Energiegenossenschaften: Woran die Energiewende für alle scheitert

Energiegenossenschaften: Woran die Energiewende für alle scheitert

Energiegenossenschaften wollen die Energiewende in Bürgerhand - das Geschäftsmodell droht zu scheitern.

Von Marcus Pfeil. Der Journalist und Autor ist Partner der MedienManufaktur Wortlaut & Söhne und Mitgründer von Follow the Money.

Zwischen Pkw-Maut und der Frage, ob sich Peer Steinbrück nach seiner Wahl an den Beamtenpensionen vergreifen würde, ging die Energiewende im TV-Duell zwischen ihm und Angela Merkel ein wenig unter - so wie überhaupt in diesem Wahlkampf.

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Wenigstens gab Angela Merkel zu, dass sie früher nicht so gut darin war, die Dinge aus heutiger Sicht zu betrachten. Dass das Erneuerbare Energie-Gesetz (EEG) einen Solarboom in Deutschland auslösen würde, konnte man nun wirklich nicht wissen. Wie schnell dieser Boom wieder vorbei sein würde, vielleicht auch nicht.

Aufgewühlt von der Reaktorkatastrophe in Fukushima, angelockt von niedrigen Zinsen und der Verheißung risikoloser Gewinne haben immerhin 130.000 Menschen im Land zu Energiegenossen werden lassen.

Gemeinsam haben sie 1,2 Milliarden Euro in Bürger-Kraftwerke investiert, ihr Strom reicht für 160.000 Haushalte. Politik und Medien feierten Energiegenossenschaften schon als Pioniere der Energiewende, als Vorhut einer dezentralen Stromversorgung.

Jahrelang war ihr Geschäft ein Selbstläufer, solange der Staat vor allem Solarstrom zum Festpreis abnahm. Dabei droht den meisten die Geschäftsgrundlage wegzubrechen, die Mitglieder jüngerer Genossenschaften verlieren nach Abzug der Inflation sogar Geld.

Kaum Dividende im letzten JahrDenn wegen des Mitgliederzulaufs mangelt es den meisten der inzwischen über 700 Energiegenossenschaften zwar nicht an Kapital, dafür aber an Gelegenheiten, dieses Geld vernünftig auszugeben. Und ohne vernünftige Projekte dümpelt das Mitgliederkapital zu Niedrigzinsen auf dem Konto.

Mehr als 60 Prozent der Gesellschaften haben im vergangenen Jahr keine Dividende an ihre Mitglieder ausschütten können, die meisten davon haben sich erst in den vergangenen zwei, drei Jahren gegründet. Jenseits bester politischer und ökologischer Absichten taugt das Bürgerengagement nur noch bei Genossenschaften als Investment, die von den stabilen Erträgen ihrer alten Anlagen zehren.

Für neue Gesellschaften aber sind die Zeiten überdurchschnittlicher und gleichzeitig risikoloser Renditen von bis zu sieben Prozent vorbei. Genossen bekommen immer weniger für ihren Strom, seit Januar sinkt die staatlich garantierte Einspeisevergütung um bis zu 2,8 Prozent – und zwar monatlich.

Die Produktionskosten für Ökostrom sinken aber nicht mehr mit. Zwischen 2010 (2.400 Euro pro Kilowatt) und 2013 (unter 1.100 Euro) noch im freien Fall, haben die Preise für Module, Gestelle und Wechselrichter einen Boden gefunden. Billiger geht nicht. Längst verbauen die Genossen chinesische, von der Kommunistischen Partei obendrein subventionierte Billigware. Obwohl sie die Wertschöpfung doch eigentlich in der Region belassen wollten.

Windparks als Lösung?Keiner von den Energiegenossen weiß, ob das EEG die Bundestagswahl übersteht. Und trotzdem machen noch immer vier von fünf Energiegenossenschaften nichts anderes, als Ökostrom ins Netz zu speisen. Zwei von drei Genossenschaften ausschließlich über Solaranlagen. Jede zweite betreibt nur Flächen mit mäßiger Sonneneinstrahlung. Und dennoch plant noch immer mehr als die Hälfte der Energiegenossenschaft reflexartig Investitionen in Solaranlagen.

Die übrigen denken über teure Windmühlen nach oder darüber, ihren Strom selber zu vermarkten, Gebäude energetisch zu sanieren oder wie die Bürgerenergie Berlin eG gleich ein ganzes Stromnetz zu kaufen.

Doch je größter die Projekte, desto höher die Risiken: Die meist ehrenamtlich arbeitenden Vorstände müssen sich plötzlich im Wettbewerb mit privaten Unternehmen behaupten. Manche reifen dabei selbst zu Unternehmern, einige werden wie einst die Volks- und Raiffeisenbanken fusionieren, andere drohen zu scheitern.

Die wenigsten haben das Know-how, einen Windpark vernünftig zu planen geschweige denn zu betreiben. Und selbst die Genossen, die in der Lage sind, ihren eigenen Strom zu vermarkten, werden von potenzieller Kundschaft bisweilen nur milde belächelt.

So haben die meisten Bundesländer einen Rahmenvertrag mit RWE, Eon, EnBW oder Vattenfall, der die Konditionen für kommunale Betriebe sichert. In Bayern etwa sinkt der Strompreis für die öffentliche Kundschaft im kommenden Jahr um 42 Prozent auf 8,5 Cent je Kilowattstunde, EEG-Umlage, Stromsteuer und Netznutzung inklusive. Das hat der Gemeindetag mit Eon so verhandelt. Viel Raum für die Energiegenossen bleibt da nicht.

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