Debatte: Was rettet das Klima – Wachsen oder Schrumpfen?

Debatte: Was rettet das Klima – Wachsen oder Schrumpfen?

von Benjamin Reuter

Zwei Top-Ökonomen streiten, wie Klimaschutz zu schaffen ist: Mit noch mehr Wirtschaftswachstum? Oder nur mit radikalem Wachstumsverzicht?

Einig sind sich Ottmar Edenhofer und Niko Paech eigentlich nur in ihrem Ziel: Keinesfalls dürfe sich unser Planet so aufheizen, dass Küstenstädte im Meer versinken, Dürren Hungersnöte auslösen und Stürme ganze Landstriche verwüsten. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf - auch äußerlich.

Der eine, Ottmar Edenhofer, führender Kopf im Weltklimarat IPCC und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, trägt Anzug und Krawatte. Der andere, Niko Paech, Gastprofessor für Volkswirtschaft an der Universität Oldenburg und gefeierter Buchautor ("Befreiung vom Überfluss"), erscheint zum Streitgespräch in einem renovierten Backsteinbau in Berlin-Schöneberg lässig in Jeans und mit offenem Hemdkragen.

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Edenhofer vertraut dem Markt: Setze die Politik die richtigen Anreize, könne die Wirtschaft wachsen, ohne die Umwelt zu zerstören. Für diesen Ansatz wird er auch auf dem entscheidenden Klimagipfel kämpfen, der Ende November in Paris beginnt. Auf ihm wollen sich 196 Staaten endlich auf verbindliche Ziele für den Klimaschutz einigen.

Paech hingegen hält das Spektakel in Frankreich für vertane Liebesmühe. Er warnt: Setzen wir weiter auf Wachstum, werden die Temperaturen auf der Erde kräftig steigen. Die Welt sei nur mit weniger Konsum zu retten.

Wachstumsglaube kontra Verzichtsappell. Kontroverser können Positionen nicht sein. Ring frei für den Schlagabtausch.

WiWo Green: Herr Edenhofer, sind Sie ein notorischer Optimist?

Edenhofer: Wie kommen Sie darauf?

Nun, das Klima heizt sich auf, weil die Menschheit fröhlich drauflos konsumiert, und Sie wollen den Trend ausgerechnet mit Wirtschaftswachstum brechen.

Edenhofer: Ich sage nur: Wir können uns Wachstum erlauben und dennoch die Emissionen so absenken, dass die Erde sich nicht um mehr als die gerade noch für verträglich gehaltenen zwei Grad Celsius aufheizt. Umgekehrt käme es sehr teuer, das Klima per Verzicht zu retten.

Wie hoch wäre der Preis?

Edenhofer: Wenn wir weniger Produkte herstellen, die Wirtschaftsleistung um etwa zehn Prozent absenken, reduziert das zwar die Kohlendioxidemissionen. Es würde dann aber fast 2000 Euro kosten, eine Tonne CO2 zu vermeiden. Das geht viel preiswerter.

An welche Alternative denken Sie?

Edenhofer: Mit einem funktionierenden Emissionshandel oder mit einer Steuer, über die Firmen für ihren CO2-Ausstoß zahlen müssen, ließe sich jede Tonne schon für 20 bis 40 Euro einsparen.



Und schon ist die Welt gerettet?



Edenhofer: Die entscheidende Frage ist: Wie geben wir dem technischen Fortschritt die richtige Richtung?

Ihre Antwort?

Edenhofer: CO2 zu bepreisen, egal, ob per Zertifikate oder Steuern, setzt Anreize, in Techniken zu investieren, die wenig Treibhausgase emittieren. Wollen wir das Zwei-Grad-Ziel einhalten, dürfen wir nur noch insgesamt 1000 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre blasen. Derzeit sind es 35 Milliarden Tonnen jährlich. Und es lagern noch etwa 15 000 Milliarden Tonnen in der Erde. Das heißt: Ein Großteil der Vorräte an Kohle, Gas und Öl muss im Boden bleiben. Dafür müssen sie so teuer werden, dass sich ihre Förderung nicht lohnt. Entwickelt sich der technische Fortschritt so, dass wir uns Wachstum leisten können, warum sollten wir auf ihn verzichten?

