landet wohl auch wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums im Müll. „Ich wollte immer etwas dagegen tun”, sagt Pakstaite. Sie sei in einer Familie groß gezogen worden, die keine Lebensmittel verschwendete.

„An der Universität sah ich, wie meine Kommilitonen ihre Lebensmittel nur wegwarfen, weil es so auf der Verpackung stand“, sagt sie. Ihr sei dadurch klar geworden, wie groß das Problem sei: „Und das wir eine einfache Lösung dafür brauchen.”

Die 22-Jährige hat eigentlich Industriedesign an der Londoner Brunel Universität studiert – und nicht Chemie oder Biologie. „Das musste ich mir eben aneignen“, sagt sie. Die Idee für den Aufkleber hatte Pakstaite, als sie nach einer Lösung für blinde Menschen suchte, die das Ablaufdatum auf Verpackungen nicht lesen können. „Dann ist mir klar geworden, dass diese Erfindung jedem helfen kann.“

Derzeit beginnt sie in Kooperation mit einem britischen Händler, ihre Erfindung sechs Monate auf Produkten in englischen Supermärkten zu testen. Mittlerweile haben aber auch andere Unternehmen wie Coca-Cola bei ihr angeklopft.

Angst, dass ihre Idee gestohlen wird, hat sie keine. „Ich bin kein Verkäufer oder Geschäftsmann“, sagt sie. Sollte jemand ihre Idee übernehmen wollen, umso besser: „Dann bin ich einfach wieder nur Designer.“

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