Crowdinvesting: Anlagen in grüne Startups sind hip, aber riskant

Crowdinvesting: Anlagen in grüne Startups sind hip, aber riskant

von Daniel Schönwitz

Portale, auf denen Anleger in (grüne) Startups investieren, boomen. Nur wer wichtige Regeln beachtet, verdient Geld.

Andreas Kleinselbeck und Bernhard Alberding aus Garrel bei Bremen hatten eine bestechende Idee. Sie wollten ein Verfahren entwickeln, um Hühnermist und Getreidereste in wertvolle Produkte umzuwandeln: Strom, Wärme und Biokohle, mit der sich Äcker düngen lassen.

Doch woher das Geld nehmen für den innovativen Reaktor und ihr neu gegründetes Unternehmen Tiefschwarz? Das Duo entschied, die notwendigen Euro über die Internet-Plattform Econeers bei Privatanlegern einzusammeln. Im November startete die Aktion. Gegen eine Grundverzinsung von fünf Prozent kamen in wenigen Tagen 570 000 Euro zusammen - mehr als doppelt so viel wie angepeilt. 424 Investoren wollten die grüne Technik unterstützen.

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Crowdinvesting macht SchuleDas Vorgehen von Kleinselbeck und Alberding macht Schule. Nach Künstlern suchen nun auch Erfinder und Gründer online Menschen, die sie finanziell unterstützen. Crowdinvesting heißt das auf Englisch. Die Idee findet Anklang.

Immer mehr Menschen legen ihr Geld in Projekten an, die sie für gut halten und fördern möchten. Vergangenes Jahr stellten sie über Portale wie Econeers, Seedmatch oder Companisto deutschen Gründern 15 Millionen Euro zur Verfügung - ein Plus von 250 Prozent gegenüber 2012.

Hoch im Kurs stehen grüne Startups. Drei der fünf Unternehmen, die 2013 die höchsten Beträge einsammelten, fallen in diese Kategorie. Neben Tiefschwarz waren das die Karlsruher E-volo und die Dresdner AoTerra. Die E-volo-Ingenieure wollen schon dieses Jahr den Prototypen eines elektrisch angetriebenen Hubschraubers abheben lassen; die Dresdner beheizen Gebäude mit der Abwärme von Servern.

Fünf Jahre keine ZinsenDoch es gibt auch Stimmen, die den Trend kritisch begleiten und Anleger sollten wissen: Nicht jede Technik, und sei sie noch so wertvoll für Mensch und Umwelt, setzt sich am Markt durch. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des investierten Geldes. Vor allem Investitionen in klassische Startups sind riskant. Vier von fünf Neustartern scheitern.

Die Pleitegefahr sei deutlich höher als bei etablierten Unternehmen, warnen die Anlegerschützer der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wie unvorteilhaft die Konditionen mitunter sind, zeigt das Beispiel Seedmatch: Wer über den deutschen Marktführer beim Crowdinvesting Geld in ein Unternehmen steckt, muss es diesem mindestens fünf Jahre überlassen und erhält in dieser Zeit keine Zinsen. Erst vom sechsten Jahr an gibt es nachträglich ein Prozent pro Jahr. Aber nur, wenn die Firma noch existiert. Ist sie pleite, fallen die Zinsen weg und die Einlage von mindestens 250 Euro ist futsch.

Mehr als eine Basisverzinsung gibt es, wenn das Unternehmen Gewinne macht oder teuer verkauft wird. Dann sind Anleger an den Erträgen beteiligt und können zweistellige Renditen erzielen. Ähnlich läuft es auf den Portalen Companisto und Innovestment. Auch dort müssen Anleger auf Gewinne oder einen lukrativen Unternehmensverkauf hoffen. Und gehen leer aus, wenn die Gründer scheitern.

Das sind die wichtigsten VorsichtsregelnSeedmatch-Gründer Jens-Uwe Sauer zufolge geht es den meisten Investoren um mehr als nur die Rendite: "Wer in Startups investiert, hat die Chance, Teil einer Erfolgsgeschichte zu werden", sagt Sauer. Finanzprofis raten Crowdinvestoren allerdings dringend, sich nicht allein von ihren Gefühlen leiten zu lassen.

Die erste Vorsichtsregel gerade bei Startups: Investiere nur Geld, auf das du verzichten kannst. Zudem sollten die Geldgeber das Geschäftsmodell auf Risiken prüfen. Seriöse Unternehmen stellen sämtliche Informationen transparent ins Netz. Sie bieten ihren Anlegern an, sich einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Schwarmfinanziers mit weniger Spaß am Nervenkitzel stecken ihr Geld besser in etablierte Unternehmen. Die Plattformen bankless24 und Bergfuerst etwa haben kleinere Mittelständler im Portfolio. Aber auch auf Startups spezialisierte Anbieter wie Seedmatch vermitteln bisweilen Anteile an Unternehmen, die etabliert sind und Erfolge vorweisen können - wie die Macher des Biosnack-Herstellers Erdbär.

Wer schützt die Anleger?Die zweite Option für Anleger mit niedrigerer Risikobereitschaft: Sie können in Energieprojekte investieren, deren Geschäftsmodell erprobt ist. Diese Möglichkeit bieten neue Portale wie CrowdEner.gy aus Berlin oder die Seedmatch-Schwester Econeers, die mit Tiefschwarz einen erfolgreichen Start hinlegte.

Wissen sollten Crowdinvestoren überdies: Anders als Anbieter von Aktienfonds kontrolliert die staatliche Finanzaufsicht BaFin Unternehmen und Projektbetreiber, die via Internet Genossenschaftsanteile oder Nachrangdarlehen an Anleger verkaufen, in aller Regel nicht.

Das birgt die Gefahr, dass Anleger an dubiose Finanzjongleure geraten. Auch wenn die Plattformbetreiber unisono versprechen, solche nicht zuzulassen. Allerdings könnte die BaFin bald doch zuständig sein. Nach dem Skandal um den insolventen Windparkbetreiber Prokon will die Bundesregierung die Aufsicht der Behörde auf sämtliche Geldanlagen ausweiten.

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