Ja, warum Herr Paech? Sie fordern, die wohlhabenden Menschen müssten sich massiv einschränken, damit uns die Erde nicht um die Ohren fliegt.



Paech: Was Herr Edenhofer sagt, ist theoretisch schön gedacht, nur zerbricht es an der Realität.

Heißt konkret?

Paech: Wir sind in unseren Konsumdemokratien weit davon entfernt, eine Mehrheit für eine solche Preissteuerung zu erhalten. Die Politik scheut schon die Diskussion darüber - aus Angst, die nächsten Wahlen zu verlieren. Erst recht will sie nicht über Konsumverzicht reden.

Die Bürger sind nicht ernsthaft bereit, dem Klima zuliebe Abstriche an ihrem Wohlstand hinzunehmen, meinen Sie?

Paech: Wenn die Steuer, anders als das deutsche homöopathische Ökosteuerchen, wirklich wirken soll, gibt es ein Dilemma: Wie können aufgeklärte Bürger eine Politik wählen, die sie durch drakonische Steuern von etwas abhalten soll, das sie freiwillig nicht aufgeben wollen, sondern sogar in immer stärkeren Dosen begehren, etwa Flugreisen, große Autos, Elektronik. Da wären sie ja schizophren.

Edenhofer: Jetzt übertreiben Sie. Es kostet nicht die Welt, über eine CO2-Bepreisung den Planeten zu retten. Wir würden das Wirtschaftswachstum bis 2050 lediglich um anderthalb Jahre verzögern.

Paech: Das halte ich für Schönfärberei. Sie suggerieren, wir könnten am Wohlstand festhalten, statt klar zu sagen, dass wir in Zukunft mit weniger auskommen müssen.



Sie vertrauen nicht auf die Wirkung grüner Technologien?



Paech: Richtig. Was aber noch schwerer wiegt: Es ist nur ein Glaubensbekenntnis, dass technischer Fortschritt die Ökosphäre entlastet. Würde er wirklich so wirken, hätten wir alle Probleme ja schon gelöst. Tatsächlich jedoch wird es immer schlimmer.

Windräder und Solaranlagen schützen die Umwelt gar nicht?

Paech: Das ist ein gutes Beispiel. Wir haben jetzt schon den Punkt erreicht, wo Rotoren, Freiflächen-Fotovoltaik und der Anbau von Mais zur Energiegewinnung jene Landschaften fressen, die bisher von der Industrialisierung verschont geblieben sind. Dann habe ich über die Produktion dieser Anlagen, ihre Entsorgung und die notwendige Infrastruktur noch gar nichts gesagt. Zudem wird diese Technologie gnadenlos überschätzt.



Jetzt hören Sie sich an wie ein Atomkraft-Befürworter.



Paech: Ich bitte Sie! Ich komme aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Aber ich wundere mich über den Scheck, den Umweltaktivisten den Erneuerbaren ausstellen. Wenn Klimaschutz Natur zerstört, ist es Zeit, die Reißleine zu ziehen.

Edenhofer: Da widerspreche ich klar. Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, müssen wir die Weltwirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts dekarbonisieren, also CO2-frei machen. Mit Wachstumsverzicht setzen wir diesen Prozess nicht in Gang.

Müssten wir uns denn wirklich stark einschränken?

Edenhofer: Mehr noch. Dann könnten wir auch den Kampf gegen die weltweite Armut aufgeben. Stellen Sie sich vor, die Wirtschaft wüchse nicht. Dann müsste immer noch das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen eines Amerikaners von 49 000 Dollar und das eines Europäers von 26 000 Dollar auf 10 000 Dollar sinken, um den Reichtum gerecht auf der Welt zu verteilen. Das zeigt, mit welch gewaltigen Konflikten Nullwachstum verbunden wäre. Ganz abgesehen davon, dass China und Indien diesen Weg beim Klimaschutz nicht mitgehen.

