Zeitungen: Solarbetriebener E-Reader ersetzt Papier

Zeitungen: Solarbetriebener E-Reader ersetzt Papier

von Andreas Menn

Die Zukunft der Zeitung? 300 Leser einer finnischen Tageszeitung testen ein neues Lesegerät, das dank Solarzellen nie mehr an die Steckdose muss.

Es ist ein alter Traum: Eine Zeitung aus einem dünnen elektronischen Papier, das auf Kopfdruck die neue Ausgabe aus dem Internet lädt, nie zum Laden an die Steckdose muss und bequem in jede Aktentasche passt. Der Leser müsste morgens nicht mehr zum Briefkasten marschieren - und die Zeitung von gestern würde nicht mehr die Altpapiertonne mit Abfall füllen.

Das finnische Startup Leia Media will diesen  Traum jetzt wahr machen. Es hat einen E-Reader entwickelt, ein elektronisches Buch also, das besonders dünn und leicht ist - und das seinen Strom vollständig aus einer eingebauten Solarzelle gewinnt. Wenn es nach den Finnen geht, soll die Technik schon bald die Zeitung aus Papier ersetzen. "Wir wollen das Zeitunglesen so bequem wie möglich machen", sagt Marketing-Chef Janne Kaijärvi von Leia Media.

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Auf den ersten Blick ähnelt die digitale Zeitung der Finnen herkömmlichen elektronischen Lesegeräten wie dem Kindle Paperwhite von Amazon. So wie der Kindle nutzt es für den Bildschirm die Technologie des US-Herstellers E Ink, auch elektronische Tinte genannt. Der Vorteil: Das Display verbraucht nur Strom, wenn sich das Bild ändert. Dadurch lassen sich Lesegeräte wochenlang nutzen, ohne Strom zu tanken. Zudem lassen sich E Ink-Bildschirme auch bei Sonnenlicht noch sehr gut lesen, während auf heutigen Tablets der Bildschirminhalt bei Sonnenschein oft kaum noch zu erkennen ist.

Das Leia ePaper soll nun aber mehrere weitere Vorteile bieten: Mit sechs Millimetern soll es der dünnste E-Reader der Welt sein, drei Millimeter flacher etwa als der Kindle. Zudem kann das Display auch Farben darstellen, so dass es für das Lesen von Zeitungen und Magazine mit vielen Fotos interessant wird.

Vor allem aber ist auf der Rückseite des Geräts eine Solarzelle eingebaut, die die elektronische Zeitung völlig unabhängig von externen Stromquellen macht. Die Nutzungsdauer wird damit praktisch unendlich. Sogar bei Kunstlicht soll das Gerät genug Strom erzeugen, um stets einen gefüllten Akku zu haben. "Gerade in Finnland müssen wir im Winter mit wenig Tageslicht auskommen", sagt Kaijärvi. "Wir testen das Gerät aber auch in einer Schulklasse in Tansania, wo oft die Sonne scheint, es aber wenig Stromleitungen gibt."

Gemessen am Energie- und Ressourcen-Verbrauch bei Herstellung, Vertrieb und Nutzung kann ein E-Reader umweltfreundlicher sein als Papier, wenn man 40 Bücher mit ihm liest.

Das Display der Zukunft lässt sich zusammenrollenNutzertests sollen nun zeigen, welches Potential das Gerät für Zeitungen und Magazine hat: Im Januar werden 300 Leser der auflagenstärksten finnischen Tageszeitung, Helsingin Sanomat, den eReader einen Monat lang ausprobieren. Via Wlan wird die jeweils neue Ausgabe automatisch aus dem Internet geladen. Eine Mobilfunkverbindung hat das Gerät dagegen nicht.

Der Test dürfte zeigen, wie nutzerfreundlich das Gerät im Vergleich zur Zeitung aus Papier wirklich ist. Ein besonders schlagendes Argument haben die Entwickler auf ihrer Seite - den Preis: Nur 40 Euro soll das solarbetriebene Lesegerät samt Server-Infrastruktur die Verleger pro Jahr kosten. Bei dem Preis könnten es Zeitungen auch an ihre Leser verschenken - schließlich sparen sie sich gegenüber der Papierversion langfristig Druck- und Vertriebskosten.

Hochglanz-Magazine dürfte der E-Reader dagegen bislang noch nicht ersetzen. Denn die bunten Triton-Bildschirme von E Ink stellen nur 4096 Farben dar - zu wenig, um Fotos wirklich brillant darzustellen. Immerhin: Die Technik entwickelt sich derzeit zügig weiter. Im April will Leia Media bereits ein Gerät testen, das einen Touchscreen eingebaut hat und nur noch vier Millimeter dünn ist. Und Ende 2014 sollen die Maße noch einmal schrumpfen auf nur noch drei Millimeter, das Gewicht soll auf unter 300 Gramm sinken.

Obendrein denken die Finnen bereits weiter: Während der Bildschirm des aktuellen E-Readers noch aus Glas ist, sollen künftige Geräte aus biegsamem Plastik bestehen, das sich zusammenrollen lässt. An der Technik arbeitet etwa das Dresdner Display-Unternehmen Plastic Logic.

Das Gewicht des Readers betrüge dann nur noch 120 Gramm - das wäre fast um die Hälfte leichter als den Kindle (220 Gramm). Damit fiele er unterwegs kaum noch ins Gewicht. Sollte so ein Gerät tatsächlich auf den Markt kommen, dann ließe sich auch die elektronische Zeitung in die Manteltasche stecken - oder gar bei dem beliebten Kinderspiel namens Zeitungsschlagen einsetzen.

Korrektur: In der ersten Version des Artikel hieß es, das Gewichts des eReaders betrüge nur 120 Gramm. Diese Angabe bezieht sich allerdings auf eine möglich künftige Version aus biegsamem Plastik. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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