Wirtschaft: Unternehmen entdecken den grünen Lobbyismus

Wirtschaft: Unternehmen entdecken den grünen Lobbyismus

von Felix Ehrenfried

Konzerne wie Ikea und GM erkennen: Eine grüne Produktion spart Geld. Nun fordern sie auch noch mehr Klimaschutz. Warum?

General Motors (GM), nach Toyota der zweitgrößte Autobauer weltweit, hat kürzlich eine Petition unterzeichnet, die strengere Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert. Die Kampagne wurde schon von zahlreichen anderen, global operierenden, Konzernen wie IKEA oder Starbucks unterschrieben. GM ist allerdings der erste Autobauer, der seine Geschäftspraktiken zur Vermeidung des Klimawandels anpassen will.

Die Petition wurde von der Agentur Business for Innovative Climate & Energy Policy (BICEP) organisiert. In dem Schreiben heißt es: „Wenn wir es richtig machen, indem wir Geld sparen, weil wir weniger Elektrizität verbrauchen, effizientere Autos fahren, saubere Energie wählen, neue Technologien schneller als andere Ländern entwickeln und neue Jobs in unserer Heimat schaffen, werden wir unseren Lebensstandard aufrecht erhalten können und eine echte Supermacht in unserer, vom Wettbewerb geprägten, Welt bleiben.“

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Es geht also nicht um Klimaschutz aus gutem Gewissen, sondern um handfeste Interessen. Die Unternehmen sehen in ihren Bestrebungen, ökologischer zu arbeiten, einen echten Wettbewerbsvorteil. Die Beispiele Unilever, Procter & Gamble und eben auch GM zeigen, dass durch umweltfreundlichere Produktionsmethoden, umfangreiches Recycling (siehe Aufmacherbild) und energiesparende Maßnahmen am Ende auch bares Geld eingespart wird. Bei GM und Procter & Gamble zum Beispiel liegen diese Einsparungen bei jeweils rund einer Milliarde US Dollar (rund 773 Millionen Euro).

Das Schreiben fordert die US-Regierung also auf, mehr für den Klimaschutz zu tun, um so in Zukunft der USA einen globalen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten. Und noch ein anderer Gedanke steckt dahinter: Sobald konkrete Vorschriften erlassen werden, haben die Klimaschutzvorreiter gegenüber der schmutzigen Konkurrenz einen Vorteil - denn sie haben den nötigen Umbau im Unternehmen schon erfolgreich geschafft.

USA sollen Vorreiter in grüner Produktion werdenUnd es gibt noch einen dritten Grund für den grünen Lobbyismus: Der Schritt von GM, dieses Schreiben zu unterzeichen, dürfte auch aufgrund einer positiveren öffentlichen Wahrnehmung gewählt worden sein. Vor rund einem Jahr war der Autobauer in die Kritik geraten als bekannt wurde, dass GM das Heartland Institute mit einer Geldspende unterstützt hatte. Das Institut ist eine konservative Denkfabrik und ist seit Jahren für seine klimaskeptische Haltung bekannt. Es bestreitet also den Einfluss von menschlichem Handeln auf den Klimawandel. Aufgrund einer Unterschriftenaktion von mehreren zehntausend US-Bürgern stoppte GM schließlich die Zahlung an das Institut. Wie ehrlich die aktuelle Kampagne gemeint ist, bleibt also abzuwarten.

Auch in Deutschland gibt es ähnliche Initiativen, wie Klimaschutz Unternehmen oder die Stiftung 2 Grad. Jedoch sind beide verhältnismäßig klein und haben dementsprechend wenig Möglichkeiten der Einflussnahme. Auch wenn sich den Initiativen namhafte Unternehmen, wie die Deutsche Bahn oder die Otto Group angeschlossen haben, scheint es an Durchsetzungsfähigkeit zu fehlen.

Dass die ökologische Produktion auch unternehmerisch Sinn machen kann, ist durchaus hierzulande schon angekommen - dass man dafür auch "positive Lobbyarbeit" machen kann, eher nicht. Das aber sollten zunehmend auch deutsche Unternehmen berücksichtigen und ihren politischen Einfluss nutzen, um eine Wende in der gesamten deutschen Wirtschaft, hin zu mehr "ökologischer Effizienz" durchzusetzen. Die deutschen Autobauer zeigen gerade wieder das Gegenteil, indem sie strengere Abgasrichtlinien in Brüssel torpedieren. GM scheint da schon weiter zu sein.

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