Crowdfunding: Solaranlagen für alle

Crowdfunding: Solaranlagen für alle

von Jürgen Klöckner

In Deutschland sind erste Crowdfunding-Seiten gestartet, über die jeder Solaranlagen mitfinanzieren kann. Ist das die Zukunft der Energiewende?

In Ahrenshagen in Mecklenburg-Vorpommern steht ein Stück Solargeschichte. Auf 2000 Quadratmetern liegen hier Solarpanels Kante an Kante. Sie gehören keinem Energiekonzern, keiner Gemeinde und auch keinem Privatier, sondern 27 Investoren aus ganz Deutschland.

Insgesamt 23.000 Euro legten sie bei der Internetseite crowdener.gy zusammen, um die Anlage ihrem Besitzer abzukaufen. Viele kleine Beträge von möglichst vielen Personen finanzieren gemeinsam ein Projekt -  Crowdfunding nennt sich das, ein Novum für erneuerbare Energien.

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Bislang finanzieren sich so überwiegend Filme, Startups und auch Künstler. Auf der amerikanischen Seite Kickstarter kamen alleine im vergangenen Jahr 320 Millionen Dollar von zwei Millionen Menschen zusammen. Könnte so auch in Zukunft Geld für Solaranlagen zusammenkommen? Nachdem die Bundesregierung völlig unvermittelt 2012 die Einspeisevergütung zurückgestützt hat und nun über weitere Kürzungen nachdenkt, hat sich die Finanzierung deutlich erschwert. Auch weltweit werden die Subventionen zurückgefahren.

Peer Piske gilt als der deutsche Pionier des Solar-Crowdfundings. Er arbeitet seit Jahren in der Branche, bereiste die Welt für große Solarunternehmen und gründete Ende 2012 die Crowdfunding-Plattform crowdener.gy.

Ein guter Businessplan genügt nichtDas Prinzip ähnelt dem anderer Seiten. Die Nutzer können um Geldgeber für ein Solarprojekt werben, das Banken und Investoren zu klein oder risikoreich ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass hier völlig abgefahrene Anlagen landen, die nur rote Zahlen schreiben würden: Piske versichert, dass sie von einer Bank durchgeprüft werden.

Damit ist es aber noch lange nicht getan. Jetzt muss das Projekt möglichst viele Geldgeber finden. Denn was Crowdfunding so besonders macht: Investoren interessiert weniger die nackte Rendite als die Idee, einem liebenswerten Projekt auf die Beine zu helfen und Teil eines Entstehungsprozesses zu sein. Umgekehrt heißt das: Es gewinnt nicht der beste Businessplan die Gunst der Geldgeber, sondern die liebenswerteste Idee.

Eine Solaranlage auf einer Schule oder einem Krankenhaus würde so schneller an Geld kommen, glaubt Piske: „Projekte, die keine Fans finden, kommen auch nicht an Geld.“ Projektoren müssten so nicht nur in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis für ihre Idee werben. Je größer das Projekt ist, desto weiter müsste sich die Idee auch im Internet verbreiten. Ein deutsch-finnisches Team etwa sammelte 2012 für ihren Film „Iron Sky“ knapp eine Millionen Euro über Crowdfunding ein, um einen Teil der Produktionskosten zu decken - und musste dafür schon weltweit trommeln.

Nutzer können sich durch einen Mindestbetrag von 500 Euro an einem Solarprojekt beteiligen. Wenn bis zum Stichtag der volle Betrag zusammenkommt, fließt Geld. „Hier gilt das Prinzip: Alles oder nichts“, so Piske. Einmal aufgebaut, produzieren die Panels relativ verlässlich Strom.

So geschehen beim Solarkraftwerk in Ahrenshagen in Mecklenburg Vorpommern. Eine von Crowdener.gy gegründete Genossenschaft kaufte die Anlage im Namen der Geldgeber, die sich seither über eine hohe Rendite freuen: elf Prozent des Eigenkapitals wirft die Anlage ab, das haben sie vor allem der hohen Einspeisevergütung zu verdanken. Die Anlage wurde 2011 installiert, erhält deswegen bis 2031 27,79 Cent pro Kilowattstunde Strom von der Regierung, wenn sie bei ihren Zusagen bleibt. Bei neuen Projekten dürfte sie deutlich niedriger ausfallen, sollte aber immerhin ein Sparbuch schlagen.

Grüne RenditeDafür erhalten die Geldgeber auch Renditen, die nicht mit Geld zu messen sind. Nachdem etwa der Film „Iron Sky“ fertig war, tauchten sie als Dank nicht nur im Abspann auf. Vorher durften sie auch mit eigenen Ideen am Drehbuch mitwirken. Bei anderen Projekten gibt es eine exklusive CD oder ein Gadget, bevor es der Rest der Welt erhält. Das ist bei Solaranlagen ähnlich. „Bei uns kann sich jeder an der Energiewende beteiligen“, sagt Piske, „auch die, die sich etwa keine Solarpanels aufs Eigenheim schrauben können“. Auf Crowdener.gy investiere man nunmal nicht in einen Kinofilm, sondern in einen grüneren Planeten. Piske nennt das ökologische Rendite.

Als Vorbild nennt er die USA. In Deutschland noch in den Kinderschuhen, ist Crowdfunding für Solarprojekte In Nordamerika schon längst aus einer Nische herausgewachsen. Der Markt ist deutlich größer als in Deutschland und die Nutzer internetaffiner. In Nordamerika professionalisiert sich gerade die Szene, obwohl es auch dort ein noch neues Phänomen ist. Erst im Januar ging die Plattform Solar Mosaic online - etwa gleichzeitig also mit seinem deutschen Pendant. In den ersten Tagen kamen dort 300.000 Dollar für drei Projekte in den USA zusammen.

Auch in Deutschland wächst das Interesse, glaubt Piske. Bislang stehen nur zwei Projekte auf seiner Plattform, alle finanziert, zehn weitere lässt er aber gerade prüfen. Er rechnet fest damit, dass sich Crowdfunding in der Solarbranche etablieren wird. Was ihn so sicher macht: Er glaubt, dass sich eine Menge Leute von den großen Konzernen entfernen wollen. „Die Energieversorgung muss dezentralisiert werden, daran führt gar kein Weg vorbei.“

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