Paech: Ich bleibe dabei. Es ist eine Mär, dass die Wirtschaft wachsen und dennoch weniger Ressourcen verbrauchen kann. Diese Entkopplung oder Dematerialisierung funktioniert nicht. Allein schon daher nicht, weil mit der Wirtschaftsleistung auch das Einkommen steigt und damit die Kaufkraft - egal, ob sich das Mehr der Staat, Unternehmen oder Arbeitnehmer unter den Nagel reißen.

Und wenn sie CO2-arme Produkte kaufen?

Paech: Dazu kann man sie nicht zwingen. Wir wissen längst, wie viel CO2 in jedem Euro steckt, den Menschen durch Wirtschaftswachstum zusätzlich ausgeben. Im günstigsten Fall eines genügsamen Warenkorbs bedeutet jeder zusätzliche Euro ein Kilogramm CO2 mehr; im schlechtesten Fall - viel fliegen, viel Fleisch essen - können es sogar fünf Kilo sein. Die Folge ist: Technischer Fortschritt schont die Umwelt nur, wenn die Wirtschaft nicht wächst.

Edenhofer: Da ziehen Sie die falschen Schlüsse. Natürlich ist die Dekarbonisierung der Wirtschaft ein langer Weg. Aber dabei werden uns Erfindungen helfen, etwa in der Speicher- oder Batterietechnik, die momentan noch nicht ausgereift sind. Sie unterschätzen das kreative Potenzial der Menschen. Mit Anreizen für entsprechende Techniken können wir Klimagase in Grenzen sogar wieder einfangen.

Paech: Sorry, aber die Physik lässt sich mit monetären Anreizen nicht verändern. Auch wenn ich dem Mathematiker noch so viel Geld zahle, bekommt er die Quadratur des Kreises nicht hin. Technischer Fortschritt verlagert die Umweltprobleme nur, deshalb gibt es Wachstum nie zum ökologischen Nulltarif.



Wenn Anreize nicht helfen, wie wollen Sie dann das Wirtschaftssystem umweltverträglicher machen?



Paech: Ganz einfach: Jeder Deutsche oder Afrikaner, jeder Hartz-IV-Empfänger oder Manager darf die Atmosphäre im Jahr nur mit 2,7 Tonnen CO2 belasten. Dann ließe sich das Zwei-Grad-Ziel erreichen.

Momentan verbraucht jeder Deutsche elf Tonnen. Solcher Zwangsverzicht würde hart in unsere Lebensstile eingreifen.

Paech: Ein Mensch in Afrika, der weniger als 2,7 Tonnen verursacht, könnte den Rest seines Budgets verkaufen. Klar ist: Bei diesem Wert ist es nicht mehr möglich, große Autos zu fahren, in die USA zu fliegen oder Einfamilienhäuser zu bauen.

Sie wollen den Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben?

Paech: Ganz und gar nicht. Aber wir müssen der Gesellschaft ehrlich mitteilen, wo die Grenzen liegen, wenn wir Klimaschutz ernst nehmen. Innerhalb dieser Grenzen kann jeder frei entscheiden.

Edenhofer: So wird Klimapolitik unweigerlich zum Schreckgespenst. Sie unterschlagen, dass selbst 2,7 Tonnen pro Kopf nicht ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel auch längerfristig einzuhalten. Ich will aber nicht, dass der Staat den Menschen ihren Lebensstil vorschreibt. Es ist genau der große Vorteil der Strategie, Kohlendioxid einen Preis zu geben: Die Konsumenten würden ihren Lebensstil anpassen, aber sie hätten die Wahlfreiheit, wie sie es tun. Und selbst wenn wir uns auf ein solches Klimabudget verständigten: Warum sollten die Menschen dann nicht die Möglichkeit haben, mit CO2-armen Techniken ihren materiellen Wohlstand zu erhöhen?

