Zur Klimakonferenz: Open-Source-Treffen POC21 will grüne Innovationen schaffen

Zur Klimakonferenz: Open-Source-Treffen POC21 will grüne Innovationen schaffen

von Marius Hasenheit

Hunderte Bastler arbeiten zur UN-Klimakonferenz an der Zukunft.

Wenn Ende des Jahres in Paris die UN-Klimakonferenz COP21 stattfindet, dann verhandeln dort nicht nur Politiker um die Nachfolge des Kyotoprotokolls. Es reisen auch einige Kreative und Bastler in die französische Hauptstadt, die zeigen wollen, wie Ökologie und Ökonomie der Zukunft aussehen könnten.

Sie treffen sich auf der Proof Of Concept 21 (POC21) Allgemeines Thema: zukunftsfähige Gesellschaft und Wirtschaft. Konkret arbeiten etwa 100 Bastler, Designer, Ingenieure, Wissenschaftler und Jungunternehmer an Lösungen für unseren Ressourcenhunger, Emissionen und immer mehr Müll. Dazu haben sie sich etwa Ideen aus der Kreislaufwirtschaft, den nachhaltigen Energien und der Collaborative Economy angeschaut.

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Entstanden sind Ideen für eine extrem sparsame Dusche, einen Solargenerator oder ein Windrad, dessen Materialien nur 30 Dollar kosten. Und das Erstaunliche daran ist: An den Innovationen will kein Start-up verdienen, die Bastler stellen ihre Baupläne der Öffentlichkeit zur Verfügung. Sie sind Open-Source: Jeder kann die Pläne downloaden, umsetzen und weiterentwickeln.

Zwölf Projekte aus im Vorfeld eingereichten Ideen haben die Organisatoren der Plattformen QuiShare und OpenState schließlich ausgewählt, diese werden besonders im Fokus stehen. Drei davon haben wir uns einmal genauer angeschaut:

Showerloop - die Kreislauf-DuscheEin Sparwunder ist die Dusche showerloop des Projektteams looploop aus Finnland. Während eine normale Dusche in zehn Minuten bis zu 150 Liter Wasser und über drei Kilowattstunden verbraucht, sind es bei showerloop nur zehn Liter und 0,6 Kilowattstunden.

Das Energieersparnis der showerloop ist also enorm - mit dem gesparten Strom könnte man einen Laptop 100 Stunden lang aufladen. Möglich macht das eine konsequente Kreisführung des erwärmten Wassers: Nachdem dieses in den Abfluss läuft, wird es durch mehrere Filterstufen geführt und mit desinfizierenden UV-Strahlen bestrahlt. Das gereinigte Wasser ist laut looploop meist sogar sauberer als das normale Leitungswasser und kann dann sofort wieder als Duschwasser genutzt werden.

In diesem Video erklärt Jason Selvarajan von looploop die Dusche:https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=UAhOtC7YFAw

Die Kosten der Duschinstallation belaufen sich auf etwa 1.250 Euro. Diese Kosten sollen sich laut looploop (in diesem Fall mit den relativ niedrigen Wasser- und Energiekosten Finnlands) für eine vierköpfige Familie bereits nach zwei Jahren amortisieren.

SunZilla - das Sonnen-MonsterAuch ein Projekt aus Deutschland ist bei der POC21 vertreten. SunZilla aus Berlin überzeugte die Juroren mit ihrer Solaralternative zu gängigen Dieselgeneratoren. Die Idee kam ihnen durch ihr Engagement für Bootschaft e.V. Sie organisierten regelmäßig Kinoveranstaltungen auf einem Floß und benötigen dafür einen Generator.

Jede "Floßkino"-Vorführung schluckte fünf Liter Benzin, um den für den Beamer nötigen Strom zu erzeugen. Sie überlegten schon länger wie eine umweltfreundliche Alternative aussehen könnte und kamen auf die Sonnenenergie. Für den Einsatz am Floß muss die Solaranlage jedoch genauso kompakt und leistungsstark wie ein handelsüblicher Generator sein.

Die zweite Version des Solargenerators ähnelt nun ein wenig einem Satelliten und ist ein echter Hingucker auf den Festivals die das Team in diesem Sommer besucht. Seine Stärken dürfte der mobile, kompakte Solargenerator allerdings nicht bei westlichen Kulturevents ausspielen, sondern in ländlichen Regionen oder Katastrophengebieten, wo Strom oft Mangelware ist.

SolarFlower - die Windturbine für 30 US-DollarWir berichteten bereits über leistungsstarke Kleinwindanlagen, die sich nicht mehr im Erprobungsstadium befinden. Keine von ihnen ist aber auch nur ansatzweise so kostengünstig wie die der britischen Gruppe SolarFlower. Für nur 15 bis 30 Dollar lässt sich die kleine Windanlage aufbauen.

Zwei Bastler sollen die Anlage in nur sechs Stunden installieren können. Wie das gehen soll erklären sie Schritt für Schritt in ihrer Anleitung. Auch starke Windgeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern soll die Anlage für die Stromproduktion nutzen können.

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8oe6egO0YOc

Bei sechs Schaufelrädern, einem knappen Meter Durchmesser, einer Anlagenhöhe von etwa einem Meter und einem Generator mit einem Wirkungsgrad von 90 Prozent, soll die Anlage bei einer Windgeschwindigkeit von 30 Kilometer in der Stunde immerhin 135 Watt produzieren.

Klingt alles zu gut um wahr zu sein? Vorerst leider ja: Bis die Serienreife erreicht ist und die internationalen Märkte erobert werden können, müssen noch einige Bedingungen erfüllt, Details geändert und Probleme beseitigt werden. Da hilft nur eins: ausprobieren, verbessern und sich über neue Ideen austauschen. Die POC21 will dazu der richtige Ort werden.

 

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