Wheelys: Das mobile Solar-Café, mit dem sich Kaffee anbauen lässt

Wheelys: Das mobile Solar-Café, mit dem sich Kaffee anbauen lässt

von Lisa Hegemann

Aus Skandinavien kommt eine Café-Kette auf zwei Rädern - und will den Großen wie Starbucks den Kampf ansagen.

In den CSR-Berichten der großen Kaffeeketten haben Nachhaltigkeit und Klimaschutz längst ihren Platz gefunden. Die kleine skandinavische Denkfabrik Nordic Society For Invention and Discovery (NSID) fährt mit ihrem Solar-Café Wheelys einen noch alternativeren Ansatz. Wheelys ist nämlich ein kleiner Kaffeestand in Fahrradform, mit Solardach.

Es soll ein Geschäftsmodell entgegen der vielen Filialen der großen Kaffeeketten darstellen: Der Betreiber des Cafés zahlt nämlich nur einmalig für das Gefährt, danach gehöre ihm der ganze Profit, verspricht Wheelys. Anders als bei Franchisemodellen müsse er keine Miete zahlen oder Teile des Gewinns abgeben.

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Nachdem die ersten beiden Modelle bereits in 24 Ländern Anklang fanden, kommt das mobile Solar-Café nun in der dritten Version auf den Markt. Im einfachsten Modell sind die Cafés auf Rädern mit drei Herdplatten, fließend Wasser durch einen Tank, einer Kühlbox für Milch und einem elektrischen Antrieb ausgestattet. Über das Solardach kann nicht nur die Batterie des Fahrrads aufgeladen werden, die Cafébetreiber stellen den Strom auch ihren Kunden zur Verfügung, damit sie etwa ihr Smartphone aufladen können. Leider erwähnt Wheelys nicht, ob mit dem Solardach auch die Herdplatten betrieben werden.

Ein Gewächshaus für Kaffee und KundenakquiseIn der extravaganten Variante von Wheelys – die NSID nennt sie „Science Station“, das bedeutet so viel wie Wissenschaftsstation – kommt ein Gewächshaus hinzu, in dem die Cafébetreiber ihren eigenen Kaffee anbauen können. Immerhin 100 Gramm Kaffee könnten hier wachsen und gedeihen, heißt es dazu in einem Video. „Es ist eine Methode, um an Kaffee zu gelangen, aber es ist auch eine Methode, um an Kunden zu gelangen“, wirbt die NSID in einer laufenden Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo. Dass damit allerdings kaum der Kaffeebedarf der Kunden für einen ganzen Tag werden kann, erwähnt sie allerdings nicht.

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Mit einer App kann der Kaffeeverkäufer zudem die Temperatur seiner Kaffeekannen steuern. Ob das den Preis von knapp 7000 Dollar für die erweiterte Wheelys-Version rechtfertigt, bleibt eine andere Frage.

Die grünen Kaffeefahrräder sind schon in der einfachsten Version mit einem Preis ab 3900 Dollar nicht gerade günstig, doch die Idee stößt auf großes Interesse. Binnen 13 Tagen hat Wheelys auf Indiegogo mehr als 225.000 Dollar eingenommen und damit die veranschlagten 50.000 Dollar deutlich übertroffen. Den Rekord von 169.000 Dollar aus der vorherigen Kampagne brach das Solar-Café in der dritten Version schon nach einer Woche.

Das kleine Solar-Café gegen das große StarbucksMöglicherweise hilft das Image beim Verkauf: Wheelys positioniert sich mit seiner Idee klar gegen große Kaffeeketten wie Starbucks, die zwar auf Klimaschutzversprechen und fair gehandelte Kaffeebohnen setzen, allerdings nicht immer den Ansprüchen der Nachhaltigkeit genügen. „Während andere Franchise-Firmen erst jetzt realisieren, dass ihren Kunden die Umwelt wichtig ist, und ihre Dieselmotoren nun verzweifelt auf importiertes Kokosnussöl oder ähnlich Merkwürdiges umstellen, sind Wheelys Cafés auf RÄDERN!“, schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite.

Die Macher des grünen Cafés bemängeln auch die hohen Kosten für die Eröffnung einer Starbucks-Filiale („hunderte Tausend Dollar“). „Ich bin hier in San Francisco, um die ganzen Seelöwen mit den Rechnungen zu füttern, die ich nicht bezahlen muss, weil ich keine Starbucks-Filiale führe“, lästert Maria de la Croix, die Geschäftsführerin von Wheelys, in einem Werbefilm für das Solar-Café.

Zwar ist das mobile Café der NSID deutlich günstiger. Gemessen an der Anzahl seiner Cafés kann es Wheelys mit den großen Ketten bisher aber noch nicht aufnehmen. Insgesamt hat die NSID gerade einmal 25 Solar-Cafés über ihre Crowdfunding-Kampagne verkauft – nur eines davon in der deutlich teuren Version mit Gewächshaus. Bis Wheelys fairen Kaffee aus eigenem Anbau auf der ganzen Welt anbietet, dürfte es also noch dauern.

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