Paech: Das Elektromobil existiert, wir nutzen Windkraft, Solarthermie, Fotovoltaik und bauen Passivhäuser. Dennoch steigt der Pro-Kopf-Ausstoß an Klimagasen, und es entstehen zusätzliche Umweltschäden.

Edenhofer: Es stimmt. Aller technischer Fortschritt wird in Wirtschaftswachstum umgemünzt. Aber nur, weil CO2 keinen Preis hat. Ich versuche es mit einem anderen Vergleich: Zu Beginn der Industrialisierung stiegen die Reallöhne jährlich um rund fünf Prozent. Viele Ökonomen glaubten damals, die Wirtschaft ginge daran kaputt. Ist sie aber nicht. Denn die höheren Löhne zwangen die Unternehmen, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Auf die gleiche Weise müssen wir jetzt die Ressourcenproduktivität steigern. Dann schaffen wir es, Wachstum vom Material- und Energieverbrauch zu entkoppeln. Die Wirtschaftsgeschichte zeigt doch, dass man dem technischen Fortschritt eine Richtung geben kann.

Paech: Unbenommen hat uns der technische Fortschritt materiell reich werden lassen. Aber die Rechnung für diese anscheinend glänzende Geschichte haben wir noch nicht bekommen.

Wie hoch fällt Sie Ihrer Ansicht nach aus?

Paech: Das lässt sich nicht beziffern. Unabhängig davon sind Produktivität und Effizienz für mich Mythen. Woran messen wir die Produktivität einer Maschine? Daran, dass wir weniger Arbeitsstunden reinstecken müssen, um einen bestimmten Output zu erzeugen. Aber alle stofflichen Nebenwirkungen blenden wir aus. Ähnliches gilt für die Landwirtschaft. Da werden Produktivitätserhöhungen daran festgemacht, wie grandios der Ertrag pro Hektar gestiegen ist. Aber über das Wasser, die Chemie, die Energie, die Mechanisierung und die Flächen anderswo, die ich brauche, um auf diesem Hektar die Ernte zu erhöhen, wird nichts gesagt. Ökonomen sollten vermeintliche Produktivitäts- und Effizienzfortschritte kritisch hinterfragen.

Das ist alles gut und schön, aber illustriert nicht, Herr Edenhofer, das griechische Drama drastisch, was passiert, wenn eine Volkswirtschaft schrumpft?

Edenhofer: Es ist nicht nur ein ökonomisches, sondern auch ein soziales Desaster. Die Infrastruktur zerfällt, Städte veröden, Hospitäler müssen ihre Leistungen reduzieren. Vor allem kann die Gesellschaft nicht in die Jugend investieren.

Aber auch höhere Ressourcenpreise würden die griechische Wirtschaft in ihrer momentanen Verfassung noch tiefer in die Depression stürzen.

Edenhofer: Im Gegenteil. Eine moderate CO2-Steuer böte sogar Chancen. Das lässt sich an Indien zeigen. Würde die Regierung dort die Tonne CO2 mit zehn Dollar belasten, könnte sie aus den Einnahmen jedes Jahr mehr als 60 Millionen Menschen zusätzlich Zugang zu Elektrizität, sauberem Wasser, Sanitäreinrichtungen und Telekommunikation verschaffen. Ein riesiges Programm zur Armutsbekämpfung.

Und Sie, Herr Paech, würden den Griechen zu noch mehr Sparen raten?

Paech: Zunächst sollte der griechische Staat Steuervermeidung bekämpfen, die Arbeitszeit umverteilen, regionale Wirtschaftskreisläufe und eine moderne Selbstversorgung fördern. Investieren sollte er vor allem in Bildung, Gesundheit und Ernährungssicherheit - diese Grundbedürfnisse sind nirgendwo verhandelbar. Aber für eine griechische Konsumgesellschaft nach mitteleuropäischem Muster fehlt jede realistische Grundlage.

Was würde Ihre Postwachstumsökonomie für uns bedeuten? Oder anders gefragt: Wie halten Sie das 2,7-Tonnen-Limit ein?

