WWF-Studie: Keine Alternative zu Palmöl in Sicht

WWF-Studie: Keine Alternative zu Palmöl in Sicht

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Fast die Hälfte des in der EU verbrauchten Palmöls landet in den Tanks von Autos und Lastwagen. (Foto: Franziska Kraufmann/dpa)

1,8 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht alleine Deutschland jährlich. Das ändert sich nur, wenn die Konsumenten bewusster einkaufen, sagt nun der WWF.

Immer wieder Diskussionen ums Palmöl - wie vor Jahren beim Soja gibt es auch hier das Problem, dass der Regenwald für Anbauflächen gerodet wird. Oder dass zumindest andere Flächen großzügig auf den Anbau von Ölpalmen umgestellt werden.

Nur: Eine Alternative ist nicht in Sicht. Das ist das Ergebnis einer heute von der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) veröffentlichten Studie. Auch für Kokos-, Soja- und Rapsöl brauchte man neue Anbauflächen - und zwar weitaus größere als bisher.

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So würde noch mehr Regenwald verloren gehen und nebenbei die CO2-Emissionen steigen, da das Treibhausgas Kohlendioxid in den Pflanzen gebunden ist. Auch für die dort lebenden Tiere und die biologische Vielfalt ist das ein Problem.

Die Ergebnisse, die die Beratungsfirma Agripol zusammengestellt hat, zeigen laut WWF-Studienleiterin Ilka Petersen: "Der simple Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle löst die Probleme nicht, sondern kann sie sogar verschlimmern."

Es führe daher "kein Weg daran vorbei, den Anbau von Ölpflanzen ausnahmslos umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten", sagte Petersen heute in Berlin. Zugleich müssten die Konsumenten ihr Verhalten ändern: Weniger Fertiggerichte, Eiscreme, Schokolade, Süß- und Knabberwaren führe auch zu einem geringen Verbrauch. Palmöl dürfe auch nicht mehr in Biokraftstoffen verwendet werden, forderte sie.

Hoher Palmölverbrauch auch in Deutschland

In Deutschland werden nach der WWF-Studie jährlich rund 1,8 Millionen Tonnen Palmöl verbraucht. Davon gingen 41 Prozent in Biodiesel und 40 Prozent in Nahrungs- und Futtermittel. Weitere 17 Prozent werden den Angaben zufolge von der Industrie für Reinigungsmittel, Kosmetika und Pharmaprodukte verwendet.

So beliebt ist Palmöl wegen seines geringen Flächenbedarfs. Pro Hektar und Jahr werden aus der Palme im Durchschnitt 3,7 Tonnen Öl gewonnen. Bei Raps sind es lediglich 1,3 Tonnen, bei der Sonnenblume 0,9 Tonnen und bei der Kokosnuss 0,8 Tonnen. Kein anderes Pflanzenöl ist günstiger, die Tonne kostet etwa 600 Euro.

Die sich ausbreitende Palmöl-Produktion wird auch ein Thema auf dem Weltnaturschutzkongress sein, der Anfang September auf Hawaii stattfindet. Erst kürzlich hatte die Weltnaturschutzunion IUCN Borneo-Orang-Utans auf ihrer Roten Liste als "vom Aussterben bedroht" eingestuft. Ein wichtiger Grund für die Entwicklung ist den Naturschützern zufolge das Abholzen der Wälder für Palmöl-Plantagen - denn damit wird der Lebensraum dieser Menschenaffen zerstört.

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Aus dem Fruchtfleisch der Palmölfrucht wird Öl gepresst, aus dem Kern separat das noch wertvollere Palmkernöl. Der Anbau ist allerdings umstritten.

Wer künftig weitgehend auf Palmöl verzichten will, kann dies zumindest in Supermarkt und Drogerie ohne großen Aufwand tun: Palmöl muss mit den Inhaltsstoffen angegeben werden. Es gibt auch Smartphone-Apps, die anzeigen, ob ein Shampoo oder eine Tiefkühlpizza Palmöl enthalten.

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