Ziemlich intelligent: Smartphone-Hülle untersucht Trinkwasser - und reinigt es

Ziemlich intelligent: Smartphone-Hülle untersucht Trinkwasser - und reinigt es

von Robyn Schmidt

Eine neue Smartphone-Hülle scannt Flüssigkeiten auf Schadstoffe und tötet diese mit UV-Licht ab.

Die Smartphone-Hülle ist mittlerweile auch eine Frage des Stils. Ein Plastik-Cover mit einem motivierenden Spruch, das elegante Lederetui oder komplett hüllenlos: Die Auswahl ist groß und hineindeuten lässt sich viel.

Bhaskar Mitra von der Universität in Kopenhagen hat jetzt eine Smartphone-Hülle entwickelt, die in Stilfragen kaum mithalten kann, aber extrem nützlich ist: Mitras Hülle überprüft nämlich - mit Hilfe einer App - Wasser und andere Substanzen auf schädliche Stoffe und kann diese sogar teilweise entfernen.

Anzeige

Der 24-jährigen Lebensmittelwissenschaftler hat ein Smartphone-Cover mit UV-Lampe und Filtern für Linse und Lampe entwickelt. So wird die Handykamera unter den richtigen Umständen zum Scanner für die Dinge, die nicht im Wasser sein sollten. Sie erkennt Glassplitter, Sand und gefährliche Mikroorganismen wie Cholera- oder Listeriabakterien. Mit der UV-Lampe kann man diese Organismen dann abtöten. Ein zweiter Scan soll den Erfolg dieser Behandlung sichtbar machen.

Die Hülle hat noch einige ProblemeMit UV-Licht Bakterien abzutöten ist keine Neuheit. Die Herausforderung war, die Technik in geringer Größe umzusetzen, sie in die Hülle einzubauen und die App zu entwickeln. Und die Hülle hat noch einen weiteren Vorteil: Sie ist solarbetrieben und dient gleichzeitig auch als alternatives Ladegerät für das Handy. Ein Jahr lang hat Mitra zu Hause am Prototyp gebastelt und ihn jetzt schließlich vorgestellt.

Die Erfindung hat momentan allerdings noch einige größere Haken. Zum einen muss man die Flüssigkeit im Dunkeln testen, zum anderen tötet das UV-Licht nur die Bakterien an der Oberfläche ab. Es ist also extrem schwer, Wasser mit der Hülle komplett zu säubern. Hilfreich kann es aber beispielsweise bei Besteck sein, das mit verunreinigtem Wasser gewaschen wurde.

Wie viele der erreichbaren Bakterien es aber tatsächlich abtötet ist auch noch nicht ganz klar. "In einigen Fällen tötet es die Mikroorganismen definitiv ab", erklärt Mitra. "Es ist nur schwer einzuschätzen, wie viele. Es sorgt aber auf jeden Fall dafür, dass sie sich nicht weiter vermehren." Momentan testet er noch weiter, wie er die Hülle verbessern kann.

Interesse von norwegischem TelekommunikationsunternehmenWenn er es schafft, diese Probleme noch zu lösen, hat seine Erfindung auch eine Chance, sich am Markt durchzusetzen. Sein Ziel ist es, die Technologie vor allem in Entwicklungsländern zugänglich zu machen. Ganz oben auf seiner Liste steht Westbengalen, einer Region in Ostindien, aus der Mitra ursprünglich kommt. "Ich habe mir Sorgen um die Menschen bei mir zu Hause gemacht und hielt es deshalb für nötig, die Technologie zu entwickeln", sagt Mitra. "In Europa ist das Leitungswasser sicher zum Trinken, in Südasien nicht unbedingt. Es ist ein tägliches Problem für Millionen von Menschen."

In Indien möchte er ein Patent anmelden und hofft, dass seine Erfindung dort Fuß fasst. Kosten würde die Hülle dann vermutlich so um die 40 Euro, schätzt er. Angeblich hat schon das norwegische Telekommunikationsunternehmen Telenor Interesse gezeigt, das Projekt weiterzuentwickeln.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%