Paech: Ich fliege nicht, esse vegetarisch, fahre kein Auto, bewohne kein Einfamilienhaus, beschränke mich auf wenige Konsumgüter, die ich extrem lange nutze, mit anderen teile und repariere...

...Sie haben nicht einmal ein Handy.

Paech: Genauso wenig wie einen Fernseher, eine Mikrowelle, eine Digitalkamera oder einen Föhn.

Wow, wir sind beeindruckt. Glauben aber nicht, dass sich viele Deutsche so wenig gönnen mögen.

Paech: Wo die Technik versagt, hilft nur Reduktion. Das ist keine Ethik, sondern reine Mathematik. Reduktion lässt sich nicht delegieren, sondern nur durch genügsamere Lebensstile umsetzen. Aber das ist für jene, die ökologisch über ihre Verhältnisse leben, kaum Verzicht, denn wir haben auch psychische Wachstumsgrenzen erreicht. Statt dass wachsender Wohlstand immer glücklicher macht, grassieren Depression, Burn-out und andere Erschöpfungssymptome.

Edenhofer: Den Klimaschutz einfach an die Konsumenten zu delegieren wird nicht funktionieren.

Paech: Wir müssen einen kulturellen Wandel herbeiführen. Ich weiß, wie schwer das ist, aber es führt kein Weg daran vorbei.

Edenhofer: Ich sehe die Zukunft im 21. Jahrhundert so: Wir haben noch nie so viele Chancen gehabt, Armut zu beseitigen sowie Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung umweltfreundlich zu ermöglichen. In meinen Augen gibt es wenig Anlass, sich vor der Apokalypse zu fürchten. Wir sind eine privilegierte Generation.

Das klingt nach einer schmerzfreien Lösung.

Edenhofer: Das wird schon anstrengend, und es braucht viel Mut. Da schwitzt man wie beim Bergsteigen.

Herr Paech, wie wollen Sie erst die Habenichtse dieser Welt für Verzicht begeistern?

Paech: Natürlich hätten Inder, Chinesen und Afrikaner alle gerne auch Autos, Smartphones und Fernseher. Aber warum? Weil wir es vorleben. Wenn wir ihnen aber ein anderes Bild vom guten Leben zeigen - fröhlich, kreativ und aus Einsicht genügsam - , könnten sich ihre Werte verschieben. Wir müssen in Vorleistung gehen, nur das kann überzeugen.

Verabschieden Sie sich mit Ihrer Postwachstumsökonomie vom Kapitalismus, wie wir ihn kennen?

Paech: Mir wird der Begriff des Kapitalismus viel zu undifferenziert und ideologisch verwendet. Kreatives Unternehmertum, Märkte und Privateigentum müssen nicht per se falsch sein, bedürfen aber einer korrigierten Rahmung und eines verringerten Größenmaßstabs. In einer zukunftsfähigen Ökonomie sollten entmonetarisierte Formen der Selbstversorgung und Gemeingüter einen hohen Stellenwert genießen, um möglichst wenig Technik und Industrie zu benötigen.

Edenhofer: Ich weiß, ehrlich gesagt, gar nicht, wie man den Kapitalismus per politischem Beschluss abschaffen will. Allerdings müssen wir ihn so reformieren, dass Ungleichheit und Armut überwunden werden und die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Klimagase in den Preisen zum Ausdruck kommt. Dann zahlt sich die Findigkeit der Unternehmen in einem besseren Klimaschutz aus.

***

Edenhofer, 53, ist Direktor des privat finanzierten Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und lehrt an der TU Berlin. Im Weltklimarat leitet der Niederbayer die Arbeitsgruppe III zur Milderung des Treibhauseffekts.

Paech, 54, ist Gastprofessor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt der Universität Oldenburg. Der studierte Volkswirt aus Niedersachsen entwickelt eine Postwachstumsökonomie und ist mit seinem Buch über die "Befreiung vom Überfluss" zur Ikone der deutschen Nachhaltigkeitsbewegung aufgestiegen.

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