Windmühle für Dächer: Erobert dieses Minikraftwerk demnächst die Städte?

Windmühle für Dächer: Erobert dieses Minikraftwerk demnächst die Städte?

von Wolfgang Kempkens

Ein Ingenieur aus Rotterdam will mit einem ungewöhnlichen Design Kleinwindmühlen zum Durchbruch verhelfen.

Bisher sind Windmühlen in Städten die Ausnahme. Aus einem einfachen Grund: Sie sind zu klobig und zu groß für den Einsatz in den Metropolen. Das könnte sich mit einer Entwicklung aus den Niederlanden aber jetzt ändern.

Richard Ruijtenbeek, ein Ingenieur aus Rotterdam, hat sich von der Natur und den Rechenkünsten des großen griechischen Mathematikers Archimedes inspirieren lassen, der im dritten Jahrhundert vor Christi Geburt lebte. Herausgekommen ist die wohl effektivste Kleinwindmühle der Welt.

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Günstig und effektivDie Liam F1 Urban Wind Turbine wandelt rund 50 Prozent der Energie, die im Wind steckt, in Strom um. Pro Jahr ergibt das in den Niederlanden je nach Standort 300 bis 2500 Kilowattstunden, weil das Windangebot extrem schwankt.

Ruijtenbeek, Chefentwickler der Forschungs- und Entwicklungsgesellschaft „The Archimedes“, tourt derzeit auf Messen um die Welt, um seine Technik vorzustellen und populär zu machen. Bei einem Preis von 4000 Euro netto könnte das durchaus gelingen.

Elf Jahre lang hat das Team an der Optimierung der Mühle gearbeitet. Hauptziele waren ein hoher Wirkungsgrad und ein flüsterleiser Lauf. Keines dieser Kriterien erfüllen die Kleinwindmühlen, die derzeit angeboten, wie Ruijtenbeek meint. Deshalb würden sie nur selten gekauft.

Vorbild Nautilus-MuschelLiam F1 hat eine Leistung von 1,5 Kilowatt, die sie laut Ruijtenbeek bei einer Windgeschwindigkeit von fünfzehn Metern pro Sekunde liefert (die genauen technischen Daten gibt es hier). Mit 45 Dezibel ist sie leiser als das Trommeln von Regentropfen auf einem Blätterdach.

Das Design der Mühle erinnert an eine Nautilus-Muschel, deren gewundene Gänge in einzelne Kammern unterteilt sind. Der Meeresbewohner regelt damit seinen Auftrieb. Die Rotterdamer Entwickler verfeinerten die Form nach den Regeln des Goldenen Schnitts, den bereits Archimedes kannte, und einigen seiner mathematischen Erkenntnisse. Der Goldene Schnitt ist ein spezielles Teilungsverhältnis, das in Kunst und Technik für höchste Harmonie sorgt.

Die Mühle besteht aus faserverstärktem Kunststoff, der nach Kundenwunsch eingefärbt ist. Sie wiegt einschließlich Generator lediglich 75 Kilogramm und hat einen Durchmesser von 1,5 Meter.

Die Hersteller empfehlen, sie in einer Höhe von mindestens zehn Metern anzubringen, auf einem Hausdach etwa. In Kombination mit Solarzellen können Hausbesitzer mit der Liam nahezu ihren gesamten Strombedarf aus Wind und Sonne decken. In Verbindung mit einer Pufferbatterie sind sie sogar komplett autark.

Bisher hat Archimedes rund 7000 Mühlen in 14 Länder verkauft, meist nach der Präsentation auf Messen in Rotterdam, Barcelona und Seoul, der südkoreanischen Hauptstadt.

Ob das Kleinkraftwerk billiger als der Strom aus der Steckdose ist, hängt freilich vom Standort ab. Bei einer jährlichen Ausbeute von 1000 Kilowattstunden und einem Strompreis von 26 Cent pro Kilowattstunde beim Energieversorger muss die Mühle rund 15 Jahre lang laufen, bevor der Besitzer mit ihr Geld spart.

Nachtrag: Tatsächlich werden nicht 80 Prozent der Energie, die im Wind steckt, in elektrische Energie umgewandelt, sondern 80 Prozent dessen, was überhaupt nutzbar ist. Es dürften also rund 50 Prozent sein. Danke an die Leser für den Hinweis auf die missverständliche Formulierung. Die 1,5 Kilowatt liefert die Anlage bei einer Windgeschwindigkeit von 15 Metern pro Sekunde und nicht von fünf Metern, wie in einer früheren Version des Textes beschrieben.

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